SBB-Zugbegleiterin

07. Februar 2020 04:48; Akt: 07.02.2020 07:14 Print

Pendler sagt «Grüezi» und wird prompt belohnt

von B. Zanni - Eine Zugbegleiterin schenkte einem Pendler einen Gutschein, weil er sie gegrüsst hatte. Auch andere Zugbegleiter wünschen sich mehr Höflichkeit.

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Pendler A.S. kam auf seiner Zugfahrt unverhofft zu einem Gutschein. Er habe von der SBB soeben einen Gutschein erhalten, weil er freundlich gegrüsst habe, schrieb er kürzlich in einer Instagram-Story. Trocken fügte er an: «kein Witz». Reto Schärli, SBB-Mediensprecher, sagt: «Selbstverständlich darf das Zugpersonal Reisende positiv überraschen. Man freut sich immer über jedes nette Wort von Kundinnen und Kunden, auch wenn natürlich nicht jeder Gruss mit einem Kaffeegutschein belohnt wird.» Zugbegleiter treffen bei ihrer Arbeit jedoch immer wieder auf Passagiere, die nicht grüssen. Er könne die Kollegin verstehen, die den Bon ausgestellt habe, sagt Jordi DAlessandro, Zugbegleiter und Vizepräsident des Zugpersonals bei der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV. «Auch ich wünschte mir, dass uns alle Kunden morgens grüssen», sagt d'Alessandro. Es sei bedauerlich, wenn einen Personen nicht grüssten, auf die man mit einem Lächeln und der Motivation, das Beste zu bieten, zugehe. Babette Sigg Frank, Präsidentin des Schweizerischen Konsumentenforums, lobt das Verhalten der Zugbegleiterin, die dem Pendler fürs Grüssen einen Gutschein ausstellte. «Es ist fantastisch, dass das Zugpersonal auch reagiert, wenn ihm etwas Aussergewöhnliches auffällt.» Laut Sigg hat die Kundenfreundlichkeit aber tatsächlich eher abgenommen. «Ob im Zug oder im Laden – Kunden grüssen das Personal kaum mehr zurück.» Auch andere Pendler kamen im Zug schon unverhofft zu einem Gutschein für den Speisewagen.

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Im ersten Moment dachten die Freunde von A. S.*, er wolle sie auf den Arm nehmen. Die Info in seiner Instagram-Story klang wie ein schlechter Scherz: Er habe von der SBB soeben einen Gutschein erhalten, weil er freundlich gegrüsst habe, schrieb er kürzlich. Trocken fügte er aber an: «kein Witz». Stolz präsentierte er dabei einen Gutschein von 6 Franken, ausgestellt vom SBB-Kundendienst.

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Noch müde von seinem Rückflug aus Abu Dhabi sei er am 20. Januar morgens im Interregio von Kloten nach Wil SG gesessen, sagt der 28-Jährige. «Irgendwann kam die Kondukteurin und sagte ‹guten Morgen›. Ich grüsste recht enthusiastisch zurück und zeigte ihr mein Billett», so S.

Danach hätten sie noch zwei Worte gewechselt. «Als ich mich wieder meinem Handy zuwandte, sagt S., druckte sie etwas aus, drückte es mir in die Hand und meinte, ich solle mir damit einen Kaffee im Speisewagen gönnen. Ich sei der Einzige gewesen, der sie heute gegrüsst habe.» Er habe sich über den Bon gefreut und sich bei ihr bedankt.

«Alle Kunden sollten grüssen»

SBB-Mediensprecher Reto Schärli sagt, es sei schön, dass sich der Reisende über die nette Geste der Kundenbegleiterin gefreut und dies in den sozialen Medien geteilt habe. Auf die Frage, ob es üblich sei, freundliche Passagiere mit Gutscheinen zu belohnen, sagt er: «Selbstverständlich darf das Zugpersonal Reisende positiv überraschen. Man freut sich immer über jedes nette Wort von Kundinnen und Kunden, auch wenn natürlich nicht jeder Gruss mit einem Kaffeegutschein belohnt wird.»

Zugbegleiter treffen bei ihrer Arbeit jedoch immer wieder auf Passagiere, die nicht grüssen. Er könne die Kollegin verstehen, die den Bon ausgestellt habe, sagt Jordi D’Alessandro, Zugbegleiter und Vizepräsident des Zugpersonals bei der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV. «Auch ich wünschte mir, dass uns alle Kunden morgens grüssen.» Es sei bedauerlich, wenn einen Personen nicht grüssten, auf die man mit einem Lächeln und der Motivation, das Beste zu bieten, zugehe.

Oft seien die Passagiere auf ihr Smartphone konzentriert oder hätten Kopfhörer in den Ohren. «Dadurch sind sie manchmal weniger höflich», so D’Alessandro. Unhöfliche Passagiere wolle er aber nicht verurteilen. «Ich weiss ja nicht, was sie gerade beschäftigt.» Zudem sei die Mehrheit der Kunden höflich. «Deshalb mache ich auch diesen Job.»

«Selbstverständliches wird schon belohnt»

Babette Sigg Frank, Präsidentin des Schweizerischen Konsumentenforums, lobt das Verhalten der Zugbegleiterin, die dem Pendler fürs Grüssen einen Gutschein ausstellte. «Es ist fantastisch, dass das Zugpersonal auch reagiert, wenn ihm etwas Aussergewöhnliches auffällt.» Gleichzeitig sei es aber sehr bedenklich, dass es im ganzen Zug offenbar nur einen einzigen Passagier gegeben habe, der die Zugbegleiterin gegrüsst habe. «Nun sind wir offensichtlich so weit, dass etwas so Selbstverständliches wie Höflichkeit belohnt wird.»

Laut Sigg hat die Kundenfreundlichkeit aber tatsächlich eher abgenommen. «Ob im Zug oder im Laden – Kunden grüssen das Personal kaum mehr zurück.» Betrete sie einen Laden, gehe sie hingegen immer gleich selbst in die Offensive. «Ich sage dann ‹Grüezi mitenand› – und werde von den anderen Kunden schräg angeschaut.»

*Name der Redaktion bekannt.


Gutscheine für Info und Ehrlichkeit


Auch andere Pendler kamen im Zug schon unverhofft zu einem Gutschein. «Im Dezember gab mir ein Zugbegleiter im Intercity zwischen Basel und Zürich als Dank für meine Ehrlichkeit einen Gutschein fürs Bistro», sagt T. K.* Er habe den Zugbegleiter zuvor darauf aufmerksam gemacht, dass er ihm nach dem Lösen eines Klassenwechsels statt 7 über 30 Franken Rückgeld gegeben habe.

Ähnliche Erfahrungen machte Sigg Frank. Sie habe vor rund einem Jahr beim Einsteigen in den Zug eine halboffene Abdeckung bemerkt und die Zugbegleiterin informiert. «Als Dank für die Mitteilung gab sie mir einen Gutschein für den Speisewagen.»

Auch eine Szene in der 2017 ausgestrahlten SRF-«Dok»-Serie «Wir Pendler» illustriert das ignorante Verhalten von Pendlern:


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kommentarleser am 07.02.2020 04:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Geste

    Schöne Geste! Eigentlich kaum vorstellbar und sehr bedenklich , dass für das normalste der Welt nämlich Anstand, heute Belohnungen ausgestellt werden müssen.

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  • Dani/Luzern am 07.02.2020 05:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anstand

    Wenn man nicht Grüßt oder nur darauf wartet bis man zuerst gegrüßt wird, ist dies einfach respektlos. Das sollte das "a" und "o" in unserer Gesellschaft sein. Man Grüßt einfach und das hat mit Erziehung zu tun.

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  • Sofia am 07.02.2020 05:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bünzler

    Sorry ich arbeite im Verkauf und dort können Kunden auch nicht Grüssen kein Bitte oder Danke Fehlanzeige. Teilweise wird man von oben herab behandelt und erstaunlicherweise sind es meistens die ältere Generation was Benehmen vergessen hat. Mit jungen Kunden haben wir fast keine Probleme.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter am 08.02.2020 21:42 Report Diesen Beitrag melden

    niemand mag Kontrolleure

    Naja, es ist halt auch ein sehr fragwürdiger Beruf, andere Menschen auf dem Arbeitsweg zu belästigen.

  • Kim Meier am 08.02.2020 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstverständlich

    Wer nicht grüsst, hatte keine gute Kindrstube. Ist doch selbstverständlich ein "grüezi", "danke" oder "adiä".

  • Dieter Heinrich am 08.02.2020 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Motzkopf

    sry wenn es Menschen gibt, die morgens ihre Ruhe haben möchten

  • Päsche am 08.02.2020 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Gibt sogar ein Budget für so was

    Bei der SBB gibt es sogar extra ein Konto für solche Aufmerksamkeiten; nennt sich "Freude-Machen-Budget"

  • Expat am 08.02.2020 18:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freundlichkeit, mehr nicht

    Freundlichkeit sollte normal sein und nicht bezahlt werden müssen ... also ... Grüezi und adeeeeeeee.