Laserattacke

12. August 2013 15:34; Akt: 12.08.2013 17:05 Print

Zwei Polizisten mit akuten Beschwerden

von Tanja Bircher - Unbekannte haben an der Street Parade drei Polizisten mit Laserpointern in die Augen geblendet. Zwei Beamte leiden unter akuten Beschwerden. Laserattacken auf die Polizei haben generell zugenommen.

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Ursprünglich dafür gedacht, Dinge an der Leinwand zu zeigen, werden Laserpointer in letzter Zeit immer öfter als Waffen eingesetzt. So auch an der diesjährigen Street Parade.

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An der Street Parade ist ein neues gefährliches Phänomen aufgetaucht: Raver haben Polizisten und Besucher mit starken Laserpointern in die Augen geblendet. Lebenslängliche Schäden sind dabei nicht auszuschliessen.

«Gegen Mitternacht von Samstag auf Sonntag wurden drei Polizisten bei der Patrouille durch die Autofenster mit Laserstrahlen in die Augen geblendet», sagt Marco Bisa, Sprecher der Stadtpolizei Zürich. Der Gesundheitszustand der Beamten ist noch unklar. «Zwei der betroffenen Personen mussten sich heute Montag wegen akuter Beschwerden untersuchen lassen.» Bei den zwei anderen Polizeibeamten wird in ein paar Tagen eine weitere medizinische Abklärung durchgeführt. Auch fünf Besucher der Street Parade sind Opfer von Laserattacken geworden, sie mussten von den Sanitätern der Schutz und Rettung untersucht werden.

«Täter sollen zur Rechenschaft gezogen werden»

Bisa warnt: «Diese Laserangriffe können zu sehr gefährlichen Situationen führen.» Vor allem, wenn man Personen hinter dem Steuer angreife, könne dies gravierende Folgen haben. «Wir verurteilen diese Attacken, und falls die Täter ermittelt werden können, werden diese konsequent bei der zuständigen Behörde angezeigt.»

Urs Eberle, Sprecher von Schutz und Rettung Zürich, hat mit seinem Team an der Street Parade insgesamt 11 Augenverletzungen behandelt. Wie viele davon Laserverletzungen waren, ist noch nicht bekannt. «Wir können in solchen Fällen die Augen nicht medizinisch versorgen, höchstens zur Linderung etwas drauflegen.» Die Symptome seien unterschiedlich - von Überbelichtung über Schatten bis hin zu Nebel sei alles möglich. Dies könne sich nach ein paar Stunden oder Tagen wieder legen. Er empfehle jedoch jedem Betroffenen, am nächsten Tag einen Arzt aufzusuchen. «Eine lang andauernde Laserattacke kann zu Blindheit führen, die Netzhaut schädigen und die Sehschärfe lebenslänglich beeinträchtigen.»

«Jeder weiss, dass Laser gefährlich sind»

Es sei das erste Mal, dass Leute an der Street Parade Laser als Waffen benutzt haben, so Eberle. Das sei grob fahrlässig und habe nichts mehr mit Blödsinn zu tun. «Diese Menschen gefährden wissentlich die Gesundheit anderer.» Niemand könne heutzutage mehr behaupten, er habe nicht gewusst, dass Laser gefährlich sein können. «Das wäre, wie wenn jemand sagt, ihm sei nicht bewusst gewesen, das Messer schneiden.»

Auch rund um Fussballspiele kommt der Laserpointer immer öfter zum Einsatz. «Es wurden auch schon Zürcher Polizisten bei Auftritten an Sportanlässen attackiert», bestätigt Bisa. In Basel hat das Phänomen Laserpointer in den letzten Jahren ebenfalls stark zugenommen. Erst im Juni wurde ein Polizist bleibend am Auge verletzt, er leidet seither an einem schwarzen Punkt im Gesichtsfeld, der von einer vernarbten Verletzung an seinem Auge herrührt, wie srf.ch schreibt.


«Auch Sanitäter und Feuerwehr werden Zielscheibe»

«Wir kennen diese Attacken seit November 2009 und haben seither leider immer öfter damit zu tun», sagt Martin Schütz, Sprecher der Kantonspolizei Basel-Stadt. Vor allem an illegalen Partys, Demonstrationen, Fussballspielen, aber auch im normalen Dienst werden Polizisten mit den roten Strahlen geblendet. «Feuerwehrleute und Sanitäter sind ebenfalls schon zur Zielscheibe solcher Angriffe geworden», so Schütz. Deswegen habe man in der Aus- und Weiterbildung darauf reagiert und schule die Beamten, damit sie in solchen Situationen richtig reagieren. «Zudem werden derzeit verschiedenen Brillen zum Schutz vor Laserpointern evaluiert und für den Einsatz getestet.»

In der Schweiz liegt der maximal zulässige Wert von Laserpointern bei fünf Milliwatt. «Der stärkste je sichergestellte Laser überschritt diesen Wert um mehr als das 400-Fache», sagt Schütz. Bereits mit einem normalen Laserpointer fürs Büro könne man partielle Blindheit verursachen, wenn man damit direkt aufs Auge ziele, sagt Heinz Metzger, Geschäftsführer des Augenlaser-Centers in Uster. Je nach Qualität und Zertifizierung könne schon nach kurzer Zeit ein Loch in der Netzhaut entstehen, welches der Betroffenen dann als schwarzen Punkt wahrnimmt. «Das bleibt lebenslänglich.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus Leuenberger am 12.08.2013 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Benutzung ohne Wissen?

    Im Prinzip kann man davon aus gehen, dass die Besitzer über die Gefährlichkeit der Laserpointer Bescheid wissen. Somit ist es eine vorsätzliche Körperverletzung.

  • michael klein am 14.08.2013 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    strafe erhöhen

    die geforderte verbieteritis wird nichts bringen. man kann sich diese laserpointer auch gut aus dem ausland hersenden lassen. was aber kostenlos gehen würde wäre das strafmass drastisch zu erhöhen, so das eine laserattacke nicht mehr wie ein kavaliersdelikt abgehandelt wird. 2 jahre knast ohne bewährung oder eine geldbusse von 10.000 chf wäre ein erster anfang.

  • Alessandro am 13.08.2013 07:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verhältnissmässigkeit

    Mir fehlt die Relation in unserem Strafgesetzbuch. Fahre ich einmal zu schnell, oder sitze ich einem zu nah auf werde ich gebüsst oder ist gar der Schein weg, mit hoher Geldstrafe. Auf der anderen Seite kann man den Menschen mit so einem Ding die Netzhaut ablösen ohne das was passiert. Ich denke unsere obersten Richter sollten mal unser Strafgesetzbuch auf die Verhältnissmässigkeit hin mal checken...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Vapoz am 15.08.2013 00:19 Report Diesen Beitrag melden

    Bleibende Schäden

    Hier geht es um wesentlich schlimmere Taten wie z.B. Diebstahl. Wenn man anderen Personen bleibenden Schaden zufügt, sollte man keinen Spass mehr verstehen. Strafen welche auf jeden Fall härter sind als die jetzigen wären von Nöten, dass - in diesem Falle - den Polizisten mehr Respekt entgegen gebracht wird.

  • Gebelendeter am 14.08.2013 23:59 Report Diesen Beitrag melden

    Täter einfangen

    und wie in der Antike mit Spiegeln blenden, bis sie erblinden. Aber bei unserer Kuscheljustiz wird ihnen höchstens der Laserpointer abgenommen. Aber das es sich hier um Körperverletzung mit lebenslangen Folgen handelt möchte die Justiz ja nicht sehen...

  • Lourenco am 14.08.2013 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    An den Pranger

    Über Facebook und andere Kanäle werden Laserpointer verkauft, die Polizei kann gar nicht alle Händler von Waren ausserhalb des Toleranzbereichs erwischen. Die Bevölkerung trägt einen wichtigen Teil dazu bei. Wenn man jemand verpetzt oder meldet, gilt das als Heldentat und nicht wie in der Kindheit als uncool.

  • michael klein am 14.08.2013 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    strafe erhöhen

    die geforderte verbieteritis wird nichts bringen. man kann sich diese laserpointer auch gut aus dem ausland hersenden lassen. was aber kostenlos gehen würde wäre das strafmass drastisch zu erhöhen, so das eine laserattacke nicht mehr wie ein kavaliersdelikt abgehandelt wird. 2 jahre knast ohne bewährung oder eine geldbusse von 10.000 chf wäre ein erster anfang.

  • ichweisvonwasichspreche am 13.08.2013 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Der Einsatz ist schon lange verboten!

    Mal kurz zur Aufklärung: Der Import und der Verkauf von Laserpointer >5mW ist verboten! Jedoch nicht der Besitz von solchen! Aber jeder Lasereinsatz mit einem Laser >5mW muss laut Gesetz angemeldet werden sobald min. ein Zuschauer anwesend ist (egal ob Pointer oder Lasershow). Der Einsatz wird von den Behörden meist nur genehmigt wenn die Unbedenklichkeit für Mensch und Tier nachgewiesen werden kann. Also kurz gesagt: Die Benützung solcher Laserpointer in der Öffentlichkeit ist verboten! Leider interessiert das viele nicht...