Tod im Connyland

11. November 2013 13:31; Akt: 11.11.2013 18:29 Print

«Angel» ist jetzt im Delfin-Himmel

Eigentlich hätte Angel wie seine Gspänli vom Connyland nach Jamaika umgesiedelt werden sollen. Doch dazu kam es nicht. Der 8-Jährige ist bei den Vorbereitungen verendet.

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Schocknachricht aus dem Connyland in Lipperswil: Der achtjährige Delfin Angel ist am 3. November 2013 gestorben. Mit ihm sind seit 2008 neun Delfine gestorben. Im Jahr 2007 war Angel getauft worden - von der Musicstar-Siegerin Fabienne Louves. Das mittlerweile achtjährige Delfinmännchen hätte nach Jamaika umgesiedelt werden sollen. Am Dienstag, 8. November 2011, ist im Freizeitpark Connyland das achtjährige Delfinmännchen Shadow verendet. Mit Shadow sind seit 2008 sieben Delfine im Connyland gestorben. ProWal und Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) kritisieren darauf das Veterinäramt. Dieses habe eine Technoparty vom 29. Oktober nicht verboten. Diese sei Schuld am Tod des Delfins. Der Kantonstierarzt widerspricht: Die Technomusik sei im Delfinarium kaum zu hören gewesen. Ausserdem sei nur der Tod des jungen Shadow aussergewöhnlich. Zwei der früher gestorbenen Delfine seien 27 und 28 Jahre alt geworden, die anderen seien Babys gewesen. Die Todesursache von Shadow wird noch untersucht. Die Tierschutzorganisationen bezeichnen das Connyland hingegen als Todestrakt. Sechs Tage nach Shadow stirbt am 14. November 2011 ein weiterer Delfin im Connyland. Der Verdacht wird laut, beide Tiere könnte vergiftet worden sein. Doch die Staatsanwaltschaft Thurgau teilte am 05. Juli 2013 mit, dass die Delfine an einer Hirschädigung gestorben sind. Dies durch die Überdorsierung von Medikamenten. Laut Tierschutzorganisationen ist artgerechte Haltung nicht möglich. Ein Becken könne nie die Standards eines Meeres bieten. Delfinarien verunmöglichten ein natürliches Sozial- und Jagdverhalten.

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Im Freizeitpark «Connyland» in Lipperswil TG ist ein weiterer Delfin gestorben. Der achtjährige Angel wurde während der Vorbereitungen für die geplante Umsiedlung nach Jamaika krank und starb am 3. November, wie Geschäftsführer Erich Brandenberger am Montag vor den Medien sagte.

Bei Angel wurde nach dem Tod eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse festgestellt. Die Connyland-Verantwortlichen vermuten laut Brandenberger, dass Stress die Ursache dafür war.

Im Hinblick auf den Transport der drei Connyland-Delfine Chicky (27), Angel (8) und Secret (2) in die Meereslagune «Dolphin Cove» im Jamaika habe der Tagesablauf der Delfine umgestellt werden müssen. Das «Einpacken» der Delfine in eine Stretch-Matte sei intensiv geübt worden. «Das alles war zu viel für Angel», heisst es in einem Communiqué vom Connyland.

Das Delfin-Weibchen Chicky und sein Junges Secret wurden am vergangenen Samstag in speziellen Transportboxen und unter Polizeibegleitung mit einem Sattelschlepper zum Flughafen Zürich transportiert. Von dort brachte ein Boeing-737-Transportflugzeug die Delfine nach Jamaika.

Das deutsche Wal- und Delfinschutz-Forum wirft dem Connyland nun «Profitgier bis zur letzen Minute» vor: «Die Delfine mussten bis zuletzt an Shows teilnehmen und wurden übergangslos einer ungewohnten Situation ausgesetzt», heisst es in einer am Montag verschickten Medienmitteilung. Brandenberger: «Wir haben im Gegenteil keine Kosten gescheut, damit die Delfine ein neues Zuhause erhalten.»

Zwei Delfine in Jamaika gut angekommen

Am Sonntag seien sie in der Lagune «Dolphin Cove» am Meer angekommen. Dort werden Chicky und Secret in eine bestehende Delfinfamilie integriert. Die beiden Tiere seien wohlauf, sagte Brandenberger. Nadja Gasser und der Chef-Delfintrainer des «Connyland» seien bei ihnen.

Mit der Umsiedlung der beiden Delfine nach Jamaika und dem Tod von Angel geht im Freizeitpark in Lipperswil eine Ära zu Ende. Seit 40 Jahren wurden im «Connyland» Delfine gehalten, maximal bis zu sieben Tiere. Das traurige Ende dieser Ära sei «unglaublich emotional», sagte Erich Brandenberger, der an der Medienkonferenz mit den Tränen kämpfte.

Mitte Oktober hatten Chicky, Angel und Secret zum letzten Mal vor Publikum in Lipperswil ihre Sprünge gezeigt. Danach wurde das letzte Delfinarium der Schweiz geschlossen.

Ein vom National- und Ständerat Mitte 2012 beschlossenen Importverbot für Delfine bedeutet für das Delfinarium das Aus. Eine natürliche Nachzucht ist mit drei verbleibenden Tieren nicht möglich.

Doppelter Delfintod

Das «Connyland» war vor zwei Jahren in die Schlagzeilen geraten: Damals starben innert einer Woche zwei Delfine. Dies rief Tierschützer auf den Plan, und es kam zu einer Strafuntersuchung.

Die Thurgauer Staatsanwaltschaft kam zum Schluss, die Delfine seien an einer Gehirnschädigung als Folge von zu hoher Antibiotika-Verabreichung gestorben. Ein deutscher Tierarzt wurde mit 4000 Franken gebüsst, das Verfahren gegen einen zweiten, ortsansässigen Veterinär wurde eingestellt.

Connyland-Geschäftsführer Erich Brandenberger zweifelte die Untersuchung der Staatsanwaltschaft an. Die beiden Delfine seien vergiftet worden, zeigte sich Brandenberger noch im vergangenen Juli überzeugt.

(tso/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rüdiger Hengl am 11.11.2013 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    "Tierschützer" schuld am Tod von Angel?

    Ohne die sinnlosen Aktionen der "Tierschützer" würde Angel meiner Ansicht nach sicher noch leben!

    einklappen einklappen
  • c.tanner am 11.11.2013 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    total unnötig

    ich war dieses jahr delfintrainer für 1 tag im conny land und konnte die delfine hautnah erleben. nun ist angel tod und ich bin sehr traurig. wie die möchtegern tierschützer die ganze sache ins rollen gebracht haben ist himmelhoch schreiend. die delfine wurden mit einem narkosemittel vergiftet, welches NICHT im conny land zur verfügung steht. tierschützer sind fähig, zum wohl des tieres, dieses zu töten. war zu lesen auf der webseite der befürworter dieser delfin raus initiative. ich schäme mich für die schweizer politik, welche so ein gesetz in 6Monaten! zu stande bringt, alles ander nicht.

  • Haguhans Altendorf am 11.11.2013 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Trittbrettfahrer!

    Und nun liebe Tierschützer was kommt als nächstes dran? Der grosse teil von euch Tierschützer sind eh Trittbrettfahrer von Herr Kessler. Versucht es doch mal z.Bsp. bei Pferderennen oder bei den Schlachtvieh Transporte. Aber da habt ihr keinen Stich weil da stehen Finanzkräftige Organisationen dahinter. Ihr könnt nur die kleinen kaputt machen. Super Organisation!

Die neusten Leser-Kommentare

  • chris schneider am 12.11.2013 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchler

    Ich würde mal gerne wissen, wo all diese Kommentarschreiber die nun gegen die "Tierschützer" hetzen waren, als die anderen 8 Delfine im Connyland gestorben sind? Wo war denn da euer Aufschrei?

  • Joshua H am 12.11.2013 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    Ist das Tierschutz? NEIN

    Angel starb wegen den Reisevorbereitungen, die ihr zu viel war. Diese Reise forderte der Tierschutz. Das Conny-Land ist unschuldig, den die meisten Delfine wurden 28 Jahre alt. Angel hätte auch etwa Jahre alt werden können wenn Sie im Conny-Land hätte bleiben können. Ich verstehe das Importverbot, aber dies mit dem Halteverbot geht zu weit. Die Delfine sind dort geboren und werden nur aus ihrem Lebensraum gerissen. Das Conny-Land schaute sehr gut auf die Delfine und sie hatten sehr viel Platz. Kein Vergleich zu anderen Delfinarien, wie es im Heide-Park war.

  • Tierfreund am 12.11.2013 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig!!!

    Hoffentlich sind die Tierschützer jetzt zufrieden.....

  • Patrick C. am 11.11.2013 18:24 Report Diesen Beitrag melden

    @c.tanner am 11.11.2013 15:53

    Da bin ich ganz Ihrer Meinung. Das kann's ja langsam echt nicht mehr sein! Tierschutz ist gut und recht, aber hier in diesem Fall fängt es langsam echt an exorbitante Ausmasse anzunehmen. Werden Haustiere auch bald verboten? Whhooops.. Hätte ich lieber nicht gesagt sonst kommt noch jemand auf die dumme Idee eine Volksinitiative zu starten.. :-( Ehrlich! Und wenn ich Delfine sehen will geh ich halt einfach in ein anderes Land. Und dann was will man dagegen unternehmen? Mich festhalten an der Grenze?

  • Roger Roger am 11.11.2013 16:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verhältnisblödsinn

    Danke an die angeblichen Tierschützer,das der Umzugstress den Tieren zusetzt war ja klar.Mal schauen wie lange die letzten zwei noch Leben bis sie vor lauter Heimweh zugrunde gehen.Die Tiere hätte man besser bis zu Ihrem natürlichen Tod im Conny Land gelassen wo sie die Umgebung,Pfleger. und Trainer kennen.Aber nein es musste ja ein Erfolgserlebniss her und ein Urteil das ja niemehr jemandem die Haltung von Delfinen in den Sinn kommt.Es werden soviele Lebewesen auf dieser Welt gequält und getôtet und nicht mal Tierschützer können was Ausrichten weil viele Länder sich nicht dreinreden lassen.Für mich ist diese Action vollkommener Verhältnisblödsinn.