Experte für Medienschutz

23. Januar 2019 21:44; Akt: 25.01.2019 08:50 Print

«Das ist so harmlos wie eine Frau im Bikini»

von B. Zanni - Ein Lehrer, der freizügige Fotos von sich postete, wird angeprangert. Zu Unrecht, findet ein Fachmann.

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An einer Zürcher Primarschule arbeitet ein Lehrer, der auf Instagram Bilder von sich postet, auf denen er halbnackt zu sehen ist. «Am Ende des Tages ist nur ein nackter Mann mit bedeckten Geschlechtsteilen zu sehen. Das ist so harmlos wie eine Frau im Bikini», sagt Michael In Albon, Jugendmedienschutz-Beauftragter bei der Swisscom. Seinen gut 20'000 Followern zeigt er sich auf Dutzenden von homoerotischen Fotos. Beispielsweise so, wie Gott ihn schuf – sein bestes Stück von einigen Bananen bedeckt. Das findet D. N.*, deren Tochter die Schule besuchte, nicht akzeptabel. Auf Facebook hat sie einen entrüsteten Post abgesetzt, der rege diskutiert wird: «Mich interessiert nicht, was der Lehrer in seiner Freizeit macht. Aber das sind Pornobilder. Wenn es um unsere Kinder geht, kenne ich kein Pardon!» Die Schule stellt sich hinter ihren Lehrer. Auf Tätigkeiten der Lehrer in Neben- oder Zweitberufen nehme sie keinen Einfluss, solange diese ihrer Arbeit nicht grundsätzlich zuwiderlaufen würden. Wenn man von einer Lehrperson erwarte, dass sie die genau gleichen Werte vertrete wie man selbst und diese Werte auch noch als gesellschaftliches Ideal sehe, dann könnte man sich die Lehrperson als asexuelle, genormte und absolut neutrale Person vorstellen, sagt Michael In Albon. «In erster Linie ist auch der Lehrer eine Person mit bestimmten Neigungen, Interessen und Hobbys, die nicht mit seiner Funktion übereinstimmen müssen», sagt der Jugendmedienschutz-Beauftragter bei der Swisscom. Lehrpersonen, Polizistinnen und Polizisten und Verwaltungsbeamte stehen in der Gesellschaft unter besonderer Beobachtung, so In Albon.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Herr In Albon, ein Lehrer sorgt mit freizügigen Fotos, die er von sich auf Instagram postete, für Entrüstung. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie die Bilder sahen?
Ich empfand sie nicht als störend.

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Am Ende des Tages ist nur ein nackter Mann mit bedeckten Geschlechtsteilen zu sehen. Das ist so harmlos wie eine Frau im Bikini. Ein Foto – das mit den Socken – ist lustig. Punkt.

Es ist also in Ordnung, wenn sich Lehrpersonen im Internet halbnackt präsentieren?
Eine Lehrperson hat ein Recht auf ein Privatleben. Im Rahmen ihres Privatlebens darf sie auch Dinge tun, die nicht ins Klassenzimmer gehören. Zudem hat der Lehrer die Grenze zwischen Erotik und Pornografie nicht überschritten. Mit Erotik dürfen die Schüler in Kontakt kommen. Bei Pornografie sowie gewaltverherrlichenden Darstellungen handelt es sich hingegen um jugendschutzrelevante Inhalte.

Sind viele Leute einfach zu prüde für solche Bilder?
Sicher ist es realitätsfremd, wenn man einen Lehrer wegen solcher Fotos anprangert, gleichzeitig den Jugendlichen aber einen einigermassen freien Zugang zu Medien erlaubt. Viele Menschen bewerten das Auftreten gemäss ihrer eigenen Moralvorstellungen.

Wie meinen Sie das?
Wenn man von einer Lehrperson erwartet, dass sie die genau gleichen Werte vertritt wie man selbst und diese Werte auch noch als gesellschaftliches Ideal sieht, dann könnte man sich die Lehrperson als asexuelle, genormte und absolut neutrale Person vorstellen. Das ist sie aber nie und das Internet macht sichtbar, dass auch Lehrpersonen ein Privatleben haben. In erster Linie ist auch der Lehrer eine Person mit bestimmten Neigungen, Interessen und Hobbys, die nicht mit seiner Funktion übereinstimmen müssen. Hätte ein Schreiner oder ein Metzger freizügige Fotos gepostet, hätte dies hingegen keine heftigen Reaktionen ausgelöst.

Warum darf ein Metzger freizügig posieren, ein Lehrer aber nicht?
Lehrpersonen, Polizisten und Verwaltungsbeamte stehen in der Gesellschaft unter besonderer Beobachtung. Nichtsdestotrotz würde ich sagen, dass auch sie ein Anrecht auf ein Privatleben haben. Besteht dies darin, erotische Bilder online zu stellen, empfinde ich dies zunächst als unbedenklich. Obwohl solche Hobbys rasch an eine breite Öffentlichkeit gelangen, müssen sie am Ende keinerlei negativen Einfluss auf die Qualifikation im Job haben. Man muss klar unterscheiden zwischen der Pflicht im Beruf und der Gestaltung der Freizeit. Und wir Beobachter sollten auch akzeptieren, dass andere Menschen andere Interessen haben – solche, die uns eventuell nicht gefallen.

Hat der Lehrer bei den Primarschülern noch eine Chance, nicht zur Lachnummer zu werden?
Man darf die Gilde der Lehrpersonen nicht unterschätzen. Der Respekt des Lehrers beschränkt sich nicht auf sein privates Verhalten. Die Schüler nehmen ihn sicher immer noch als Respektsperson wahr. Zudem kann man aus dieser Situation auch etwas Positives ziehen. Seine Schüler werden lernen, dass die Form, mit der man sich im Internet darstellt, nicht allen gefallen muss.


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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich glaube wir haben dieses Bild nun genug gesehen!! – Schweizer

Verdrehte Werte! Was ist das für die Kinder für ein Vorbild, wenn ein Lehrer solche Fotos postet? Ein wenig Prüdheit schadet sicher nicht, im Gegenteil! Eine Schande so was, und schlimmer noch sind die Spezialisten, die ein solches Verhalten normal finden! – BM

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schweizer am 23.01.2019 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hilfe..

    Ich glaube wir haben dieses Bild nun genug gesehen!!

    einklappen einklappen
  • T.S. am 23.01.2019 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die eltern sind das übel....

    in meinen augen sind es es mehr die eltern die an den pranger gehören. wenn kinder schon mit 8 am eigenen handy nach sexy suchen. und die eltern das nicht checken. die eltern sind für die erziehung verantwortlich nicht der lehrer in seiner Freizeit

  • Phlow am 23.01.2019 23:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lehrer sind Menschen

    Vielen Dank Herr Albon, meine Rede! Primarschüler sollten diese Bilder sowieso nicht zu Gesicht bekommen. Falls doch, hat nicht der Lehrer sondern die Eltern versagt. Der Lehrer kann seine Qualitäten dann unter anderem dann damit unter Beweis stellen, in dem er den Umgang mit Medien resp. den Reaktionen auf solche Bilder lehrt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pete am 24.01.2019 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Sind das Biobananen?

  • Mary S. am 24.01.2019 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Vorbild

    Meiner Meinung nach müssen selbstbewusste und reife Menschen sich nicht stets im Internet selbst darstellen. Von einer Lehrperson ist ein gesundes Mass an Souveränität zu erwarten.

  • bätschertgoddy am 24.01.2019 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    ..zur Tagesordnung..

    super Kommentar von Herrn In Albon. Bin genau seiner Meinung und habe diesen Hype echt von Anfang an nicht verstanden.

  • Rigorosa am 24.01.2019 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Eindeutig zweideutig

    Als Lehrperson ist man eine öffentliche Person mit Vorbildfunktion. Also ein No Go dieses Bild. Warum Bananen? Sehr zweideutig. Hätte er ein Foto gepostet mit einem Badetuch, locker um die Hüfte geschwungen, würde es niemanden kratzen, aber so? Ich würde gerne von ihm selber hören, welche Botschaft er damit an wen übermitteln wollte. Bestimmt keine für Hänsel & Gretel im Lebkuchenhaus.

  • Bichermüesli am 24.01.2019 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Kleidung vs Frucht

    Habe mich gerade gefragt, ob Herr Albon im Sommer in Badeshorts oder bloss mit einem Bund Bananen an den Strand geht.