Tod von Zugchef Bruno R.

09. August 2019 04:43; Akt: 09.08.2019 07:48 Print

Zugpersonal fordert sofortige Wagenkontrolle

Die Gewerkschaft verlangt nach dem Tod von Zugchef Bruno R., dass die Türen des Unfallmodells sofort kontrolliert werden. Laut der SBB ist das nicht nötig.

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In der Nacht auf Sonntag verlor der SBB-Kundenbegleiter Bruno R. sein Leben: Bei der Abfahrt in Baden wurde sein Arm von der Zugtür eingeklemmt, der 54-Jährige wurde mitgeschleift. Passiert ist der Unfall mit einem Mittelwagen des Typs EW IV. Von diesen Wagen hat die SBB 493 im Einsatz – viele auf der Strecke Basel–Zürich oder Zürich–Bern.

Laut der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) versagte das System, das ein Einklemmen von Personen verhindern sollte. Das sagte der zuständige Ermittler im Interview mit 20 Minuten.

«Menschenleben sind höher zu gewichten»

Aufgrund dieses Befundes wird nun der Ruf nach Massnahmen laut. So fordert die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV), dass alle Wagen des Typs einzeln kontrolliert werden, bevor sie wieder fahren. Präsident Giorgio Tuti sagt: «Die Sicherheit steht an erster Stelle. Das SBB-Management kann beweisen, dass es keine Kompromisse in Sicherheitsfragen macht, wie es das immer sagt.»

Tuti nimmt auch Zugausfälle in Kauf, sollte kurzfristig zu wenig Rollmaterial zur Verfügung stehen: «Menschenleben sind höher zu gewichten. Wir haben einen Todesfall unter unseren Mitgliedern zu beklagen.»

«Reisende und Mitarbeiter sind sicher»

Laut SBB-Sprecher Raffael Hirt könnte die Bahn ohne die Wagen des betroffenen Typs den Bahnbetrieb nicht aufrechterhalten. Die Kontrolle erfolge, wenn die Wagen das nächste Mal in eine Serviceanlage kämen. Das sei alle sieben bis zehn Tage der Fall.

Mit dem jetzigen Wissensstand sei es auch nicht nötig, alle Wagen aus dem Verkehr zu ziehen. «Die untersuchenden Stellen und die SBB gehen von einem Einzelfall aus, bei dem mehrere Faktoren zusammengekommen sind. Deswegen ist die erwähnte Kontrolle in den nächsten Wochen ausreichend.» Reisende und Mitarbeitende seien sicher.

Den Tränen nahe sagte SBB-CEO Andreas Meyer, dass man sich den technischen Defekt nicht erklären könne. «Der Wagen war nur wenige Tage vorher in der Revision.» Türen würden regelmässig überprüft. Funktionierten sie nicht, würden die Türen geschlossen und mit einem Zettel versehen. Der Unfallhergang sei bis jetzt nicht restlos geklärt.

(daw/chk/sda)