Rassistische Kostüme

22. Januar 2020 19:48; Akt: 22.01.2020 19:48 Print

«Alles was verletzend ist, geht zu weit»

In Frauenfeld ist eine Debatte um rassistische Kostüme an der Bechtelisnacht entbrannt. Fasnächtler und Rassismus-Experten sagen, was für sie zu weit geht.

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Mit diesem Post machte die junge Frau ihrem Ärger via Facebook Luft. Was folgte waren üble Anfeindungen bis hin zur Aufforderung zum Suizid. Die Bechtlisnacht war in der Nacht auf Dienstag. Unter anderem störte sich die Frau an Blackfacing. Blackfacing oder Blackface nennt man es, wenn sich Weisse mit Schminke die Haut dunkler machen, um so wie ein Mensch einer anderen Herkunft auszusehen. Meistens wie Menschen mit afrikanischen Wurzeln. Dazu gehört oft auch ein passendes Kostüm und eine entsprechende Frisur, wie zum Beispiel ein Afro.Hier wird eine niederländische Tradition gezeigt. Der Zwarte Piet ist in den Niederlanden und Flandern der Helfer des Sinterklaas, des Heiligen Nikolaus in der niederländischen Überlieferung. Gegen die Tradition vom Black Pete gab es auch schon Demonstrationen. Für Rassismus-Experte Dominic Pugatsch ist klar: «Im Rahmen einer Fasnacht oder eines Anlasses wie der Bechtelisnacht kann ein Kostüm durchaus rassistisch wirken.» Wichtig sei für ihn, dass man jeden Fall einzeln betrachtet. Pauschalisierungen seien schwierig. Der Fall aus Frauenfeld erinnert an die Rassimus-Debatte rund um die Basler Fasnachts-Clique Negro-Rhygass und die Gugge Mohrekopf. Den beiden wurde vorgeworfen, ihre Namen würden nicht mehr der heutigen Zeit entsprechen. Das Emblem der Negro-Rhygass wurde zudem kritisiert. Das Emblem zeigt eine schwarze Figur mit Knochen-Haarschmuck. Es kam zu einem Solidaritätsmarsch. Die Clique trennte sich trotz der Unterstützung vom Emblem.

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Eine 26-jährige Frau aus Frauenfeld machte auf Facebook ihrem Ärger zur Bechtelisnacht Luft. Sie war am Montagabend mit Freunden unterwegs. Was sie an der Veranstaltung störte, waren die gewählten Kostüme einiger Besucher. Diese waren ihrer Meinung nach teils rassistisch. Besonders schlimm fand sie, dass sich weisse Leute das Gesicht schwarz anmalten. Man spricht vom sogenannten Blackfacing. Dabei werden Stereotypen von anderen Ethnien zur eigenen Belustigung genutzt.

Jeden Fall einzeln betrachten

Dominic Pugatsch, Geschäftsführer der GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus, sagt dazu: «Im Rahmen einer Fasnacht oder eines Anlasses wie der Bechtelisnacht kann ein Kostüm durchaus rassistisch wirken.» Wichtig sei für ihn, dass man jeden Fall einzeln betrachte. Pauschalisierungen seien schwierig.

Für ihn hänge vieles mit Stereotypen zusammen. «Es geht um Herabwürdigungen von anderen Ethnien sowie Kulturen und das Überzeichnen von Stereotypen», so Pugatsch. Was für ihn klar ist: «Wenn ein Kostüm herabwürdigend ist, dann ist es auch rassistisch.» Beachten müsse man aber auch, dass gewisse Gegenstände mit Ländern in Verbindung gebracht werden und nichts mit Rassismus zu tun hätten, meint der Experte. «Mit Mexico verbinden wir zum Beispiel Sombreros und mit der Schweiz Sennenhüte. Wenn jetzt an einem Fest jemand einen Sombrero trägt, gibt es da grundsätzlich nichts zu beanstanden.»

An einer Fasnacht das Gesicht schwarz anzumalen reproduziere jedoch unnötigerweise rassistische Fantasien, so Pugatsch. «Es ist wichtig sich bewusst zu machen, woher diese Tradition kommt. Nämlich aus einer Zeit des Kolonialismus, in der rassistische Stereotype entwickelt worden sind.»

Null Tolerenz bei Rassismus

In genau einem Monat sind in Frauenfeld wieder viele Kostümierte anzutreffen. Am 20. Februar beginnt die Fasnacht. An der Fasnacht sei Rassismus bisher nicht gross Thema gewesen, sagt Hans Brunner, der Sprecher der Murganesen Frauenfeld. Geduldet werde Rassismus nicht. «Bei einem Vorfall würden wir sofort das Gespräch suchen mit dem Betroffenen. Nicht akzeptieren können wir, wenn sich ein Kostüm gegen Personengruppen in Minderheiten richtet.»

Ähnlich klingt es auch bei Bruno Bischof, dem Präsidenten der St. Galler Fasnachtsgesellschaft. Er sagt zum Thema Rassismus: «Es gilt ganz klar Null-Toleranz. Alles was verletzend oder provozierend ist, geht zu weit.» Man dürfe aber auch nicht übertreiben, meint Bischof weiter. Ein Kostüm eines anderen Landes zu tragen, sollte für niemanden verletzend sein.

(mig)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schweizer80 am 22.01.2020 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mehr normal

    Wir verblöden noch mit dem ganzen Rassismusgetue!!!

  • Awi am 22.01.2020 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    uns geht

    es viel zu gut, dass gewisse Leute sich um solchen Blödsinn kümmern können. Wenn ich als RAL8015 an die Fasnacht will, dann mach ich das.

  • Sir Lawrence am 22.01.2020 20:25 Report Diesen Beitrag melden

    Ah...

    es hat sich eine Person aufgeregt. Die Anderen scheinen Spass zu haben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein Leser am 23.01.2020 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht doch zu weit

    Das zeigt für mich das man bei der nächsten Abstimmung NEIN stimmen muss.

  • didi191 am 23.01.2020 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist doch krank

    Clowns die eine künstliche Glatze tragen wäre dann wohl auch diskriminierend, wie auch jede Art von Verkleidungen die eine andere Kultur darstellen. Kommt wieder auf den Boden und hört mit diesem Diskriminierungs- und Rassismus Quatsch auf.

  • Hexxli am 23.01.2020 13:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch ein Kompliment

    In der Fasnacht verkleiden wir uns als das was wir gut finden. Wenn ich als Chinese gehe ist das doch keine Erniedrigung für die Chinesen, sondern eher eine Ehre für sie. Verstehe das ganze übertriebene Gehabe echt nicht. Wir haben ja sonst keine Probleme!

  • Stirnrunzler am 23.01.2020 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Uns geht's gut

    Da schaut man auf die Umwelt, Australien, Krankheiten in Asien und denkt sich unweigerlich: Man, geht's uns gut, wenn solche Probleme herbeigeredet werden. Noch nie im Leben habe ich (und vermutlich ein Grossteil der Bevölkerung) bei Begriffen wie Mohrenkopf oder schwarz angemalte Personen zur Fasnachtszeit nur ansatzweise an Rassismus gedacht. Wie kommt man eigentlich auf solche Ideen?

  • P.p. am 23.01.2020 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    P.p.

    War vor ca. 15 Jahren als Dunkelhäutiger an der Fasnacht... Hat niemanden gestört. Habe an diesem Abend eine Dunkelhäutige getroffen, die sich das Gesicht weiss angemalt hatte. Keiner von uns hat sich angegriffen gefühlt, im Gegenteil, wir hatten ein lustiges Fest. Heutzutage hätten beide wohl einen riesen Shitstorm ausgelöst... Oder nur ich?