Sexuelle Handlungen mit Bub

07. Februar 2019 11:29; Akt: 07.02.2019 14:29 Print

«Er hat den Kita-Job nicht zufällig ausgesucht»

Betreuer M. N. soll sich auch am Arbeitsplatz an einem Buben vergriffen und weitere fotografiert haben. Eltern, die ihr Kind in der betroffenen Krippe haben, sind geschockt.

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Mit einem Schreiben informierte die St. Galler Kinderkrippe Fiorino die Eltern: Kita-Betreuer M. N.* steht laut der Staatsanwaltschaft St. Gallen unter dringendem Verdacht, einen Buben am Arbeitsplatz missbraucht zu haben. Zudem soll er von zwei weiteren Buben «sexuell motivierte Fotoaufnahmen» gemacht und online verbreitet haben. Man habe entsprechendes Material auf den sichergestellten Datenträgern gefunden.

Eltern, die Kinder in der betroffenen Krippe haben, sind bestürzt. Unserem Reporter vor Ort sagt Mutter Dona Brahimi, die gerade ihre Tochter bringt: «Ich war sehr geschockt, als ich es heute Morgen erfahren habe. Ist das eigene Kind in der betroffenen Kita, bekommt man schon eine Gänsehaut, wenn man so etwas liest.» Ihre Tochter sei glücklicherweise noch nicht in der Kita gewesen, als sich der Übergriff ereignet habe.

Misstrauen gegenüber männlichen Betreuern

Derzeit arbeite auch kein männlicher Betreuer mehr in der Krippe. Brahimi ist froh darüber: «Wenn wieder ein Mann in der Krippe arbeiten würde, würde ich mein Kind sofort aus der Krippe nehmen.» Der Schutz der Kinder stehe für sie an oberster Stelle. Mit den jetzigen Mitarbeiterinnen sei sie sehr zufrieden.

Die Tante eines Mädchens, das die Krippe besucht, sagt: «Wir hatten es leider schon befürchtet, dass er auch am Arbeitsplatz sexuelle Handlungen vorgenommen hat.» N. sei als Springer eingesetzt worden. Man habe keinen Verdacht gehabt, weder die Eltern noch die Verantwortlichen. Im Nachhinein sei aber klar: «Er hat seinen Job nicht zufällig ausgesucht.» Sie hoffe nun, dass die vom Übergriff betroffene Familie das Geschehene gut verarbeiten könne.

«Junge Männer muss man besser durchleuchten»

Der Sohn einer Leser-Reporterin ist ebenfalls schockiert: «Da er als Springer an verschiedenen Standorten eingesetzt wurde, weiss ich nicht, ob er auch mit meinem Sohn in Kontakt kam.» Die Verantwortlichen hätten versichert, dass der Kita-Betreuer nie alleine mit den Kindern gewesen sei. «Dann frage ich mich, wie die Fälle passieren konnten.» Sie sei von Anfang an misstrauisch gewesen. Inzwischen seien aber jene Eltern, die einen männlichen Betreuer eine Bereicherung gefunden hätten, kritisch eingestellt.

Wichtig sei ihr, dass nun etwas geändert werde, sagt die Mutter. «Junge Männer, die diesen Beruf wählen, muss man besser durchleuchten, etwa mit psychologischen Tests.» Dass der mutmassliche Täter noch in den Medien aufgetreten sei und sich beschwert habe, männliche Kita-Betreuer würden unter Generalverdacht gestellt, sei nur noch zynisch.

*Name der Redaktion bekannt

(daw/sav)