Hotel in Altstätten

29. Juli 2014 18:47; Akt: 29.07.2014 18:55 Print

«Das Unwetter hat mich ruiniert»

Elem Cecen steht vor dem Ruin. In ihrem Hotel in Altstätten zeigt sich ein Bild der Verwüstung. Der Schlamm hat alles zerstört und Schäden in Millionenhöhe angerichtet.

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Gemütlich sassen die Gäste im Restaurant Mumbai vor einem Glas Wein und warteten auf das bestellte Essen. Doch der Abend wurde alles andere als gemütlich: Plötzlich drang eine hüfthohe Schlamm- und Wasserlawine durch die Tür. Fluchtartig mussten sich die Gäste in Sicherheit bringen. Wegen eines schweren Unwetters war der Altstätter Stadtbach über die Ufer getreten. Die ganze Nacht wälzten sich gewaltige Schlammassen durch das Rheintaler Städtchen. An Schlaf war nicht zu denken.

Am nächsten Morgen steht Elem Cecen vor einem Scherbenhaufen. Die 40-jährige Pächterin des Hotels Untertor, zu dem auch das Restaurant Mumbai gehört, fürchtet um ihre Existenz. Sie zeigt auf die halbleeren Weingläser mit Schlammspritzern, die verdreckten Tischtücher. In der Küche schwimmen die Töpfe im Wasser. Die ganze Chromstahlgarnitur mit Herd und Abwaschbecken hat der Schlamm herausgerissen. Es sieht aus, als hätte jemand mit Sprengstoff hantiert.

«Ich bin ruiniert»

«Das ist ein Millionenschaden», sagt Elem Cecen. Erst im Laufe des Dienstags sei ihr das Ausmass der Verwüstung bewusst geworden. «Ich bin ruiniert», sagt sie. Alle teuren Geräte, PC's, Kassen, Drucker, Fax und Telefonanlagen seien unbrauchbar. Noch immer steht der Schlamm knöcheltief, obwohl die Feuerwehr stundenlang am Pumpen war.

«Ich habe meine Gäste um Verständnis gebeten, dass es heute kein Frühstück gibt», sagt die Pächterin und in ihren Augen blitzt kurz der Schalk auf. Dann wird sie wieder ernst: «Ich habe eine Hochzeitsgesellschaft aus Deutschland. Sie wollten heute im Gewölbekeller heiraten.» Es tue ihr sehr leid, dass dies nun nicht mehr möglich ist. Denn dort stehe das Wasser noch immer vier Meter hoch.

Ungewisse Zukunft

Bis in die frühen Morgenstunden waren Cecen, die ganze Belegschaft und freiwillige Helfer am Werk, um zu retten, was noch zu retten war. Viel sei es nicht, sagt die 40-Jährige. Doch sei sie sehr dankbar für die Hilfe und Solidarität, auch von den Hotelgästen. Die Restaurantgäste seien am Montagabend noch zurückgekommen, um ihren Wein zu bezahlen. Doch den habe sie ihnen offeriert, sagt Cecem. Ob und wann sie ihr Hotel wieder eröffnen kann, ist ungewiss.

Helfer Roland Zraunig spricht mit der Video-Reporterin:


(tso)