Wahlen im Thurgau

17. Februar 2020 12:16; Akt: 17.02.2020 16:03 Print

«Das Schiessen ist ein Teil meines Lebens»

Cornelia Büchi (SVP) steht wegen ihrer Wahlwerbung in der Kritik. Auf Plakaten posiert sie mit einem Gewehr. Sie selbst sieht die Sache entspannt.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Zielorientiert auch im Grossen Rat für den Bezirk Frauenfeld», steht auf dem Plakat, für das SVP-Kantonsratskandidatin Cornelia Büchi nun Kritik einstecken muss. Auf die Idee für das Plakat kam Büchi, weil sie Parallelen zwischen Politik und dem Schiessen sieht.

Umfrage
Wie finden Sie das Motiv von Frau Büchi?

«Im Schiesssport muss man konzentriert und zielorientiert handeln», sagt Büchi zu 20 Minuten. «Zudem muss man sich nach einer Niederlage wieder von neuem motivieren.» Das seien Eigenschaften, die man auch in der Politik brauche.

Während der Saison stehe sie mehrmals pro Woche im Schiessstand, der Sport sei eine Teil ihres Lebens. Deshalb habe sie zwei Plakate mit dem Thema Schiessen anfertigen lassen. Auf diesen sieht man, wie Büchi mit einer Waffe posiert. «Diese beiden Plakate stehen auf dem Gelände des Schützenhauses Galgenholz.» Das zweite Sujet, das Büchi mit geschulterter Waffe und Visier zeigt, sei nur in einem Mailing an Schützen verwendet worden.

Die Wahlwerbung, die sie mit Waffe zeigt, ziele also klar auf Schützen als potenzielle Wähler ab. Auf allen anderen Wahlplakaten sei sie wie die vielen anderen Kandidaten ohne Waffe zu sehen. Deshalb nehme sie die Kritik entspannt auf. Die Schützen würden nämlich verstehen, wie die Werbung gemeint sei. Der Grossteil der Kritik komme ohnehin von Nicht-SVP-Wählern, das sei ja ohnehin nicht ihre Zielgruppe.

Wenig Gegenliebe

Die beiden Sujets stossen auf Social Media, wo sie es selbst gepostet hat, auf wenig Gegenliebe. «Grauenhaftes Wahlsujet», schreibt jemand auf Facebook. «Krank und Geschmacklos», ein anderer. Aber auch Zuspruch findet das Plakat: «Super» oder «Powerlady» ist in den Kommentaren zu lesen.

Zu reden gibt vor allem das Attentat im Zuger Kantonsrat 2001. Während einer Sitzung des Rates betrat Friedrich Leibacher den Saal und erschoss 14 Regierungs- und Kantonsräte. «Bringen Sie zu Ende, was ein anderer am 27. September 2001 begonnen hat? Oder fehlt Ihnen einfach der Realitätsbezug?», fragt eine Userin.

Büchi kann verstehen, dass man das Plakat nicht gut findet, wenn man es in den Zusammenhang mit dem Attentat in Zug stelle. «Doch das Plakat steht neben dem Schützenhaus.» Für sie sei die Waffe ein Sportgerät und sie wolle niemanden verletzten. «Das sind für mich zwei Paar Schuhe.» Ein Entfernen der Plakate kommt für die Kandidatin nicht in Frage.

Experte hätte von Sujet abgeraten

Soll die Kandidatin nach dem Shitstorm ihre Postings auf Facebook löschen? Politologe Mark Balsiger rät davon ab. «Etwas löschen hat jeweils einen Beigeschmack», sagt er. Hingegen rät er Büchi, auf Social Media die Sachlage nochmals zu erläutern, damit es für alle klar ist, und sich zu entschuldigen. «Die Plakate mit der Waffe stehen ja nicht im ganzen Kanton auf jeder Wiese, sondern es sind nur zwei beim Schützenhaus», sagt Balsiger. Dennoch: «Hätte mich Frau Büchi vorab gefragt, hätte ich ihr vor Werbemitteln mit Waffen abgeraten.» Das Attentat von Zug liege zwar fast zwanzig Jahre zurück, dennoch löse es immer noch Emotionen aus. Es gehe um Respekt. Balsiger vermutet, dass dies Büchi nicht bewusst war und sie dieses Plakatsujet aus dem Bauch heraus lancierte. «Dem Frieden zu Liebe würde ich die beiden Plakate beim Schützenhaus wieder entfernen», sagt Balsiger.

Durch die mediale Berichterstattung ist Büchi nun für kurze Zeit schweizweit bekannt. Doch nützt ihr das für die Wahlen etwas? «Das ist schwer zu sagen», so Balsiger. Denn Büchi wählen können ja nur die Stimmbürger aus dem Wahlkreis Frauenfeld. Ob diese sich wegen der Aufregung um die Plakate Büchi eher zu- oder abwenden, wird sich am Wahlsonntag vom 15. März zeigen.

(jeb)