Gebüsster St. Galler Anwalt

15. Januar 2020 17:32; Akt: 15.01.2020 17:45 Print

«420'000 Franken Honorar war ihre Idee»

Ein prominenter St. Galler Rechtsanwalt hat eine krass überhöhte Honorarforderung gestellt. Dafür muss er eine Busse von 10'000 Franken bezahlen. Der Anwalt bedauert das Geschehene.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Patrick Stach, Anwalt und HSG-Universitätsrat, hatte als Vertreter einer Erbin in einem Erbstreit ein Erfolgshonorar von 20 Prozent des Erbschaftsbetrags (1,9 Millionen Franken), mindestens aber 100'000 Franken, vereinbart. Eine solche Abmachung sei gemäss Gesetz unzulässig, stellte das Bundesgericht jüngst fest. Stach meint dazu: «Der Vorschlag für das Honorar kam von der Mandantin. Es war ihre Idee.»

Das Gericht kam zudem zum Schluss, dass die Honorarforderung krass überhöht war. Die vom Juristen geforderten 420'000 Franken für Leistungen zwischen November 2015 und Mai 2017 seien mehr als viermal so hoch wie die gemäss den Gebührenordnungen maximal geschuldete Parteientschädigung, so das Bundesgericht in seinem Entscheid. Der verrechnete Stundenansatz von 910 Franken sei zwei- bis dreimal so hoch wie der in St. Gallen übliche Ansatz von 300 bis 400 Franken.

Bedauern beim gebüssten Anwalt

Stach relativiert in einem Statement, das er auf der Website seiner Kanzlei veröffentlichte, den Stundenansatz, räumt gleichzeitig aber auch eine Fahrlässigkeit seinerseits ein. Es sei nur der Aufwand der mit dem Fall direkt beauftragten Anwälte erfasst worden. Doch nicht zuletzt er selbst, habe auch für den Fall gearbeitet, aber diese Stunden nirgends aufgeschrieben. Deshalb sagt Stach: «Es wäre meine Pflicht gewesen, auch die von mir geleisteten Stunden vollumfänglich zu erfassen.»

Effektiv sei der Stundenansatz wohl rund 450 Franken gewesen und nicht über 900, so der gebüsste Anwalt. Denn das Gericht habe mit der Stundenanzahl gerechnet, die nicht alle Aufwände für den Fall abdecke.

Er akzeptiere das Bundesgerichtsurteil. Seine Zukunft als HSG-Universitätsrat sieht er nicht in Gefahr. Dazu sagt der St. Galler Anwalt: «Die Rüge betrifft ausschliesslich eine einzelne berufliche Angelegenheit.»

Stimmen von Rausschmiss werden laut

Im «St. Galler Tagblatt» fordern Politiker von links bis rechts Folgen für Stach nach dem Entscheid des Bundesgerichts. Für Laura Bucher, Co-Präsidentin der Fraktion von SP und Grünen im Kantonsparlament ist der Anwalt nicht mehr tragbar. Deshalb fordert ihre Fraktion den Rücktritt von Stach als Universitätsrat. Auch für die Fraktion der CVP und Grünliberalen sollte Stach einen sofortigen Rücktritt in Erwägung ziehen, zu gross könne sonst der Vertrauensverlust für die Universität sein.

Die Kantonsräte können nur Druck machen. Über eine allfällige Abwahl eines Universitätsrats während der Amtsdauer kann nur die Regierung entschieden. Und wie Stefan Kölliker, St. Galler Bildungschef und Präsident des Universitätsrats, zum «Tagblatt» sagte, habe er die Regierungskollegen über den Fall informiert. Das Bildungsdepartement werde nun weitere Abklärungen treffen.

Aussergewöhnlicher Fall

Dasselbe tut der St. Galler Anwaltsverband. Geschäftsführer Urs Freytag sagt: «Es ist unsere Pflicht, den Fall genauer anzuschauen. Bei unserer nächsten Sitzung werden wir darüber diskutieren.» Allfällige Massnahmen will Freytag vor der Sitzung im Februar nicht kommentieren. Für ihn ist nur klar: «Ein vergleichbarer Fall im Kanton St. Gallen ist mir nicht bekannt.»

Die 420'000 Franken von der Mandantin sind nach wie vor im Besitz der Kanzlei von Stach. Ob das so bleibt, ist nicht klar. Laut der Kanzlei sei das eine zivilrechtliche Angelegenheit und habe nichts mit dem Bundesgerichtsentscheid zu tun.

(mig)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Petschili am 15.01.2020 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    HSG Ahoi

    In der HSG lernt man perfekt wie man die Leute abzokt.

    einklappen einklappen
  • Eddie Vedder am 15.01.2020 17:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unglöubli

    unglaublich. Jura studiert, eid geschworen. finde diesen "Anwalt" unglaublich

    einklappen einklappen
  • Amur am 15.01.2020 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Schämen!

    Na, da wollte dieser "Winkel Advokat" aber Kasse machen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • P. Kuenz am 16.01.2020 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    Anwalt??

    Er ist Anwalt und müsste wissen, dass das gesetzlich unzulässig ist und das Beste was ihm zur Verteidigung einfällt ist: "Es war ihre Idee"..... der Mann hat seinen Beruf verfehlt...

  • PS;L am 16.01.2020 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Q.E.D.

    Es muss 10'000 bezahlen - Wenn sich eines in der Schweiz lohnt, dann ist das organisierte Kriminalität. Erschleichst du dir illegal Geld, ist die Busse oft nur ein Bruchteil der Delikt-summe. Das weckt ja vertrauen in unsere Elite...

  • dä zfriede Lokführer am 16.01.2020 08:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was, stolze 10'000 CHF Busse?

    Dafür muss der Herr ja ganze 10 Stunden ackern! Wo bleibt die Gerechtigkeit?!

  • Gustavo am 16.01.2020 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur traurig!

    Wie wäre es mit dem Entzug der Bewilligung? er hat ja bewiesen, dass er unser Rechtssystem nicht versteht!

  • LBB am 16.01.2020 08:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechtsschutz

    Macht eine Rechtsschutzversicherung. Ich habe meine schon einige Male gebraucht und war immer sehr zufrieden. Es geht ja nicht darum azuzocken sondern sich als Geschädigter zu verteidigen.