Bestrafungsbefehl

18. Oktober 2018 11:03; Akt: 22.10.2018 16:12 Print

Rekrut schlägt Kamerad mit Ast bewusstlos

von A. Peterhans - Nach dem Vorfall in Emmen LU kommt ein weiterer Fall von körperlicher Züchtigung bei der Armee ans Licht. Auf Befehl schlug ein Rekrut mit einem Ast zu.

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Ein Video, das SRF am Dienstag veröffentlicht hat, zeigt einen Rekruten, der von seinen Kollegen mit Steinen und Nüssen beworfen wird. Nun deckt 20 Minuten einen ähnlichen Fall auf, der sich im vergangenen Sommer in der Grenadier-RS in Isone TI ereignet hat. «Mein Zugführer befahl mir, einem Rekruten im Wald mit einem etwa 30 Kilogramm schweren Ast auf den Helm zu schlagen», sagt L. M.* «Gib ihm eis uf e Grind!», habe der Vorgesetzte gemeint. Das Opfer, T. Z.*, sei auf die Knie gefallen und kurz ohnmächtig geworden. Nach Angaben von M. verlangte der Zugführer explizit einen grösseren Ast für die Tat. Grund für die Bestrafung war ein Fehler in einer Übung. Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt die Armee den Vorfall in Isone. Armeesprecher Daniel Reist sagt, der Zugführer habe die Vorkommnisse der vorgesetzten Stelle selbst gemeldet. Darauf habe der Kommandant eine Disziplinaruntersuchung angeordnet, aber beschlossen, den Fall kompanieintern zu lösen. Rekrut und Zugführer wurden mit einer Disziplinarbusse bestraft. Der Rekrut musste 200 Franken bezahlen, der Zugführer 300.. Laut Unterlagen der Vernehmungen hat der Rekrut «ohne gross zu überlegen, einen Ast aufgenommen und ihn mit übertriebener Kraft auf den Helm des betroffenen Rekruten geschlagen», so Reist. Die Einvernahme habe ergeben, dass von keiner Seite eine «boshafte Absicht» dahintergesteckt habe. Der geschlagene Rekrut habe unmittelbar danach einen Arzt aufsuchen können und sei unverletzt gewesen.

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«Wir akzeptieren keine körperliche Züchtigung», twitterte die Armee am Mittwoch. Rekruten hatten in Emmen auf Anordnung einen Tessiner Kameraden mit Steinen und Nüssen beworfen. Nun deckt 20 Minuten einen ähnlichen Fall auf, der sich im vergangenen Sommer in der Grenadier-RS in Isone TI ereignet hatte.

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«Mein Zugführer befahl mir, einen Rekruten im Wald mit einem etwa 30 Kilogramm schweren Ast auf den Helm zu schlagen», sagt L. M.* «Gib ihm eis uf e Grind!», habe der Vorgesetzte gemeint. Das Opfer, T. Z.*, fiel auf die Knie und wurde kurz ohnmächtig. Nach Angaben von M. verlangte der Zugführer explizit einen grösseren Ast für die Tat.

Eine Strafaktion

Die Wucht des Schlages habe er dann völlig unterschätzt, sagt M.: «Ich wollte das eigentlich nicht tun. Ich wollte mich meinem Vorgesetzten aber auch nicht widersetzen. Er war zwar streng, aber ganz in Ordnung.»

Der Schlag sollte eine Bestrafung für seinen Kollegen darstellen. «Wir mussten eine Übung mit Handgranaten machen. Bei der Kontrolle der Munition am Ende der Übung bemerkte unser Zugführer, dass eine Handgranate fehlt – obwohl mein Kollege Z.* die Aufgabe hatte, die nicht detonierten Granaten bei den Rekruten einzusammeln und ihm zu melden», sagt M. Die fehlende Granate hatte M. noch in der Tasche, da seine nicht eingesammelt wurde. Z. hat seinen Zugführer damit falsch informiert und sollte bestraft werden.

Rekrut zahlt 200, Zugführer 300 Franken

Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt die Armee den Vorfall in Isone. Armeesprecher Daniel Reist sagt, der Zugführer habe die Vorkommnisse der vorgesetzten Stelle selbst gemeldet. Darauf habe der Kommandant eine Disziplinaruntersuchung angeordnet, aber beschlossen, den Fall kompanieintern zu lösen. Rekrut und Zugführer wurden mit einer Disziplinarbusse bestraft. Der Rekrut musste 200 Franken bezahlen, der Zugführer 100 Franken mehr.

Laut Unterlagen der Vernehmungen hat der Rekrut «ohne gross zu überlegen, einen Ast aufgenommen und ihn mit übertriebener Kraft auf den Helm des betroffenen Rekruten geschlagen», so Reist. Die Einvernahme habe ergeben, dass von keiner Seite eine «boshafte Absicht» dahintergesteckt habe. Der geschlagene Rekrut habe unmittelbar danach einen Arzt aufsuchen können und sei unverletzt gewesen.

Es sei eher eine «Serie von Missverständnissen», die sich ereignet hätten, so Reist. Die Aufforderung des Zugführers, einen extraschweren Stock für den Schlag zu nehmen, sei in den Unterlagen zum Fall nicht zu finden.

Die Armeejustiz wurde nicht eingeschaltet

Die Armee halte an ihren Werten fest: «Diese Art von Handlungen ist aus Sicht des zuständigen Kommandanten in keinem Fall eine übliche Bestrafungsmethode und wird in der Schule auch nicht geduldet», sagt Reist. Der Fall sei in einer Kompanieaussprache ausführlich besprochen worden, sagt Reist. Er sei damit nie an die Militärjustiz gelangt.

Laut Frank Zellweger, Mediensprecher der Militärjustiz, liegen Disziplinarstrafen grundsätzlich in der Kompetenz der Truppenführung. «Die Militärjustiz wird erst tätig, wenn ein Untersuchungsbefehl vorliegt», sagt Zellweger. Dieser müsste die Kompanie einleiten.

«Von dem besagten Fall hören wir das erste Mal. Aus diesem Grund können wir die Sachlage nicht kommentieren. Sollte noch ein Untersuchungsbefehl ergehen, würden wir den Fall untersuchen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pascal am 19.10.2018 11:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zivilrecht

    Da gibt es nur eines. Ab vor Gericht und zwar das Militär und das Zivilgericht. Sonst erhalten diese fehlbaren Personen nur eine geringe Strafe. Schmerzensgeld ist sicher und eine Anzeige wegen Körperverletzung und Anstiftung derer auch.

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  • Damian am 19.10.2018 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Freiwilligen Armee

    Es wird Zeit über die Wehrpflicht zu sprechen. Die Männer sollen auch die Chance haben der Armee ohne Nachteile Nein sagen zu können. Die Vorfälle die ans Licht kommen bestärken mich hierbei nur. Es gibt Männer die diese Brutalität aushalten aber nicht alle und für diese müssen wir den Weg einfach machen. Wehrpflicht abschaffen und Berufsarmee einführen.

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  • kritischer denker am 19.10.2018 11:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kritisch bleiben

    Toll, wenn man den Jugendlichen verbietet selbst zu denken und sie dann einfach blind einen Befehl wie diesen ausführen... Traurig! Das Militär gehört abgeschafft, vor allem wenn man sieht "was man tolles fürs leben lernt" nicht denken und einfach machen... falsch

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Flo am 19.10.2018 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wundert mich nicht...

    Ist doch klar, dass im Militär so viel Blödsinn gemacht wird. Mann kann Menschen nicht zu etwas zwingen und dann erwarten, dass sie das auch nur ansatzweise gut machen. Wieso auch? Was ist die Motivation für einen AdA sich Mühe zu geben? Die 4 Franken Sold, das eklige Essen oder die Aussicht auf Beschäftigungsgherapie wie Schuhe putzen oder eine Scheune bewachen? Wohl kaum. Sklaven sind deshalb keine guten Arbeitskräfte, weil sie es nicht freiwillig machen. Würde man die Wehrpflicht abschaffen, würde die Produktivität durch die Decke schiessen und der Blödsinn würde aufhören. Win-win

  • Amre am 19.10.2018 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Wie kann man nur jemanden auf Befehl mobben und wie kann so etwas überhaupt befohlen werden. Erbärmlich, so etwas macht mich traurig. Professionalität und Teamgeist geht anders. Anscheinend haben einige junge Männer die demokratischen Werte der Schweiz nicht verinnerlicht, stattdessen führt man die fragwürdigen Befehle einer fragwürdigen Autoritätsperson aus. So etwas kennt man eher aus nicht demokratischen Ländern und zu was das führen kann wissen wir alle.

  • Run Gänd Si Run am 19.10.2018 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Semper fi

    Das ist Militär. Ich bin stolz ein Grenadier zu sein und wir haben vor Jahren noch viel mehr blödsinn gemacht nur musste das niemand mit einem Handy filmen und im Internet veröffentlichen . Es gibt dinge nicht gehen , wie steine werfen. Alles andere bleibt dort wo es geschehen ist.

  • Boris am 19.10.2018 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Miliz = Zivil

    Der grösste Vorteil des Milizsystems ist auch zugleich ein Nachteil. Es treffen Menschen aus allen sozialen Schichten, Bildungsgruppen und Regionen zusammen. Und so gibt es selbstverständlich wie im zivilen auch in der Armee schwarze Schafe (Stichwort: Gewalt, Drogen, usw.). Eine Berufsarmee würde dies nicht bessern, sondern unter Umständen sogar verschlimmern. Aber es ist immer traurig, wie bei solchen Fällen immer alle Kader in die gleiche Schublade gesteckt werden und die gesammte Armee infragegestellt wird.

  • Martin Kern am 19.10.2018 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Bürokratenarmee

    Wir hatten früher ein Bajonet dabei? Gibt es das in der Bürozeitenarmee nicht mehr? Wir haben uns noch gewehrt wenn uns jemand angegriffen hat und wegen einer Handgranate so eine Scene machen ist ja unglaublich