Nach Erbschaftsaffäre

19. Dezember 2011 10:34; Akt: 19.12.2011 12:50 Print

Zuppiger tritt als Gewerbe-Präsident zurück

Der SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger gibt sein Amt als Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes per sofort ab. Zuppiger reagiert damit auf die Erbschafts-Vorwürfe.

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Der SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger ist nicht mehr Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes. (Bild: Keystone)

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Der wegen einer Erbschaftsaffäre als Bundesratskandidat gescheiterte Zürcher SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger hat seinen sofortigen Rücktritt als Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes (SGV) erklärt. Dies teilte der Verband am Montag mit. Zuppiger begründete seinen Rücktritt laut Medienmitteilung damit, dass für ihn die Interessen des Gewerbeverbandes im Vordergrund stünden.

Für den SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler ist Zuppigers Entscheid angesichts des öffentlichen Drucks nachvollziehbar, wie er auf Anfrage von 20 Minuten Online sagt. Zuppiger habe den Entscheid aus eigenem Antrieb heraus getroffen und den Vorstand schriftlich informiert. Keine Stellung nehmen wollte Bigler zu Zuppigers Einschätzung, dass sein Präsidium dem Gewerbeverband schaden könnte. «Ich will die Anschuldigungen nicht kommentieren.» Es sei geplant gewesen, dass Zuppiger den Vorstand dazu am Mittwoch aus erster Hand informiere. Dazu kommt es nicht mehr. Bereits letzte Woche hatte sich der abtretende Präsident mit dem Ausschuss des Vorstands getroffen.

Neuer Präsident vermutlich im Mai

Der Vorstand wird nun am Mittwoch über das weitere Vorgehen befinden. Wie Bigler sagt, finde im Mai der nächste ordentliche Gewerbekongress statt, der für die Präsidentenwahl zuständig ist. Höchstwahrscheinlich werde man dann einen Nachfolger präsentieren. Namen könne er aber noch keine nennen. Die Diskussion darüber habe erst begonnen.

Offenbar ist die Grundsatzfrage vom Mittwoch, ob der Gewerbeverband aus den Reihen des Vorstandes einen Präsidenten wählt, oder den Kreis öffnet. Voraussetzung ist, dass der künftige Präsident ein nationaler Parlamentarier ist. Im Vorstand kämen damit die SVP-Nationalräte Sylvia Flückiger und Jean-François Rime sowie Ständerat Jean-René Fournier oder Nationalrat Ruedi Lustenberger von der CVP in Frage. Letzterem werden in Bundesbern Ambitionen nachgesagt, wobei die Zugehörigkeit zur CVP ein Hindernis sein könnte.

«Engagierter Präsident»

Bigler bedauert Zuppigers Rücktritt: «Er war ein äusserst engagierter Präsident und hat auf dem politischen Parkett verschiedene Anliegen durchgebracht.» In der Mitteilung dankt der Gewerbeverband Nationalrat Bruno Zuppiger für die engagierte und erfolgreiche Arbeit, die er zugunsten des Verbandes geleistet habe. Als Präsident habe er sich uneigennützig für die KMU-Wirtschaft in der Schweiz eingesetzt.

Zuppiger stand seit Mai 2010 an der Spitze des Verbandes. Zuvor hatte die SVP den Gewerbeverband wiederholt kritisiert und auf die Wahl eines Präsidenten aus den eigenen Reihen gedrängt. Zuppigers Vorgänger Edi Engelberger gehörte der FDP an.

«Weltwoche» deckte Affäre auf

Knapp eine Woche vor den Bundesratswahlen hatte die «Weltwoche» Unregelmässigen bei einer Erbschaft aufgedeckt, die Zuppiger anvertraut worden war. Eine verstorbene Angestellte hatte ihn beauftragt, ihren Nachlass im Umfang von 265 000 Franken an zwei gemeinnützige Organisationen zu vermachen.

Zuppiger aber soll gemäss «Weltwoche» die Auszahlung verzögert, ein überrissenes Honorar verrechnet und 100 000 Franken auf ein eigenes Konto ausbezahlt haben. Nachdem die beiden Organisationen interveniert und mit Klagen gedroht hatten, bezahlte Zuppiger den vollen Betrag mit Zinsen an die Organisationen zurück.

Zuppiger bestritt die Vorwürfe nicht und räumte «Fehler» ein. Weil er wegen der Politik in seinem Betrieb viel abwesend sei, hätten sich seine Mitarbeiter mit der Erbschaft beschäftigt. Bereichern habe er sich nicht wollen, versicherte er. Laut «SonntagsBlick» soll Zuppiger die abgezweigten 100 000 Franken für eine Wahlkampagne eingesetzt haben.

(mdr/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • B. Kerzenmacher am 20.12.2011 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Turbulenzen

    bei der SVP. Kanns geben und wird sich legen. Wenigstens bleibt die SVP präsent. Von den bei den Wahlen abgestraften Grünen ist derweil noch nichts zu vernehmen. Sind nach dem KO-Schlag anscheinend noch nicht aufgestanden. Auch gut!

  • Robin am 19.12.2011 19:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn er, noch Bundesrat geworden wäre

    Dank gewissen Medien ist er es zum Glück nicht geworden. Ich finde solche "eifrige Geschäftsleute" müssen vermehrt gestoppt werden. Es hat noch VIELE von denen unter uns. Auch in der Politik.

  • Daniel am 19.12.2011 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Eine weitere Klatsche für die SVP

    Herr Zuppiger zeigt als Mensch mit seinem Entscheid Format. Auf der Verliererposition steht einmal mehr die SVP. Sie hat ja trötzelet, bis sie den Posten aus den eigenen Reihen erhielt. Das war ein Griff ins Klo. Für diese Partei wird es schwierig, einflussreiche Positionen wie Bundesräte, Regierungsräte, Verbandslobbisten, Präsidenten von Kommmission zu erhalten. Mir soll es recht sein. Mit der heutigen Mitte-Regierung sind Konsenslösungen eher möglich.

Die neusten Leser-Kommentare

  • B. Kerzenmacher am 20.12.2011 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Turbulenzen

    bei der SVP. Kanns geben und wird sich legen. Wenigstens bleibt die SVP präsent. Von den bei den Wahlen abgestraften Grünen ist derweil noch nichts zu vernehmen. Sind nach dem KO-Schlag anscheinend noch nicht aufgestanden. Auch gut!

  • Nebelmeer am 20.12.2011 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wäre die Weltwoche tatsächlich

    die unerschrockene Aufdeckerin von Missständen, als die sie sich gibt, dann würde sie die Quellen deklarieren, zumindest umschreiben, aus denen die Zuppiger-Story gesprudelt ist. Wen will der "Journalist des Jahres" schützen?

  • Kusi am 19.12.2011 23:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich ganz freiwillig,

    denn er will ja niemanden schaden. Noch besser finde ich, dass er auch gleich als NR zurücktritt, denn damit zeigt er im Gegensatz zur Parteispitze wirkliche Grösse :o)

  • Margrit am 19.12.2011 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch SVP

    Es ist kaum zu glauben wie Herr Blocher mit seinem Geld die Leute verheizen kann. All diese Querellen helfen sicher nicht der SVP. Zuerst verheizt er Herr Zuppiger dann auch noch Herr Walter. Sagenhaft was sich die Leute gefallen lassen müssen. Leider regiert halt doch das Geld die Welt. Es ist schade um diese guten Leute.

  • Robin am 19.12.2011 19:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn er, noch Bundesrat geworden wäre

    Dank gewissen Medien ist er es zum Glück nicht geworden. Ich finde solche "eifrige Geschäftsleute" müssen vermehrt gestoppt werden. Es hat noch VIELE von denen unter uns. Auch in der Politik.