Von Passagieren

08. Januar 2020 13:40; Akt: 09.01.2020 10:05 Print

Zugbegleiter wegen Namensschildern bedroht

Zugbegleiter fordern die Abschaffung der Namensschilder. Immer wieder soll es zu brenzligen Situationen gekommen sein.

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«Die Kundenbegleiter der SBB sind zunehmend mit schwierigen Situationen konfrontiert», heisst es in einer Petition einer Sektion der Service-public-Gewerkschaft Transfair. Schuld daran sollen die persönlichen Namensschilder sein. «Es kommt immer wieder zu verbalen Angriffen gegen das Zugpersonal. Uns wurden mehrere Aussagen wie ‹ich kenne deinen Namen, ich weiss, wo du wohnst› gemeldet», präzisiert transfair-Regionalsekretär Werner Rüegg. Die Bedrohungen sollen sich vor allem im Rahmen von Kontrollen ereignen, so Rüegg.

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Was halten Sie von den Namensschildern des SBB-Zugpersonals?

Der Mediensprecher befürchtet, dass die Situation sich in den nächsten Jahren noch verschärfen wird: «Es ist ein Leichtes, online den Namen zu googeln und so an private Informationen zu kommen.»

Personalnummer mit Berufsbezeichnung statt Namen

Gefordert wird nun, dass die persönlichen Namensschilder durch neutrale ersetzt werden. In der Realität heisst das: «Die Zugbegleiter wollen statt ihrem Namen nur noch ihre Personalnummer mit ihrer genauen Berufsbezeichnung auf der Tafel haben», erklärt Rüegg. So wäre durch die Personalnummer eine Beschwerde genauso möglich wie mit dem vollem Namen.

Bisher wurde die Petition von 556 Personen unterschrieben.

Die SBB lehnt die Forderung ab: «Die SBB ist überzeugt, dass eine persönliche Betreuung der Fahrgäste einen wichtigen Beitrag zur positiven Kundenwahrnehmung leistet. Dazu gehört auch ein persönliches Namensschild mit Initiale, Nachnamen und Berufsbezeichnung», so Mediensprecher Raffael Hirt. Deswegen habe man besagte Petition abschlägig beantwortet.

Der Zugbegleiter heisst vielleicht anders als auf dem Schild

«Im Schnitt ereignen sich auf dem Netz der SBB alle zwei bis drei Tage ein Übergriff auf das Personal – dies bei täglich 1,26 Millionen Reisenden», so Hirt. Transfair befürchtet jedoch, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt. «Viele glauben nicht an den Gang zur Meldestelle und behalten den Vorfall für sich», sagt Rüegg.

Obwohl die Sicherheitslage in den letzten Jahren laut Hirt stabil blieb, sind einzelne Fälle «tendenziell gröber» geworden. «Seit einigen Jahren können Mitarbeitende, die negative Erfahrungen gemacht haben, ein Namensschild mit einem fiktiven Namen beantragen», erklärt Hirt. So würde das Unternehmen den Schutz der Mitarbeiter sichern.

Die SBB verurteilt jede Art von Übergriffen: «Jeder Übergriff wird wird konsequent zur Anzeige gebracht. Die einzige Ausnahme ist, wenn die betroffene Person das nicht möchte.» Hirt betont jedoch, dass SBB-Bahnhöfe und -Züge seit jeher zu den sichersten Bereichen im öffentlichen Raum gehören würden.


Tragen Sie im Job ebenfalls ein Namensschild? Haben Sie in Ihrem Beruf deshalb auch schon schwierige Situationen erlebt? Wurden Sie von Kunden gestalkt oder gar bedroht? Was halten Sie von den neutralen Ansteckern? Berichten Sie uns davon.

(juu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claude Moser am 08.01.2020 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mehr Zeitgemäss

    Die Namensschilder sind nicht mehr Zeitgemäss und erhöhen das Risiko für Angestellte. Der Respekt und Anstand gegenüber Personal schwindet immer mehr, besonders während Randzeiten.

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  • otto am 08.01.2020 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    sollte man überdenken

    Bei uns, Sozialbereich, ist vielen Mitarbeitern wegen ihrem Namen, der auf jedem Briefkopf steht, mulmelig zumute. Ich denke schon, dass man in der heutigen Zeit und zum Schutze der Angestellten, mit Namen vorsichtig umgehen sollte.

  • Dani am 08.01.2020 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Kann ich verstehen

    Ich habe mich auch im Militär geweigert, ausserhalb der Kaserne ein Namenschild zu tragen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marcello am 09.01.2020 20:19 Report Diesen Beitrag melden

    Namensschild ist kein Problem

    Wer nichts zu verbergen hat und sich anständig benimmt, hat überhaupt nichts zu befürchten, wenn er ein Namensschild trägt. Alle anderen sollen sich fragen, warum es ein Problem für sie ist, wenn sie ein Namensschild tragen.

    • Elsa R am 09.01.2020 21:25 Report Diesen Beitrag melden

      Unwissenheit

      Wenn Sie wüssten...man kann den MA auch so identifizieren wenn was vorgefallen ist. Aber ich wurde auch schon tätlich angegriffen, nur weil ich eine Busse geschrieben habe. Zum Glück waren Passagiere da, die mir helfen konnten.

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  • Elisabeth Bänz am 09.01.2020 19:57 Report Diesen Beitrag melden

    Schilder

    Im Verkauf trägt man auch Namensschilder, ich fand das auch nicht unbedingt gut, aber scheinbar muss das einfach so sein , zwar wird überall von Datenschutz gesprochen, aber das gilt eben nicht für alle

  • Jens am 09.01.2020 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    Alle sind gleich

    Meine Freundin die Susi, die brüllt mich, wenn wir ganz allein sind, auch mit fiktiefer an. Sie ist so ein Engel. Aber ansonsten einfach Jens, Purzel oder Schatz. Warum schreiben sich die SBB Angestellten nicht einfach alle als Schatz an? Wäre doch voll süss.

  • IV-Rentner am 09.01.2020 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    Wussten Sie schon...

    Bei der IV sind fiktive Namen schon länger Usus. Aus gutem Grund.

  • A.Surrer am 09.01.2020 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Vor ein paar Tagen im Bus

    konnte ich zwei "Greta's-Dudes" (also ca 16 Jahre) zuhören wie sie darüber sprachen wie sie einen Kontrolleur verprügelten, weil er die Fahrkarten kontrollieren wollte, extrem dabei war, das diese zwei der Ansicht waren der Kontrolleur hätte dies ja verdient...macht euch eure Gedanken selber.

    • Lehrer am 09.01.2020 17:11 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Wunder

      Wer freitags die Schule schwänzt um zu klatschen, der hat einen an der Klatsche. In Zukunft brauchen für geschlossene Anstalten für die gesamte Greta-Generation, die dem Wahn anheim fielen.

    • Echt jetzt? am 09.01.2020 20:19 Report Diesen Beitrag melden

      Nachdenken

      Ich finde es traurig und beschämend, dass Greta als Sündenbock für ALLES herhalten muss. Was hat sie mit diesem Fall hier zu tun?

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