Unwetter im Weisstannental

28. Juli 2016 17:26; Akt: 28.07.2016 18:52 Print

«Bitte nicht schon wieder wir»

Die Fischzucht und der Gnadenhof Schwendi im Weisstannental SG wurden innerhalb eines Jahres zum zweiten Mal vom Mülibach überschwemmt.

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«Es ist frustrierend.» Ehepaar Gmür vor der Fischzucht in Schwendi im Weisstannental SG. Zahlreiche Fische sind verendet. Beim letzten Schaden gab es mehrere Tonnen Fische zu entsorgen. Auch die grosse Terrasse wurde in Mitleidenschaft gezogen. Durch Keller... ... Speisesaal... .. und die Küche floss das Wasser. Das Becken ist verschmutzt. Ein Bagger schaufelt das Bachbett frei. Eine Bewirtung ist derzeit nicht möglich. Die Terrasse steht mehr als... ... knietief unter Wasser. An laue Sommerabende im Gartenbeizli ist nicht zu denken. «Wieder sind knöcheltiefe Löcher in den Wiesen», klagt Theresia Seyffert vom Gnadenhof Luna. «Nach den Wiedererstellungsarbeiten war es erst gerade wieder heimelig geworden, jetzt ist wieder alles zerstört», so Seyffert. «Wir fangen wieder bei Null an.» Hunderte Steine müssen von der Liegenschaft abtransportiert werden. Der Mülibach brachte Steine... ...Schlamm... ..Geröll.. ... und Zerstörung wohin das Auge reicht. Mit Schalltafeln vor den Zäunen konnten diese teilweise geschützt werden. Andre Zäune wurden zerstört. Starke Regenschauer haben am Mittwoch ein Chaos im Weisstannental im Kanton St. Gallen hinterlassen. Bereits letztes Jahr war die Region von Hangrutschen und übergetretenen Bächen betroffen. Diesmal sind mindestens vier Keller von Wohnhäusern vollgelaufen Ein Bagger räumt die Strasse wieder frei. Ein Überblick über das Dorf nach dem Hangrutsch. Als Sofortmassnahme wurden beim Mühlibach Wälle aufgeschüttet und Sandsäcke deponiert. «Bis definitive Schutzmassnahmen stehen braucht es Zeit. Leider drohen bis dahin weitere Überschwemmungen», so Gemeinderat Simon Buner.

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«Nein, nein, nein, nein, nein», schreit Esther Gmür verzweifelt im Video. «Bitte nicht schon wieder wir.» Dabei sieht man, wie der Mülibach in Schwendi SG auf das Gebäude mit der Fischzucht und dem Restaurant Fischerstübli zuströmt.

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Schon vor gut einem Jahr, am 9. August 2015, kam der Bach nach einem Unwetter über die Ufer und zerstörte die Fischzucht sowie das Restaurant. Über vier Tonnen Fische mussten danach entsorgt werden, das Restaurant renoviert und Geräte der Fischzucht ersetzt werden. «Wir hatten erst gerade wieder alles hergerichtet und aufgebaut, doch jetzt sieht es wieder aus wie vor einem Jahr», erzählt Gmür frustriert. «Unsere Existenz ist am Boden.» Ob sie weitermachen würden, wisse sie noch nicht. «Wir müssen schauen, ob wir die Kraft nochmals aufbringen können.» Der Schadensfall vom letzten Jahr sei noch nicht einmal abgeschlossen. Klar ist, der Schaden von 2015 beläuft sich bereits auf mehrere hunderttausend Franken.

Tiere blieben verschont

Auch Theresia Seyffert vom Gnadenhof Luna ist am Boden zerstört. Ihr Gnadenhof wurde vor einem Jahr vom Unwetter heimgesucht. Schäden von mehreren zehntausend Franken sind entstanden. Auch dieses Mal hat es den Hof erwischt. Immerhin: den 70 Tieren ist nichts passiert. Kühe, Katzen, Pferde und Pfaue seien wohlauf. Trotzdem: «Es ist so frustrierend! Wir haben erst grad alles wieder hergerichtet, jetzt sind wieder hunderte Steine auf den Wiesen sowie Geröll, Schlamm und Sand.» Man könne wieder von null mit Aufräumen beginnen.


Video: Gnadenhof Luna

Mit Gemeinde unzufrieden

Zum Frust kommt Wut über die Gemeinde hinzu. «Wir hatten der Gemeinde ein Konzept vorgelegt, um Schäden zu mindern – doch dieses wurde ohne nähere Begründung abgelehnt», erzählt Seyffert. Sie wollte querstehende Baumstämme im Boden verankern, um Schutt und Geröll abzuwenden. Bezahlt hätte der Gnadenhof diese Massnahme selbst.

Auch Gmür macht der Gemeinde Vorwürfe: «Man handelt zu wenig rasch. Spätestens seit letztem Jahr ist die Gefahr bekannt, doch es ist nichts Handfestes passiert.» Die Gemeinde habe sie jeweils vertröstet, dass Massnahmen mehr Zeit bräuchten. Bei Gmürs ist der Geduldsfaden gerissen. Mit einem Anwalt wolle man prüfen, ob eine zeitnahe Umsetzung gefordert werden könne.

Umsetzung nicht von heute auf morgen möglich

Bei der Gemeinde sieht man das anders. Nach dem Unwetter im Sommer 2015 sei man umgehend an die Massnahmenplanung gegangen. Ein Ingenieurbüro wurde beauftragt, die Unwetterschäden zu analysieren. Zudem erstellte ein Fachbüro eine Machbarkeitsstudie, heisst es in einer Medienmitteilung vom Donnerstag.

Eine Umsetzung ist in einer Gemeinde jedoch nicht von heute auf morgen möglich. Denn die Massnahmen dürfen sich nicht auf Einzelobjekte beschränken, sondern es muss eine Gesamtlösung für den ganzen Ortsteil sein. Dabei handle es sich um ein Millionenprojekt, in das auch der Kanton involviert sei. Um Beiträge von Bund und Kanton zu erhalten, brauche es zudem eine Variantenstudie.

(jeb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sara am 28.07.2016 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist Hilfe?

    Warum hilft man nur fremden Leuten? Was ist hier los in der Schweiz? Hilfe vom Staat sollte selbverständlich sein

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  • Günther Jauch am 28.07.2016 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Behörden blala

    wiede mal eine behördliche Larifariantwort... einfach bedauerlich für diese Menschen, denn hätten sie ihre Steuern nicht bezahlt, wären die Massnahmen wohl kaum auf die Lange Bank geschoben worden...

    einklappen einklappen
  • Kritischer am 28.07.2016 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Lernresistenz

    Der Mensch scheint einfach nie zu Kapieren das man die Natur zwar verdrängen kann, diese sich aber immer zurück holt was ihr Gehört.. Wie wäre es mal anstatt in dem Gebiet das schon mehrere Male überschwemmt wurde das ganz dahin zu verschieben wo man weiss es ist unwahrscheinlich das es dort Überschwemmungen gibt. Aber Nein die Gemeinden/Kantone wissen um die Gefahren und trotzdem wird es als "Bauland" Freigegeben .. Und die Allgemeinheit darf wieder dafür zahlen..

Die neusten Leser-Kommentare

  • lexy am 29.07.2016 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gnadenhof Luna

    Eigentlich wollte ich dort helfen aber als ich mich im Internet auf ihrer Seite schlau gemacht habe ist es mir vergangen. Man soll die Verpflegung selber mit bringen aber ja kein Fleisch. Rauchen darf man auf dem Gelände auch nicht. ( ist ja im freien ) Wen ich schon gratis arbeite erwarte ich wenigstens eine kleine Verpflegung ( z.b Sandwich und Tee ) na ja, gratis Hilfe erwarten aber mit wünschen an die "arbeiter" als würde man sie bezahlen. So wird das nix

  • Rolf S am 29.07.2016 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    so ist das

    Wär das in einem anderen Land passiert würde die Glückskette jetzt Geld sammeln und den Betroffenen Gratis neue häuser Bauen die besser sind als das was sie hatten

  • Sandervandorn44 am 29.07.2016 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eine schande die Gemeinde

    Wenn ich die Erklärung lese von der Gemeinde es ginge nicht von heute auf morgen dann wird mir schlecht und man kann nur hoffen das sie bald nichts mehr zu entscheiden haben ich würde die Gemeinde verklagen. wie oft muss es denn nach Meinung der Gemeinde noch passieren. das Menschen die jetzt zum zweiten Mal so eine Tragödie erlebt haben, keine schnelle Hilfe bekommen. es ist traurig das so mit den eigenen Landsleuten so umgegangen wird.

    • ab am 29.07.2016 15:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sandervandorn44

      in solch einem gebiet baut man nicht.

    einklappen einklappen
  • Kein am 29.07.2016 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unberechenbare Gebirgsbäche

    Diese Bäche sind echt ein riesen Mist. Jedes Jahr tritt mindestens einer über die Ufer und richtig Schäden an. Aber laut meiner Erfahrung sind die Betreiber der Fischzucht nicht auf Gäste angewiesen, denn diese werden nicht selten wie Aussätzige behandelt. So gesehen hält sich mein Mitleid mit den Fischzüchtlern ein wenig in Grenzen.

  • Weisstanner-Girl am 29.07.2016 09:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die eigenen Belange sind wichtiger

    Für die Fa. Gmür und Seyffert tut es mir sehr leid, ich wünsche ihnen sehr viel Kraft und hoffe, dass sie weitermachen und den Mut nicht verlieren. An die Gemeinde Mels gerichtet, kann ich nur sagen, dass ist ein Armutszeugnis, was sich diese Gemeinde leistet. Ein Jahr ist es her, dass der Bach die Schwendi folgenschwer überschwemmt hat. Die Betroffenen sind auf sich selbst gestellt, auf Hilfe aus der Gemeinde kann man lange warten. Sonst ist die Gemeinde doch auch schnell, z.B. im Rechnung ausstellen etc., aber da geht es ja um die eigenen Belange und nicht um die, der anderen.