Tamedia-Wahlumfrage

16. Januar 2018 05:45; Akt: 16.01.2018 07:49 Print

Schneider-Ammann ist der unbeliebteste Bundesrat

von Silvana Schreier - Alain Berset belegt den ersten Rang des Tamedia-Bundesrat-Rankings. Die Umfrage zeigt auch: Die Mehrheit ist unzufrieden mit der Arbeit der Bundesräte.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Tag der Kranken erklärte Bundesrat Johann Schneider-Ammann in holprigem Französisch und ernstem Tonfall, dass Lachen gut für die Gesundheit sei. Daraufhin wurde er vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama mit «Sie, ich kenne Sie!» begrüsst. Erst vor einigen Wochen konfrontierte ihn Radio Energy mit «I bims», dem Jugendwort des Jahres 2017. Der Wirtschaftsminister ging darauf ein und versuchte, mit ein paar Brocken Englisch mitzuhalten. Bundesrat Johann Schneider-Ammann sorgte in seiner Amtszeit immer wieder für Lacher – und Spott. Ist er gerade deswegen unbeliebt bei der Schweizer Bevölkerung?

Die gewichtete Tamedia-Wahlumfrage mit über 20'000 Umfrageteilnehmern (siehe Box) zeigt: Wirtschaftsminister Schneider-Ammann bekommt die Note 3,36 und schneidet somit als schlechtester der sieben Bundesräte ab. Die Umfrageteilnehmer konnten Noten zwischen 1 und 6 verteilen.

Den Politologen Mark Balsiger überrascht das Ergebnis nicht: «Schneider-Ammann ist kein geborener Kommunikator und wirkt bei öffentlichen Auftritten oftmals unbeholfen. Das Publikum merkt das sofort.» Darunter würde seine Beliebtheit leiden.

Berset belegt den ersten Platz

Am besten kommt Gesundheitsminister Alain Berset (Note 3,95) vor der Umwelt- und Energieministerin Doris Leuthard (Note 3,87) bei der Bevölkerung an. Beide strahlen laut Politberater Balsiger «Glaubwürdigkeit, Kompetenz und Mitgefühl» aus: «Im Kontakt mit der Schweizer Bevölkerung wirken sie echt und warmherzig.»

Für Abstimmungen können populäre Bundesräte laut Mark Balsiger ein Erfolgsfaktor bedeuten. «Doris Leuthard hat derzeit die beste Erfolgsquote. Von zwei Ausnahmen abgesehen brachte sie alle Vorlagen durch», so der Politologe. Im März wird sich zeigen, ob ihr die Beliebtheit auch bei der No-Billag-Initiative hilft.

Die detaillierte Auswertung der Umfrage zeigt: Wenig überraschend bewerten die Anhänger der jeweiligen Partei ihren eigenen Bundesrat am besten. Einzig bei der FDP zeigt sich Überraschendes: Auf dem ersten Platz bei FDP-Wählern liegt Aussenminister Ignazio Cassis, auf dem letzten erneut Schneider-Ammann.

Politologe Balsiger sagt dazu: «Cassis hatte im vergangenen Jahr eine riesige Medienpräsenz. Das schlägt sich in diesem Spitzenwert nieder, zusammen mit dem Newcomer-Bonus.» Weiter zeigten diese Resultate, dass die «ungelenke» Art von Schneider-Ammann auch bei den Wählern der FDP nur wenig Gefallen findet.

SVPler geben Sommaruga Note 1,9

Weiter zeigt die Tamedia-Wahlumfrage, dass die Parteien SP und SVP ihre typische Rivalität auch bei der Beliebtheit der Bundesräte ausleben. Während Justizministerin Simonetta Sommaruga (4,8) erwartungsgemäss auf dem ersten Platz rangiert, bewerten SP-Wähler Ueli Maurer und Guy Parmelin mit der Note 3. Gleichzeitig urteilen die Anhänger der SVP genau umgekehrt: Maurer bekommt eine 4,4 und Sommaruga eine 1,9. 56 Prozent der SVP-Wähler, aber auch 18 Prozent der FDP-Anhänger verpassen der Justizministerin die Note 1. Die Justizministerin erhielt so viele Einer wie kein anderer Bundesrat.

«Diese beiden Parteien schenken sich nichts, was auch von der Wählerbasis mitgetragen wird», sagt Balsiger. Die tiefe Note für SP-Bundesrätin Sommaruga hält er für «dumpfbackig, was im Netz oft anzutreffen ist»: «Es gibt bessere und schlechtere Bundesräte. Aber keiner hat die Note 1 verdient», sagt Balsiger.

Mehrheit ist unzufrieden mit Arbeit der Bundesräte

Über die Hälfte der Schweizer Bevölkerung ist unzufrieden mit der Arbeit der Bundesräte (54 Prozent), 45 Prozent sind zufrieden, ein Prozent ist unentschlossen. Besonders zufrieden mit dem Bundesrat sind Anhänger der CVP (69 Prozent), am unzufriedensten sind Anhänger der SVP (85 Prozent). Keine Unterschiede zeigen sich dagegen zwischen Stadt-, Agglomerations- und Landbewohner.

Eine Erklärung dafür kann laut Politberater Balsiger der Knatsch mit der EU rund um die Kohäsionsmilliarde sein. Andere Umfragen zeigten hingegen seit Jahren, dass «bei uns das Vertrauen in die Regierung gross ist – wie in keinem anderen Land».

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anneli am 16.01.2018 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach alle schlecht

    Von einer besten Bewertung zu sprechen, wenn alle im ungenügenden Bereich liegen... naja.

    einklappen einklappen
  • TheRealSchnauz am 16.01.2018 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lol

    Alle Bundesräte sind unbeliebt. Schauen jq eh alle nur aufs eigene Portemonaie. Ans Volk denkt keiner.

    einklappen einklappen
  • Otto Normalverbraucher am 16.01.2018 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Erdung!

    Tatsache ist doch, dass alle BR ein Ungenügend von den Umfrageteilnehmern erhalten. Das ist wahrlich keine Vorzeigeregierung! Das kommt davon, wenn man nicht merkt, was die Leute in der heutigen Zeit beschäftigt, den Puls der Bevölkerung nicht spürt, stattdessen lieber neue Abgaben sich ausdenkt und mit der EU kokettiert.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 16.01.2018 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klein aber immer noch Top!

    Es ist sehr einfach zu kritisieren, hingegen nicht immer leicht zu regieren... Man kann nicht jedem Füdlibürger gefallen, Sympathie oder Antipathie gibts überall nicht nur bei den Politiker. Eins ist aber bestimmt sicher: Das System in der Schweiz funktioniert Weltweit am besten. Schauen wir ein Mal nur bei den Nachbarn wie es aussieht... Alles anderes als rosig: Macron, Merkel usw...

  • Mr. Jister am 16.01.2018 17:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle ungenügend

    Ihr habt das Bankgeheimnis zu Fall gebracht und somit dass wofür die Schweiz steht billig verkauft.

  • Martial2 am 16.01.2018 16:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlecht aber es funktioniert!

    Je öfter der BR wechselt, desto schlimmer wirds. BR JSA und Sommaruga, das war zu erwarten, schauen wir weiter mit Signore Cassis was der sonst noch in Petto hat!!

  • Cavi33 am 16.01.2018 16:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles ist relativ

    Grundsätzlich sind alle schlecht, Schneider Ammann ist vielleicht etwas unsympathischer aber er ist wenigstens kompetent. Das kann man nicht bei allen sagen.

  • Paul am 16.01.2018 16:11 Report Diesen Beitrag melden

    Leuthard verstehe ich ja

    Aber warum ein Berset oder ein Maurer auf gleicher Höhe sind, ist mir ein Rätsel. Sie nun mit Abstand den grössten Leistungsausweis als BR.