Frauentaxis gefordert

18. Juli 2019 04:47; Akt: 18.07.2019 09:24 Print

Wurden Sie im Taxi schon einmal belästigt?

Eine Wiler Stadtparlamentarierin fordert Frauentaxis an Bahnhöfen, um Frauen vor Belästigung und Übergriffen zu schützen. Die Bevölkerung ist geteilter Meinung.

Das sagt die Bevölkerung zum Angebot.
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«Ich habe schon von vielen Frauen gehört und gelesen, die im Taxi belästigt wurden», sagt Erika Häusermann, Wiler GLP-Stadtparlamentarierin. Die Politikerin fordert deshalb, dass am Bahnhof Taxis bereitstehen, in denen eine Frau am Steuer sitzt: sogenannte Frauentaxis. Demnächst wolle sie einen entsprechenden Vorstoss einreichen.

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Wurden Sie auch schon im Taxi begrabscht, angemacht oder belästigt? Braucht es an Bahnhöfen Frauentaxis? Teilen Sie uns ihre Erfahrungen mit. Ihre Angaben werden vertraulich behandelt.

«Der Fahrer wollte mich nicht aus dem Taxi lassen»

Im Gegensatz zur Schweiz gibt es in anderen Ländern längst Frauentaxis. «Das finde ich sehr schade, denn ich glaube der Bedarf wäre auch hier auf jeden Fall da», so Häusermann. Wie hallowil.ch berichtet, kam es in den letzten Jahren wiederholt zu Übergriffen durch Taxifahrer. So etwa, als ein 45-jähriger Taxi-Chauffeur in Kriens LU mehrere alkoholisierte Frauen ins Fahrzeug lockte und diese sexuell belästigte. Eine 18-Jährige vergewaltigte er 2016 in seinem Taxi.

Ähnliche Vorfälle im Kanton St. Gallen

Aber auch im Kanton St. Gallen gab es vergleichbare Vorfälle. So zum Beispiel 2011 in Rorschacherberg, als ein damals 34-Jähriger sich an einer damals 26-Jährigen im Taxi vergangen hatte. Auch ein Vorfall von 2010 ging auf das Konto des Mannes. Dieser köpfte einer schlafenden jungen Frau nach der Olma die Bluse auf und begrapschte sie. Nach ähnlichem Muster soll bereits ein Jahr zuvor ein weiterer Taxifahrer in St. Gallen betrunkene Kundinnen missbraucht haben.

Laut der Kantonspolizei St. Gallen kam es in letzter Zeit zu keinen vergleichbaren Vorfällen.

Von Männern dominierter Beruf

Dennoch ist Häusermann überzeugt, dass sich viele Frauen wohler fühlen würden, wenn sie von jemandem mit gleichem Geschlecht chauffiert werden. «Vor allem Musliminnen könnten von diesem Angebot enorm profitieren», ergänzt sie. Zudem sei Taxifahren ein sehr von Männern dominierter Beruf. Schuld daran sei auch die Vergabe der A- und B-Zonen. Diese gehen laut der Politikerin in Wil fast ausschliesslich an Männer, was den Job für Frauen nicht attraktiv bzw. lukrativ machen würde. (siehe Box)

Die GLP-Politikerin fordert, dass der Begriff «Frauentaxi-Platz» genau so anerkannt wird, wie «Frauenparkplatz». «Ein Schild am Bahnhof und eine Parkplatzmarkierung wären super», findet sie. Die Taxis sollen aber nicht staatlich subventioniert werden, sondern von privaten Unternehmen eingesetzt werden.

«Dann steig eben nicht ins Taxi»

20 Minuten hat sich in St. Gallen umgehört, ob das Angebot bei jungen Frauen überhaupt gefragt wäre. Die Meinungen sehen Sie oben im Video. Hier ein kleiner Auszug:

«Ich finde das super. Ich selbst wurde schon im Taxi belästigt, als mich der Fahrer einfach nicht mehr aussteigen lassen wollte», sagt die 19-jährige Lilo Sonderegger. Obwohl die meisten der Befragten eine solche Einführung befürworten würden, gibt es auch kritische Gegenstimmen: «Schliesslich werden nicht nur die Fahrgäste von den Taxifahrern angegriffen, sondern auch umgekehrt. Ist das für eine weibliche Fahrerin nicht gefährlich?», wirft eine junge Frau ein. Ein anderer Befragter findet: «Ist so etwas denn wirklich nötig? Wenn du Angst hast, dann steig nicht ein oder setze dich doch hinten hin.»

(juu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr.M am 18.07.2019 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Feminismusdebatte

    Wann genau wechselte die Richtig von Gleichberechtigung auf Männerausgrenzung? Wieso werden alle Männer immer in einen Topf geworfen? Es wäre sinvoller, das Problem an der Wurzel zu behandeln und nicht die Symptome zu bekämpfen.

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  • Zombrek am 18.07.2019 06:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist das die Problemlösung?

    Ich finde es bedenklich, dass es immer mehr dazu kommt, dass die Geschlechter separate Sachen verwenden müssen... Das Problem wird nicht an der Wurzel gelöst, sondern es wird lediglich verhindert, dass es zum Problem werden kann, indem man den Kontakt zwischen Mann und Frau seltener gestaltet. Wäre es nicht sinnvoller etwas auszuarbeiten, dass Täter härter bestraft, um die Anzahl der Vorfälle zu reduzieren? Natürlich müsste man dann auch wieder die Männer etwas schützen, damit es nicht zu unschuldig Verurteilten kommt....

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  • Tobias am 18.07.2019 07:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichheit für alle, unfair

    Die Idee ist was von diskriminierend, als Frau darfst du alles, Frauenparkplatz, Frauentaxi, Frauen.. und und. Als Mann wirds immer schwieriger, Frauen dürfen/Können alles, Männer nicht. Ich finde das diskriminierend. Lohn wollen auch alle den selben, ohne Diskriminierung

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kleine Familie am 18.07.2019 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    Das mag alles seine Berechtigung haben,

    aber immer diese tägliche Dosis Horror. Man mag schon gar nicht mehr lesen. Bringt doch mal eine Miniserie zum freuen. Wir/ich haben gleich 2 ganz tolle und herzerwärmende Erfahrungen mit Taxis gemacht, wozu sich wohl kaum ein Freund gerne aufgerafft hätte. Die eine mit einem Taxiunternehmen in Bülach, die andere in Brasov, Rumänien. Könnte beide Geschichten belegen. (Übrigens, der Taxifaher aus Bülach ist Moslem und stammt aus Albanien). Inzwischen ein uns ganz lieber Freund. An dieser Stelle auch mal ein grosses Dankeschön an alle Taxifahrer die täglich freundlich einen tollen Job machen!

  • Mutter am 18.07.2019 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Eine bessere Idee

    Da die Menschheit immer mehr zu verrohen scheint, müsste man das Problem endlich mal bei den Wurzeln packen. Brutale Jugendbanden, Schüler oder Männer ohne Respekt vor Lehrern oder Frauen, das alles liegt an mangelnder Erziehung. Führt endlich den Elternführerschein ein, dann haben solche Eltern denen alles egal ist vielleicht schon gar keine Kinder mehr. Nebeneffekt, Menschen aus anderen Kulturen die Frauen/Kinder als Zweitklassig ansehen kommen vielleicht nicht mehr so gerne zu uns. Jene die aber gewillt sind nach unseren Regeln zu leben haben hier auch volle Akzeptanz. Es würde allen dienen

  • Anakena am 18.07.2019 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ja!

    Der wollte am Ziel plötzlich Geld für die Fahrt haben. Dabei hatten wir nichts dergleichen vereinbart. Er quengelte so lange, bis ich ihm den Betrag gem. Meter bezahlte. Fühlte mich extrem belästigt. Hatte leider keine Zeit, um diesen Skandal öffentlich zu machen.

  • Galaxy am 18.07.2019 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Die Stärken des Femminismus

    Immer allen anderen die Schuld geben und herumkomandieren! Wenns nicht ausreicht, provozieren und denunzieren. Schade für alle wichtige Themen die Gleichstellung unterstützen...

  • Michi am 18.07.2019 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Rs war einmal vor 10 Jahren...

    Dennoch...Paranoide fordern separate Welten für Frau und Mann. Was folgt noch? Separate Züge, Restaurants shopping centers, Arbeitstellen und Armee Companien? Die Ressourcenaufteilung gleichwertig, das heist 80% für Frauen, 20% für Mann wie in Kleiderläden. Kostenteiler umgekehrt. Alles nach dem Motto Gleichstellung? Ja, die Frauenmentalität