Preisüberwacher

06. Juni 2019 15:21; Akt: 06.06.2019 15:21 Print

Roaming-Gebühr vergrault Schweiz-Touristen

von Ilona Himmelberger - Preisüberwacher Stefan Meierhans kritisiert, dass der Nationalrat die Roaming-Gebühren nicht abschafft. Das schade auch dem Tourismus in der Schweiz.

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In der EU wurden die Roaming-Gebühren bereits vor zwei Jahren abgeschafft. Doch für Schweizer in den Ferien und Touristen in der Schweiz bleibt die Nutzung von Instagram, E-Mail, Google-Maps und Co. weiterhin kostenpflichtig – für ein Gigabyte Daten etwa fallen je nach Anbieter Hunderte bis Tausende von Franken an.

Herr Meierhans, die EU hat das Roaming abgeschafft, die Schweiz aber nicht. Am Dienstag wurde im Nationalrat eine Motion zur Abschaffung der Gebühren abgelehnt. Hat die Telekom-Lobby gesiegt?
Ja. Dass der Nationalrat nicht im Sinne der Konsumenten entschieden hat, bedaure ich. Das Begehren scheint politisch im Parlament blockiert zu sein. Ich bin mir aber sicher, dass sich das neu gewählte Parlament in der nächsten Legislatur wieder mit Roaming beschäftigen muss. Denn die Digitalisierung geht weiter und der Zugang zu Onlinediensten wird unterwegs in der Schweiz und im Ausland immer wichtiger.

Warum schieben die Politiker in Bundesbern dem Roaming nicht einfach einen Riegel?
Der Entscheid fiel unter Verweis auf die Teilrevision des Fernmeldegesetzes. Darin enthalten sind Massnahmen, die die Roaming-Gebühren in einem gewissen Rahmen beschränken sollten. Allerdings sind diese Massnahmen nicht besonders weitreichend. Fraglich ist, ob sie das Roaming-Problem aus der Welt schaffen können. Das Problem betrifft im Übrigen nicht nur Schweizer, die – privat oder auf Kosten des Geschäfts – ins Ausland reisen, sondern auch unser Hotel- und Gastgewerbe: Wenn Ausländer bei uns Ferien machen und je nach Anbieter horrende Roaming-Gebühren bezahlen müssen, kommen sie vielleicht kein zweites Mal wieder.

Die Roaming-Gebühren sind für Schweizer auf Reisen in Europa immer noch sehr hoch und je nach Anbieter auch sehr unterschiedlich. Wie kommt das?
Grundsätzlich ist die Preislage abhängig von den Mobilfunkanbietern. Allerdings gibt es mittlerweile eine grosse Menge unterschiedlicher Abonnements. Darunter auch solche, die bessere Roaming-Angebote enthalten. Höhere Roaming-Kosten sind aber nach wie vor ein Ärgernis für viele Konsumenten. Dies hängt damit zusammen, dass bei der Entscheidung für ein Abo in erster Linie auf die Inlandkonditionen geachtet wird, die Roaming-Kosten für Ferienreisen ins Ausland dabei ausser Acht gelassen werden. Und eben daraus ziehen die Unternehmen wiederum Vorteile.

Werden Sie bei den Providern intervenieren, um Druck für tiefere Preise zu machen?
Ich habe vom Gesetzgeber einen Auftrag dazu bekommen und werde zusammen mit dem Bundesamt für Kommunikation weiter dranbleiben. Allerdings kann ich selbst nicht direkt einschreiten. Preisobergrenzen sind gemäss neuem Gesetz nur mit einem internationalen Abkommen möglich. Deshalb kann auch der Bundesrat nicht viel gegen die Roaming-Gebühren ausrichten ohne neue Abkommen mit der EU.

Einer der Mobilfunkanbieter lancierte kürzlich eine Option für unlimitiertes Daten-Roaming. Zeigt das nicht, dass die Anbieter noch Spielraum haben und am Roaming eine goldene Nase verdienen?
Natürlich können die Anbieter je nach Ermessen auch Mischrechnungen machen. Es bleibt zu hoffen, dass andere Anbieter ebenfalls darauf einsteigen. Vorerst bleibt es leider in der Verantwortung des Konsumenten, im eigenen Interesse seine Roaming-Kosten tief zu halten. Mein Tipp: Am besten bereits bei Vertragsabschluss über die Auslandgebühren nachdenken. Oder vor Ort eine lokale SIM-Karte kaufen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Typhoeus am 06.06.2019 15:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wozu nützt uns

    noch ein Nationalrat, der nur von unseren Steuern lebt, dazu noch die Lebenskosten verteuert.

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  • jens am 06.06.2019 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    übernehmen

    Wenn unsere Regierung schon alles von der EU übernimmt dann können sie sich ja auch für das abschaffen der Roaminggebühren einsetzten.

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  • Typhoeus am 06.06.2019 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Telefonverträge

    nur noch im benachbarten Ausland abchliessen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Beat am 07.06.2019 22:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Roamingkosten...

    Die wenige Touristen, die sich hier verirren und bereit sind 150 chf fürs B&B oder 50 CHF um auf ne Stück Rasen einen Zelt aufzubauen zu dürfen, können bestimmt solche Roaminggebühren leisten. Wenn es mehr Touristen werden soll, denn müssten nicht nur Roamingkosten abgeschafft werden, sondern auch übernachtungskosten und Kosten fürs Essen in Restauranten und Imbisse mindestens 40% niedriger liegen.

  • Reiseveranstaltet am 07.06.2019 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn es die Linken

    sagen "es braucht die Roaminggebühr" dann ist das so und es wird nicht gemekert, klar ! Die Linken interessiert es doch nicht ob Tourismus da ist oder nicht.

  • Frau am 07.06.2019 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Günstig

    Es kommt so weit das wir uns die sim Karte in Deutschland holen. Kostet nicht viel und du kannst es in ganze Europa benützen.

    • Igel am 07.06.2019 14:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Frau

      In den nächsten Jahren, gibt es keine SIM Karten mehr. Da ist schon eine in Smartphone fest verbaut. Diverse Glocken läuten schon davon.

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  • tina saavi am 07.06.2019 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    abos?

    haben keine Flat Rate im ausland? hmmm haben sie deshalb die ach ja so viel günstigeren abo preise als wir...

  • Dani am 07.06.2019 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Bundesbern abschaffen

    Sonst übernehmen wir auch alles von der EU. Aber hier kassieren andere in Bern noch gut mit. Bundesbern abschaffen.

    • Wolfgang am 07.06.2019 12:55 Report Diesen Beitrag melden

      @Dani

      Bin völlig deiner Meinung. Es ist eine Schande wie der Nationalrat sein Volk über den Tisch zieht.

    • Igel am 07.06.2019 14:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Wolfgang

      Der BR und Parlament waren noch nie für das Volk. Auch die grünen verfolgen nur ihre Interressen. Alles Egoisten. Das nachsehen hat der auf Strecke lebende Bürger. Bei den Wahlen auf Fotos lächeln. Nach Wahl die Krallen zeigen.

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