Bis zu 40'000 Franken

05. Januar 2019 12:23; Akt: 05.01.2019 12:57 Print

Zur Volljährigkeit gibt es einen Haufen Schulden

Viele Eltern bezahlen die Krankenkassenkosten über Jahre hinweg nicht – betrieben werden ab dem 18. Geburtstag allerdings die Kinder.

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Immer wieder kommt es vor, dass jungen Erwachsenen bei der Suche nach der ersten eigenen Wohnung oder einem Job eine böse Überraschung widerfährt. Nichts ahnend wird ein Auszug aus dem Betreibungsregister angefordert – schliesslich hat man sich noch nichts zu Schulden kommen lassen. Doch dann der Schock: 40'000 Franken Schulden. Wie kann das sein?

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Hattest du Schulden, als du volljährig wurdest?

Laut der «Schweiz am Wochenende» sind der Schuldenberatung Schweiz jährlich 70 bis 100 solcher Fälle bekannt. Meist kommen die Schulden daher, dass die Eltern Krankenkassenprämien ihrer Kinder über Jahre hinweg nicht bezahlt haben. Der Krankenkassendachverband Santésuisse geht davon aus, dass die Zahl von betroffenen Jugendlichen noch grösser ist, als jene, die sich bei der Schuldenberatung melden.

Schwerwiegende Folgen

Eltern sind eigentlich verpflichtet, ihre Kinder bis zur Volljährigkeit oder bis zum Abschluss einer Ausbildung finanziell zu versorgen. Es kommt laut Sébastien Mercier von Santésuisse aber immer wieder vor, dass Eltern dies versäumen. Sobald die Kinder schliesslich volljährig werden, lastet auf ihnen ein Schuldenberg zwischen 6000 und 15'000 Franken. Bei Studenten könne sich der Betrag sogar auf 40'000 Franken belaufen.

Für die jungen Erwachsenen kann der Eintrag im Betreibungsregister schwerwiegende Folgen haben. So ist beispielsweise ein Wechsel zu einer günstigeren Krankenkasse unmöglich. Auch die Wohnungssuche ist erschwert. Ausserdem weiss Mercier von einem Juristen, der aufgrund seiner Schulden nicht zur Anwaltsprüfung zugelassen wurde.

Geringe Chancen

Nationalrat Heinz Brand (SVP) will dem nun entgegenwirken. Er ist Präsident von Santésuisse und hat eine Motion eingereicht, laut welcher künftig die Eltern alleine für die versäumten Zahlungen aufkommen sollen. «Es darf nicht sein, dass Kinder bei Erreichen der Volljährigkeit für Versäumnisse ihrer Eltern aufkommen und mit schwierigen Bedingungen ins Erwachsenenleben starten müssen», sagt er. 19 weitere Nationalräte haben diese Motion unterzeichnet .

Die Chancen, dass ein solcher Vorstoss Gehör findet, sind aber gering. bereits im Mai 2017 hatte Nationalrätin Bea Heim (SP) einen solchen eingereicht. Der Bundesrat hat ihre Idee aber abgelehnt. Die Lage sei entschärft worden, da die Prämienverbilligung seit 2014 direkt an die Versicherer bezahlt wird. Ausserdem würden die Prämien für Kinder künftig sinken. Zusätzlich haften die Eltern nach Volljährigkeit ihrer Kinder noch immer solidarisch für die Schulden mit.

Ein Betreibungsverbot hält der Bundesrat daher für unangebracht: «Damit könnten auch junge Erwachsene, die über genügend finanzielle Mittel verfügen, nicht belangt werden.» Die Versicherungen seien bereits auf die Problematik sensibilisiert worden.

(doz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • momo27 am 05.01.2019 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eltern?

    Der, der die Schulden macht, soll sie auch bezahlen. Mir würde im Leben nicht in den Sinn kommen, solche Schulden auf meine Kinder zu laden. Was sind das nur für Eltern?

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  • Karin Späth am 05.01.2019 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt absolut

    Heute morgen am Kiosk. Junge Dame, ca. 15 - 17 Jahre alt, zahlt ein Redbull und ein Kaugummi mit Matercard. Ihre Freundin, ca. 15, eine Cola mit Visa. Noch Fragen? Mein Göttibub klärte mich dann auf, dass wäre ein "Must" unter seinen Freunden, dass man mit Karte zahlt. Und er scheint recht zu haben...Die werden noch allsamt auf die Welt kommen, so oder so...

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  • Bergbuur am 05.01.2019 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Augenwischerei

    Hört auf mit der Prämienverbilligungs ausrede!!! Ich verdiene im Monat bei 60stunden Woche 2560fr und meine Prämienverbilligung betrug 600fr für das ganze Jahr. Das ist weniger als dass die Prämien dieses Jahr gestiegen sind!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin am 06.01.2019 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    Wer hat den vertrag unterschrieben?

    Ich verstehe nicht dass es da diskusionen geben kann. wer keinen Vertrag unterschreibt kann doch nicht belangt werden. Wenn versicherungen dienste für 3. anbieten ist das doch ihr Problem. Belangt werden kann doch nur der Vertragspartner.

  • Timi am 06.01.2019 18:36 Report Diesen Beitrag melden

    Muss lachen...

    Musste gerade an die 27 Millionen denken, die die Schweiz für die Hisbollah in Israel ausgibt...

  • Julie am 06.01.2019 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts ist unmöglich

    Ich bin überzeugt, dass wenn die Eltern nicht bezahlt haben, werden die Kinder auch nit bezahlen. Schlussendlich nimmt man das mit,was man zu Hause glernt hat. Ich habe bei einer Kranksnversicherung gearbeitet und war überrascht wieviele die Prämien nicht bezahlten. Ein Porsche im Quartier zu fahren, war jedoch kein Problem. Zudem wird vom Stadt viel unterstützt...Wir sind in der Schweiz und man wird immer geholfen..Es sind alles nur Ausreden...Für alles andere ist das Geld da...Übrigens das sind dann auch die Personen die am meisten Leistungen beziehen...

  • Peter Alaska am 06.01.2019 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Sollte doch nicht möhglich sein

    Sowas sollte einfach nicht möglich sein! Da müssen junge Leute ja mit 20 auswandern damit sie neu anfangen können und ihr Leben selber bestimmen können man

  • Turicum04 am 06.01.2019 17:18 Report Diesen Beitrag melden

    KK Prämien

    Krankenkassenprämien sollen ausschliesslich durch die Reichen getragen werden. Und schon gar keine Jugendliche unter 25 Jahren.