SVP spürt Rückenwind

08. Dezember 2013 17:10; Akt: 09.12.2013 08:48 Print

Zuwanderung wächst um mehr als 10 Prozent

Im Jahr 2013 sind wieder mehr Menschen in die Schweiz eingewandert als letztes Jahr. Diese Zahlen könnten die Abstimmung über die Einwanderungsinitiative massgeblich beeinflussen.

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Im Februar stimmen wir über die Masseneinwanderungsinitiative der SVP ab. Diese bekommt nun Rückenwind, denn die Zuwanderung hat im Jahr 2013 im Vergleich zum letzten Jahr wieder zugenommen.

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Die Einwanderung im Jahr 2013 hat im Vergleich zu 2012 wieder zugenommen. Nur in einem von neun erfassten Monaten war die Wanderungsbilanz – die Differenz zwischen Ein- und Auswandererzahlen - kleiner als 2012. Das zeigt der monatliche Zuwanderungsmonitor des Bundesamts für Migration (BFM).

Wie die «Schweiz am Sonntag» schreibt, sind von Januar bis September dieses Jahres rund 60'000 Ausländer mehr in die Schweiz ein- als ausgewandert. Das ist ein Zuwachs von 13,6 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2012. Auf das ganze Jahr hochgerechnet ergibt sich laut der Zeitung eine Nettozuwanderung von rund 80'000 Personen. Damit würde der Vorjahreswert von rund 73'300 Zuwanderern deutlich übertroffen. Diese Zahlen sind insofern brisant, als dass das Schweizer Volk am 9. Februar 2014 über die Masseneinwanderungsinitiative der SVP abstimmt.

«Exportunternehmen suchen wieder Arbeitskräfte»

Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse stützt sich in seiner Kampagne gegen die Initiative auf andere Zahlen, nämlich jene des Bundesamts für Statistik, das beispielsweise keine Asylbewerber einberechnet. Dennoch muss Economiesuisse-Kampagnenleiter Oliver Steinmann zugeben: «Die Zuwanderung wird 2013 wohl etwas zunehmen.» Er sieht den Grund dafür in der guten konjunkturellen Lage der Schweiz. «Die Exportunternehmen suchen wieder vermehrt Arbeitskräfte, die sie nicht alle im Inland finden können.»

Ähnlich sieht das CVP-Nationalrat Gerhard Pfister: «Die Zahlen sind Ausdruck der guten Wirtschaftslage der Schweiz und des Wachstums, das wir im Gegensatz zu den meisten Ländern immer noch aufweisen.» Im Hinblick auf die Abstimmungen hoffe er, dass das Schweizer Volk dies erkenne und die Einwanderung nicht als Problem betrachte. «Weniger Migration bedeutet weniger Wohlstand für uns alle.»

Den absoluten Höhepunkt an Zuwanderung erreichte die Schweiz laut dem Zuwanderungsmonitor des BFM 2008 mit rund 100'000 Personen. «Selbst wenn wir die Zahlen von 2008 erreichen würden, wäre das kein Problem», sagt Pfister dazu.

Qualitative Zuwanderung, nicht quantitative

Die Zahlen seien drastisch und müssten zu denken geben, sagt hingegen SVP-Nationalrat Gregor Rutz. «Umso unverständlicher, dass die meisten Parteien diese Fakten ‎abstreiten und die sich daraus ergebenden Fragen und Probleme relativieren oder sogar unter den Teppich wischen wollen.» Fakt sei: Die Wirtschaft brauche Zuwanderung, die sich qualitativ auszeichne und nicht einfach quantitativ. «Die Aussage, unser Wohlstand steige mit der Anzahl Leute in der Schweiz, ist völlig absurd.»

Rutz ist der Überzeugung, dass diese Zahlen die Stimmbürger zu einem Ja zur SVP-Initiative bewegen werden. «Denn die Engpässe in der Infrastruktur sowie die Kosten für die Steuerzahler und im Sozialsystem lassen sich nicht wegdiskutieren.»

Parteikollege und Nationalrat Luzi Stamm ist vor allem von der Regierung enttäuscht: «Ich stelle fest, dass sich der Bundesrat um das Zehnfache verschätzt hat.» Die Prognosen seien viel tiefer ausgefallen. «Früher oder später muss unsere Bevölkerung zu diesem unlimitierten Wahnsinn Nein sagen.» Spätestens wenn die Balkanländer der EU beiträten, werde die Schweiz völlig überrannt, so Stamm.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bernereidgenosse am 08.12.2013 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Ja ist ja klar

    Ich hoffe, dass dieser Economiesuisse Krawattenclub eine Retourkutsche erhält. Mein JA wird 100% sein

  • Daniel am 08.12.2013 17:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuwanderung

    Es sollte sich jeder mal überlegen, ob er in irgend einer Weise von der Zuwanderung profitiert. Wenn nicht sollte man dafür sein, dieser einen Riegel zu schieben

    einklappen einklappen
  • Düsi am 08.12.2013 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Endlich kommt mal etwas Wahrheit und klare Fakten auf den Tisch!

Die neusten Leser-Kommentare

  • J. Meyer am 09.12.2013 19:40 Report Diesen Beitrag melden

    Das die ZW ein Problem ist, weiss man.

    Aber man muss sich auch gefallen lassen zu fragen, welche ZW braucht es? Man kann nicht bei der Bildung sparen, auf das Unternehmen keine Arbeitskräfte auf dem hiesigen Markt findet oder finden will, weil eben ZWer günstiger kommen u glauben, man könne den Wohlstand trotzdem halten. Die ZW politisch zu bekämpfen ist nur eine Symptomübung, statt Ursachenbehebung. Bildung muss erweitert, verbessert werden, Unternehmen dürfen kein Lohndumping mehr betreiben u das Problem der ZW fängt an, sich aufzulösen. Scheinbar aber ist ZW ein besseres polit.Thema, als Lösungen zu finden.

  • Filo Sofia am 09.12.2013 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Migrationsamt adé

    Ich habe mal auf einem Migrationsamt gearbeitet. Ich betone die Vergangenheitsform. Es erstaunt mich nicht, dass wir so viele unqualifizierte Zuwanderer haben. Auf diesen Ämtern läuft es leider nicht so ganz, wie das Schweizer Volk es will. Es fehlt an grundsätzlichen Resourcen, die man dort nicht einstellt. Und noch viel mehr.

  • T.K. am 09.12.2013 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Wohlstand ade

    Wenn es so weitergeht, werden wir schon bald halb so hohe Löhne wie heute haben. ABER die Mietpreise steigen, die KK-Prämien auch. Auch die Preise für Lebensmittel, etc. sinken nicht. Merkt ihr was? Genau, die Rechnung kann nicht aufgehen.

  • Willy am 09.12.2013 13:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeiten ändern sich

    Lasst die Menschen doch kommen, die wollen auch ihren Lebensunterhalt verdienen. Bei denen im Heimatland gibt es nicht zu holen. Ausserdem gehen die wieder, wenn unser Land auf das Niveau der EU sinkt - Steuern rauf, Sozialhilfe und Löhne runter. Ein sinkendes Schiff wird verlassen.

  • P. R. am 09.12.2013 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    PFZ ist keine Einwanderungspolitik

    Auf Dauer kann die PFZ für die Schweiz mit ihren vorhandenen Strukturen nicht eine für einen Kleinstaat taugliche Einwanderungspolitik ersetzen. Mir fehlt dieser Ansatz in der bisherigen politischen Debatte. - Mit Emotionen, Laisser-Faire oder Verleugnen unserer Möglichkeiten und Grenzen kommen wir nicht weiter. Ich hoffe, dass nach dem 9. Februar unabhängig vom Resultat von Bundesrat und Parlament eine für die Besonderheiten der Schweiz zukunftstaugliche Einwanderungspolitik, die diese Bezeichnung verdient, geschaffen wird.