Vaterschaftsurlaub

04. Oktober 2019 07:18; Akt: 04.10.2019 09:41 Print

Soldaten und Rekruten erhalten keine Papi-Zeit

Das Parlament hat zwei Wochen Vaterschaftsurlaub zugestimmt. Wer aber im WK oder in der RS ist, wird davon nicht profitieren.

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Weil der gesetzlich festgeschriebene Vaterschaftsurlaub sich nur auf die Erwerbsarbeit bezieht, können einzig Berufsmilitärs künftig davon profitieren. Bild: Ein Ausbildner sitzt mit seiner Tochter auf einem Panzer am Besuchstag für Familienangehörige auf dem Waffenplatz in Thun. (17. August 2019) Wie die Armee laut Bericht verlauten lässt, «könne es nicht darum gehen, frisch gewordene Väter bei der Erfüllung der Militärdienstpflicht zu privilegieren». «Zwei Wochen reichen nicht. Die Schweiz befindet sich gleichstellungspolitisch immer noch in der Steinzeit», sagt Daniel Bekcic, Leiter Politik des Dachverbands der Schweizer Männer- und Väterorganisationen. Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli schliesst sich an: «Der Nationalrat hat es verpasst, mehr als ein kleines Zeichen zur Gleichstellung von Mann und Frau zu setzen.» Echte Gleichstellung bringe einzig eine gleich lange Elternzeit für beide Elternteile – idealerweise von 52 Wochen. Auch für SP-Nationalrätin Martina Munz ist der zweiwöchige Urlaub nur ein Tropfen auf den heissen Stein. «Die Schweiz ist familienpolitisch ein Entwicklungsland. Die beiden Wochen sind ein Kompromiss auf tiefem Niveau», sagt Munz. Mitte-Politiker, aus deren Küche der indirekte Gegenvorschlag eines zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub stammt, hingegen jubeln: «Das ist das Höchste der Gefühle», sagt CVP-Nationalrat Martin Candinas. «In meinen Augen ist der zweiwöchige Urlaub finanzierbar. Die extrem starre Regelung ist aber ein Wehrmutstropfen», sagt FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. Die FDP mache sich für eine flexible Lösung eines 16-wöchigen Elternurlaubs stark. Kein Gehör für einen Vaterschaftsurlaub haben rechte Politiker und Wirtschaftsverbände. «Es braucht keine Vaterschaftsurlaub auf Kosten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer», sagt SVP-Nationalrätin Nadja Pieren. Der Schweizerische Arbeitgeberverband SAV lehnt sowohl die Initiative als auch den Gegenvorschlag ab. Diese würden die Vereinbarkeit für Eltern nicht nachhaltig verbessern, sagt SAV-Mediensprecher Fredy Greuter.

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Lange wurde darüber debattiert, dann endlich wurde es beschlossen: Väter sollen zwei Wochen bei ihren neugeborenen Kindern bleiben dürfen. Nach dem Ja des Parlaments freuten sich die einen, die anderen ärgerten sich, dass nicht vier Wochen gesetzlich verankert werden.

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Hingegen gar nichts zu jubeln haben Soldaten und Rekruten, denn das Militärrecht kennt keinen Vaterschaftsurlaub. 120'000 junge Schweizer Männer rücken jährlich in einen WK ein. Dieser dauert drei bis vier Wochen. Auch wenn sie gerade Vater geworden sind, wird das Parlaments-Ja nichts ändern, schreibt CH Media.

Wie die Armee laut Bericht verlauten lässt, «könne es nicht darum gehen, frisch gewordene Väter bei der Erfüllung der Militärdienstpflicht zu privilegieren». Und ein Anrecht auf persönlichen Urlaub bestehe grundsätzlich nicht, kann jedoch vordienstlich beantragt werden. (Hier zu den detaillierten Bedingungen.)

Verschiebungsgesuche

Es ist also möglich, für die Geburt seines Kindes eine kurze Auszeit zu beantragen, die aber grob gesagt nicht über die Dauer eines Besuchs im Kreissaal hinausgeht. In der Verordnung über die Militärdienstpflicht steht aber auch, dass Verschiebungsgesuche bewilligt werden, wenn das «private Interesse der gesuchstellenden Person das öffentliche Interesse an der Leistung des Ausbildungsdienstes zur vorgesehenen Zeit überwiegt». Seit ein paar Jahren gehöre dazu auch die Kinderbetreuung, insofern sich kein Ersatz finden lasse. Wenn die Mutter jedoch da ist, scheint das Betreuungsproblem gelöst zu sein.

Weil der gesetzlich festgeschriebene Vaterschaftsurlaub sich nur auf die Erwerbsarbeit bezieht, können einzig Berufsmilitärs künftig davon profitieren. Um eine generelle Gültigkeit zu erlangen, müsste die Militärdienstpflicht-Verordnung geändert werden.

(kat)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • az am 04.10.2019 10:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In der Praxis keinen Unterschied

    Im WK spielt das gar keine Rolle... Da wird, wie heute bereits, in praktisch jedem Fall einfach vorzeitig administrativ aus dem Dienst entlassen. In der RS ist es anders. Da kann man auch nicht einfach zwei Wochen fehlen. Aber wenn man ein Kind erwartet kann man den Zeitpunkt wo man in die RS geht auch entsprechend planen. Alles in allem: völlig egal!

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  • nell am 04.10.2019 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    Möglichkeiten gibt es

    Man weiss den Geburtstermin ja grob im Voraus, dann verschiebt man den WK oder die RS halt vorab. Sonst ist man halt auf die Kulanz angewiesen.

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  • Anonym am 04.10.2019 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Gerechtigkeit?

    Jeder hat das Recht sein eigenes Kind zu besuchen egal wie, wo und wann.. Wenn nicht 2 Woche, dann wenigstens 1-2 Täge!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eidgenossin am 08.10.2019 06:20 Report Diesen Beitrag melden

    @Eidgenoss, es reicht!

    @Eidgenoss Ihre ewigen Hater Attacken und Beleidigungen gegenüber mir reichen langsam aber sicher! Lassen Sie Ihren Lebensfrust wo anders aus aber ganz sicher nicht bei mir!

  • Die Pflicht Ruft am 06.10.2019 18:02 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist da ein Zeichen von Vaterland

    Wen die Politik nicht mehr fürs Volk Politisiert, Der Auftrag der Armee? supersive Unterwanderung? so könnte es mal echt Unintressierte Soldaten geben. Dafür wären vielleicht die Babys motiviert.

  • Typhoeus am 06.10.2019 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und was ist mit den

    Bau- und Strsssenarbeitern und allen Chauffeuren?

  • Feldweibel am 06.10.2019 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Reden miteinander...

    Im Kriegsfall müsste man ev. den Gegner anfragen, ob er mit dem Angriff abwarten könnte, da ein paar Männer noch im Vaterschaftsurlaub verweilen.

  • Kaktus am 06.10.2019 08:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lässt das Militär verstaubt wirken.

    ich finde, dass das Militär als Vorbild voranschreiten soll. Mit solchen Entscheiden, wirkt das Militär verstaubt und unmodern. Macht das Militär zeitgemäss, dann wird es auch attraktiver!