Sevelen SG

12. Oktober 2018 05:52; Akt: 12.10.2018 05:52 Print

«Das Töffli wäre wohl auch 110 km/h gelaufen»

Auf 96 km/h hat ein 17-jähriger St. Galler sein Töffli frisiert und wurde von der Polizei aus dem Verkehr gezogen. Er bereut zwar, sagt aber, dass er sehr wohl an die Sicherheit gedacht habe.

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Er habe nicht gemerkt, dass er beobachtet werde, doch im Nachhinein sei ihm klar, wie die Polizei ihm auf die Schliche kam, so der 17-Jährige. In einer Medienmitteilung Ende August diesen Jahres schrieb die Kantonspolizei St. Gallen, dass man den Puch-Maxi-Fahrer seit einiger Zeit beobachtet hatte, wie er Autos überholte oder zumindest mit diesen mithielt. Am Freitag, 24. August wurde er schliesslich gestoppt. Die technische Überprüfung zeigte, dass die verschiedenen Änderungen am Mofa zu einer Leistungssteigerung führten, die eine Höchstgeschwindigkeit von 96 km/h ermöglichten. Normalerweise liegt sie bei 30 Kilometer pro Stunde.

«Auf dem Weg zu meinem Arbeitsort, den ich ja regelmässig zurücklege, wohnt ein Polizist», so der Velo- und Töfflimechaniker-Lehrling. Dieser habe ihn quasi von seinem Fenster aus beobachten können. Er nehme ihm das auch gar nicht übel, er sei ja selber schuld. Als er an besagtem Freitag wieder mit seinem Töffli zum Bahnhof Sevelen fuhr, war der Polizist bereits da und habe quasi auf ihn gewartet. «Ich musste auf den Zug hetzen, der Polizist meinte nur, ich müsse das Töffli gar nicht abschliessen, er würde gleich beschlagnahmt.» Später habe er einen Anruf von der Polizei erhalten und wurde zur Befragung aufgeboten.

Rennen und gefährliche Stunts?

Bei dem Gespräch mit der Polizei sei er unter anderem gefragt worden, ob er denn gar nicht an die Sicherheit gedacht habe. Das habe er sehr wohl. «Ich habe etwa die Bremsen verstärkt, bessere Pneus montiert und auch eine andere Gabel.» Zudem sei der Rahmen in einem einwandfreien Zustand gewesen, ohne Risse oder so. «Ich habe mich auch immer an die Geschwindigkeitsbegrenzung gehalten», so der 17-Jährige. Maximal lief das Töffli mit 96 km/h. Aufgemotzt habe er es mit Teilen aus dem Internet. Er habe den Hubraum von 48 ccm auf 70 ccm vergrössert und auch Teile im Motor habe er verstärken und auffräsen müssen, damit er die Leistung erreichen konnte und der Motor dies auch aushielt. Verändert wurden auch Kupplung, Auspuff und Vergaser. «Mit etwas zusätzlichem Aufwand wäre noch mehr dringelegen, wohl bis etwa 110 km/h. Aber mir war das so genug schnell.»

Es stimme auch nicht, dass er Autos überholt habe. In einem Fall sei es so gewesen, dass das Auto abbog und er deshalb daran vorbei fuhr. Anwohner sagten im August gegenüber 20 Minunten, dass regelmässig vier oder fünf Jugendliche auf der 80er-Strecke um die Wette fahren würden. Auch von lärmenden Motoren und waghalsigen Stunts wurde berichtet: «Die fahren auf der Hauptstrasse Richtung Wartau teils nur auf einem Rad oder kehren mitten auf der Strasse. Die Buben sind lebensmüde.» Der 17-Jährige sagt dazu offen: «Rennen haben wir auf der 80er-Strecke gemacht und das mit den waghalsigen Stunts finde ich einfach nur lustig, denn mit einem Mofa kann man keine Stunts machen.»

Konsequenzen noch offen

Der Rapport der Kantonspolizei St. Gallen ging an die Jugendanwaltschaft des Kantons. Diese wird nun über die Konsequenzen für den Jugendlichen entscheiden. «Ich rechne mit einer Busse, vielleicht eine Sperre für die Autofahrprüfung», sagt er. Eine Sperre wäre für ihn schlimm, weil er diese für seinen Lehrabschluss haben müsse. «Jetzt, wo ich erwischt wurde, würde ich so etwas auch nicht mehr machen.»

(taw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Yves am 12.10.2018 06:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daumen hoch

    Daumen hoch für den Jungen der sich noch die Händer schmutzig macht und etwas technisches lernt und nicht nur vor dem PC hockt!

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  • mike bussinger am 12.10.2018 08:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    richtig gut. das gibt es heute viel zu selten

    meis lief 110kmh und kahm steilsten strassen noch mit 65 bergauf. mein vater hat mir immer geholfen es zu frisiren. ich finde es viel besser seine jugend so zu verbringen als auf der strasse zu "hängen" und "rumlungern".

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  • Max Satz am 12.10.2018 07:32 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin Polizist

    Meinen Respekt an das junge Talent. Unser Töffli ging damals auch 110km/h Polizei hatte keine Chance. Heute arbeite ich selbst als Polizist und drücke bei solchen Angelegenheiten gerne mal ein Auge zu;)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Christoph am 12.10.2018 11:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Smile

    Irgendwie kommt mir der Lehrling doch reif rüber (gemäß seinen Schilderungen, wenn dieser Artikel so auch korrekt ist!) - er hat so an einiges gedacht... Busse ja, aber mehr auch nicht! Weiterhin eine erfolgreiche Lehre und gutes Gelingen bei der Fahrprüfung, mit 18!

  • E.H. am 12.10.2018 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    So funktioniert Fortschritt

    Sich interessieren, forschen und Gedanken machen, optimieren, verbessern, Leistung steigern, Umsysteme anpassen und dabei den Sicherheitsaspekt berücksichtigen sind u.a. Voraussetzungen für Fortschritt. Der Junge ist auf gutem Weg. Ein bisschen illegal zwar .. aber "You cannot expect to become old and wise if you have never been young and crazy" ;-)

  • Smith am 12.10.2018 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Vater

    hatte sein Töffli auch auf ca 80Km/h "Leistungsgesteigert". Nur hat er es Clever angestellt, mit einer Mechanik wo er den Gashebel begrenzen konnte, dass es nicht mehr als 30fuhr. Auf dem Prüfstand der Polizei hat es jedenfalls niemand bemerkt :D

  • Della Santa am 12.10.2018 10:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Polizei war schneller

    Es wird ihm auch so gehen wie mit , mein optimierter 2 Gang Sachs war auch etwas zu schnell , Schlappe 80 hat er gemacht , die Polizei war schneller, durfte dann an meinem Autoausweis 2 Jahre länger üben

  • MalSoMalSo am 12.10.2018 10:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lernprozess

    Ich habe früher mein Töffli frisiert. Ich bin Informatiker, trotzdem kann ich kleine Reparaturen an meinem Auto machen und baue an meinem Haus um. Ob ich die gleiche Geschicklichkeit und Wissen hätte, ohne die vielen Stunden mit meinem geliebten Töffli?