Gerichtsentscheid

22. September 2018 14:39; Akt: 23.09.2018 09:24 Print

Mann vor Zug gestossen – Türke darf bleiben

Obwohl ein vorbestrafter Türke einen Betagten vor einen Zug gestossen hat, wird er nicht abgeschoben. Er sei zur Tatzeit schuldunfähig gewesen, urteilte das Gericht.

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Ein Türke, der 2015 beim Bahnhof Affoltern ZH einen 85-jährigen Mann gegen einen einfahrenden Zug stiess, darf in der Schweiz bleiben. Gegen einen Abschiebungs-Entscheid wehrte er sich – nun ist seiner Beschwerde vor dem Zürcher Verwaltungsgericht stattgegeben worden, schreibt die «NZZ». Das Gericht hob den Entzug der Niederlassungsbewilligung durch das Zürcher Migrationsamt auf.

Der Türke gab 2015 seinem Opfer von hinten mit beiden Händen einen Stoss gegen den Oberkörper. Der betagte Mann stiess sich dabei den Kopf am einfahrenden Zug. Danach fiel er nach Gerichtsangaben zwischen die Perronkante und den einfahrenden Zug auf das Gleisschotter und wurde noch vom Zug mitgeschleift.

Wie das Gericht schreibt, habe der Mann den Tatbestand der versuchten Tötung zwar erfüllt – allerdings in einem Zustand völliger Schuldunfähigkeit. Dies, weil ein Gutachter bei ihm eine chronisch paranoide Schizophrenie sowie Verhaltensstörungen durch Cannabis- und Alkoholmissbrauch diagnostiziert hat.

Mehrmals verurteilt

In der Schweiz fiel der Türke wiederholt negativ auf. Laut der «NZZ» beging der Mann Hausfriedensbruch, verübte Sachbeschädigungen, verstiess gegen das Betäubungsmittelgesetz und äusserte Drohungen gegen Beamte. Über einen Zeitraum von 11 Jahren sei er insgesamt 13-mal strafrechtlich verurteilt worden.

Nun sei in der angeordneten stationären Massnahme ein gewisser Therapieerfolg erkennbar, schreibt das Verwaltungsgericht – die Rückfallgefahr sei gesunken. Zudem habe er als Ausländer der zweiten Generation ein grosses Interesse, in der Schweiz bleiben zu können. Denn der Mann habe keinen Bezug zur Türkei – weder sei er dort je in den Ferien gewesen, noch habe er Verwandte im Land.

«Er ist mittellos, hat keine Berufsausbildung und kaum einschlägige Sprachkenntnisse, weshalb es ihm sehr schwer fallen dürfte, bei einer Rückkehr in sein Heimatland wirtschaftlich und sozial Fuss zu fassen», schreibt das Gericht. Falls er seine Therapie aber nicht erfolgreich abschliesse, sei sein Fall erneut zu prüfen.


(dk)