Bussgeld trotz Notfall

16. Dezember 2019 04:55; Akt: 17.12.2019 08:55 Print

«Als Mutter bin ich über das Verhalten erschüttert»

Eine 31-jährige Mutter hielt notfallmässig für zehn Minuten auf einem privaten Parkplatz, da es ihrer Tochter schlecht ging. Dafür erhielt sie eine Busse.

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«Meine Freundin und ich waren mit unseren Kindern am 19. November unterwegs nach Dornbirn, als meine 3-jährige Tochter plötzlich über Übelkeit klagte», berichtet Leser-Reporterin M. J.*. Intuitiv habe sie den erstbesten Parkplatz angesteuert, damit ihre Tochter an die frische Luft konnte und sich nicht im Auto übergeben musste. Da ihre Freundin nicht wusste, was los war, sei ihr diese mit ihrem Auto auf den Parkplatz gefolgt und auch ausgestiegen.

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«Keine fünf Minuten waren wir auf dem Parkplatz, als eine Frau kam und Fotos von unseren Autos machte. Wortlos ist sie an uns vorbeigehuscht», erzählt die Mutter. Sie hätten der Frau noch nachgerufen, dass es sich um einen Notfall handle. Diese habe aber nicht darauf reagiert und sei schnell verschwunden. Nach rund zehn Minuten sei es ihrer Tochter besser gegangen und sie hätten sich wieder auf den Weg gemacht.

Erklärungsschreiben änderte nichts

Kurze Zeit später habe sie einen eingeschriebenen Brief von einem Anwalt erhalten. Wegen Besitzstörung wurden sie und ihre Freundin aufgefordert, je 200 Euro Busse zu zahlen. «Als Mama bin ich zutiefst erschüttert über so ein Verhalten», sagt die Churerin. Sie habe schliesslich nicht mit bösen Absichten, sondern reflexartig gehandelt.

Sie habe daraufhin in einem Antwortschreiben die Sachlage des Vorfalls erklärt. Sie ergänzte zudem, dass sie die ganze Zeit neben dem Auto gestanden seien. Sie hätten gehofft, dass sich die Sache mit dem Erklärungsschreiben erledigen würde, doch der Anwalt sei bei der Forderung von 400 Euro geblieben.

Bussgeld bezahlt

Auf Anraten ihrer Rechtsschutzversicherung hat J.* die Busse bezahlt und das Geld von dieser zurückerstattet erhalten. «Am liebsten hätte ich es vors Gericht gezogen», meint die 31-Jährige. Zu zahlen sei aber die einfachste Lösung gewesen. Trotzdem lässt es sie nicht los.

«Wir müssen 400 Euro Strafe zahlen, weil es meinem Kind nicht gut ging.» Gerade in der Vorweihnachtszeit sei dies umso überflüssiger. J.* appelliert in diesem Zusammenhang auch an den gesunden Menschenverstand: «Man hätte einfach zu mir kommen und mit mir reden können. So hätten wir ihr erklären können, was los war und allenfalls unsere Autos umparkieren können.»

Viele Falschparkierer

Der Besitzer des Parkplatzes sagt auf Anfrage, dass es unten im Haus ein Geschäft für Hochzeitsbekleidung gebe, auf dessen Parkplätzen viele Falschparkierer ihr Auto abstellen würden. So auch M. J.* und ihre Freundin. «Es hat ein entsprechendes Schild, doch sie haben es nicht beachtet», so der Besitzer. Seit man konsequent Anzeige erstatte, habe sich die Situation verbessert.

Man würde alle Autos fotografieren, die unrechtsmässig auf dem Parkplatz stünden. Seit rund vierzehn Tagen habe man sogar eine Kamera, die automatisch Bilder schiesse und an die Rechtsabteilung sende. Mit Folgen für alle Parksünder, Notfall hin oder her.

*Namen der Redaktion bekannt

(del)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto Senn am 16.12.2019 07:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wie auch immer..

    Finde ich persönlich auch unverhältnismässig. Der Ladenbesitzer konnte sich wahrscheinlich nicht mehr anders helfen als zu diesen Maßnahmen zu greifen. Wir wohnen nehmen einer Schule, unsere privaten Parkplätze werden von Mütter missbraucht welche die Kinder zur Schule bringen und abholen. Da die bis jetzt nicht gebüsst wurden, scheint ihnen trotz Ermahnung egal zu sein. Was mich viel mehr wundert in der heutigen Zeit, dass man von Chur nach Dornbirn mit zwei Autos fährt. Verhältnisblödsinn...

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  • Anna am 16.12.2019 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Welcher Notfall?

    Welcher Notfall meint die? Und nein, Mutter sein ist kein Freipass für alles.

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  • Micamu am 16.12.2019 06:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es nervt!

    Wieder mal eine Mutter, welche Sonderregeln für sich und ihren Nachwuchs einfordert. Ich kann's nicht mehr hören!! Für Euch gelten dieselben Regeln wie für die anderen, lernt es endlich!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • L.M. am 17.12.2019 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anwalt muss man sein

    Ich dachte Bussen verteilen dürfen nur Polizisten.

  • Phew am 16.12.2019 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nunja...

    «Wir müssen 400 Euro Strafe zahlen, weil es meinem Kind nicht gut ging.» so ein Quatsch. Die Busse ist für das widerrechtliche Parkieren. Eine kleine Übelkeit ist aus meiner Sicht noch lange kein Notfall, der die ordentlichen Regeln ausser Kraft setzt. Weiter wurde grottenschlecht parkiert, hinzu kommt dass sich die Betroffenen derart weit von den PWs entfernten, dass sie nicht auf dem Foto sind - und somit entgegen ihrer Darstellung nicht direkt neben dem Wagen blieben. Als Besitzer hätte ich nach einer freundliche Klarstellung nicht auf die Busse beharrt, aber das Schreiben ist ja auch alles andere als freundlich ausgefallen. Aus meiner Sicht selber schuld - im doppelten Sinne.

  • Christoph am 16.12.2019 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    alles klar....

    wenn man mit den Hochzeitskleidern kein Geschäft mehr macht, muss man es eben halt mit den Parkplatzbussen wieder richten. Leider nicht an die vielen potentiellen Kunden gedacht, welche in Zukunft nie und nimmer dort einkaufen gehen werden...

  • baba am 16.12.2019 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    traurige Entwicklung

    typisch für die heutige Zeit: Keine Empathie mehr, kein Verständnis und Einfühlungsvermögen, keine Ausnahmen, mit einander Reden will man auch nicht mehr lieber gleich zur Polizei rennen und sein Recht einfordern. Kein wunder sind viele Menschen heute so gestresst und unzufrieden. Redet wieder (anständig und respektvoll) miteinander, geht etwas aufeinander zu und das Leben aller wäre friedlicher.

  • Medium am 16.12.2019 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medium

    Das ist mir in Lustenau auf einem grossen Parkplatz hinter einer Pizzeria passiert, im selben Gebäude war damals noch ein Asien Restaurant das wir besucht haben, scheinbar war aber der Parkplatz nur für die Pizzeria, auch Schreiben von Anwalt erhalten. Busse haben wir bezahlt aber in der Pizzeria haben wir und viele meiner Freunde nie mehr gegessen.