Trans-Swiss-Trail

08. Juli 2019 04:50; Akt: 08.07.2019 04:50 Print

«Aus Protest habe ich eine Woche nicht geduscht»

Philippe Aemiseggers (32) ist knapp einen Monat lang durch die Schweiz gewandert. Rund 500 Kilometer legte er dabei zurück. Mit 20 Minuten spricht er über seine Reise.

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Philippe Aemisegger (32) beim Abschied am St. Galler Bahnhof. Dies war der Kompass für die vergangenen Wochen und zeigt die Trans-Swiss-Trail Route. Auf seiner Wanderung durfte er Wiesen und Felder, wie dieses Mohnfeld bei Porrentury JU, bestaunen. Gleich am ersten Tag machte er eine schockierende Begegnung: Ein gerissenes Wildschwein moderte vor sich hin. Im Jura gibt es eine hohe Luchs Population. Ein Luchs könnte auch das Wildschwein gerissen haben. Eine Brücke bei Saint Ursanne JU zog die Aufmerksamkeit des St. Gallers auf sich. Angekommen am ersten Zeltplatz, nicht weit von St. Ursanne JU entfernt, machte er es sich gemütlich. Überwältigende Farben waren auf allen noch so kleinen Schleichwegen zu finden. Falls sich kein Trinkwasser finden liess, konnte der Weltenbummler mit seinem Filter Wasser reinigen. Dies ist die wunderschöne Waldetappe bei Les Breuleux JU. Der Mont Soleil im Kanton Jura macht bei dieser schönen Aufnahme seinem Namen alle Ehre. Ein zotteliger Esel wurde zum Blickfang des Wanderers. Entkräftet aber wohlauf kommt er in Neuchatel NE an. Endlich fand Philippe Aemisegger bei Neuchatel NE wieder sauberes Trinkwasser. Auf dem Weg zur nächsten Etappe fällt diese künstlerische Strasse in Neuchatel NE besonders auf. Viele Tiere kreuzten seinen Weg, auch diese Schwanenfamilie am Neuenbrugersee. Angekommen im mittelalterlichen Murten FR konnte er nicht anders, als ein Foto dieser schön erhaltenen Altstadt zu machen. Auch hier in Laupen BE konnte ein gemütlicher Platz für Philippe und sein Zelt gefunden werden. Bei der Überquerung dieser pittoresken Brücke bei Köniz BE kam erneut der Wasserfilter zum Einsatz. Strahlend blaues Wasser erwartete den Weltenbummler in der schweizer Hauptstadt. Keine Sternenküche, aber eine Camperausrüstung ermöglichte warmes Essen unterwegs. Kaum erkennbar huschte eine Eidechse vorbei. Zum Glück war Philippe Aemisegger so schnell mit der Kamera. Das gesamte Hab und Gut des Reisenden ordentlich verstaut und auf einen Blick. Ab hier ging es weiter auf dem Bergwanderweg bei Schangnau BE. Hier ein weiterer Grund, weshalb seine Reise für den Naturschutz und die Nachhaltigkeit gilt. Zufrieden es bis hier hin geschafft zu haben, macht Philippe Aemisegger erst einmal ein Foto von sich und der Aussicht auf den Sanersee. Plätschernd schlängelt sich ein Bergbach bei Giswil OW den Hang herunter. Der Wasserfall in der Risletenschlucht bei Beckenried NW sorgte für eine willkommene Abkühlung bevor es weiterging. Mit Aussicht auf den wunderschönen Vierwaldstättersee war es mal wieder Zeit für ein Selfie. Bei warmen Temperaturen passierte er die Brücke bei Silenen UR. Und schon die nächste Brücke, die passiert wurde. Hier die Teufelsbrücke im Kanton Uri. Es wurde viel geschwitzt aber nicht umsonst. Glücklich erreicht der Ostschweizer das Tessin. Kaum auf dem Gotthardpass angekommen, schon ändert sich die Sprache. Die gute Laune stieg dafür umso mehr. Nach einem strengen Tag lässt sich der Ostschweizer seinen Znacht auf der Strada Alta schmecken. Ein leerer Schildkrötenpanzer bot dem Wanderer einen unerwarteten Anblick. Der Lago di Lugano ist bereits in Sicht. Nachdem Philippe Aemisegger kurz an seinen Kraftreserven zweifelte, kam er erschöpft aber zufrieden auf dem Monte San Giorgio im Tessin an. Sieht aus wie ein Werbefoto für Wanderrucksäcke. Ein atemberaubender Schnappschuss vom Monte San Giorgio. Mendrisio TI, das Ziel der 32 Etappen langen Reise quer durch die Schweiz steht kurz bevor. Stolz zeigt Philippe Aemisegger auf die Ortstafel am Bahnhof in Mendrisio. Er absolvierte die 32- Etappen lange Stecke in nur 25 Tagen. Glücklich und gesund kommt der Ostschweizer wieder in St. Gallen an.

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25 Tage war Philippe Aemisegger unterwegs, bevor er sein Ziel erreichte: In unter einem Monat die schönsten Regionen der Schweiz zu sehen. Nach seiner Weltreise begab sich der 32-jährige St. Galler daher auf den Trans-Swiss-Trail, eine Wanderroute in 32 Etappen. Von St. Gallen fuhr der Weltenbummler mit dem Zug nach Porrentury im Jura, wo am 11. Juni 2019 seine Reise begann.

Kurz nach seinem Start folgte der erste Schock: «Zuerst bemerkte ich nur einen strengen Geruch. Dann sah ich am Waldrand ein Wildschwein, mit komplett aufgerissenem Bauch», so Aemisegger. Da im Jura viele Luchse leben, befürchtete der St. Galler, inmitten eines Raubtier-Reviers zu stehen. «Ich bekam es mit der Angst zu tun und obwohl meine Beine schon müde waren, lief ich noch rund zwei Stunden, um aus der Gefahrenzone hinauszukommen», so der 32-Jährige.

Selbstgespräche gegen die Stille

Aber nicht nur die Wildtiere, sondern auch die Stille wurden für den Schweizer zum Problem: «Man beginnt mit sich selbst zu sprechen oder etwas zu sagen, nur damit die Stille gebrochen ist.» So sei er teils fünf Tage lang keiner Menschenseele begegnet. Und auch Trinkwasser ist ein Privileg, das es so in der Wildnis nicht gibt. «Einmal war stundenlang kein Brunnen oder Bach in Sicht. Da hatte ich tatsächlich mit Wassermangel zu kämpfen», so Aemisegger.

Für den Rest seiner Reise wusste er sich allerdings geschickt zu helfen: Der St. Galler hatte stets einen Wasserfilter dabei, mit dem er das schmutzige Flusswasser geniessbar machen konnte. «Ohne den Filter hätte ich echt ein Problem gehabt.»

Abbaubares Shampoo zum Umweltschutz

Da der St. Galler sehr auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz bedacht ist, stellte er auch seine eigenen Bedürfnisse hinten an: «Aus Protest habe ich teilweise eine Woche lang nicht geduscht. Ich benutze zwar schon abbaubares Shampoo, aber ich wollte dennoch kein Gewässer verschmutzen.»

Gebadet wurde dann doch noch: Als er zwei Tage mit seinem Vater unterwegs war, trafen die beiden bei Andermatt UR einen Geschäftskunden des Vaters an. Dieser habe die beiden spontan für eine Nacht ins Radisson Andermatt Spa und Hotel eingeladen. «Ob es wegen meinem Geruch war oder einfach weil er nett sein wollte, weiss ich bis heute nicht», sagt Aemisegger scherzhaft.

(maw)