Sensationeller Fund

09. August 2019 04:47; Akt: 09.08.2019 04:47 Print

«Der Pilz stinkt abartig, richtig schlimm»

Ein korallenartiger Pilz sorgt in einem Garten in Igis GR für Aufregung. Der sogenannte Rote Gitterling wurde wohl aus dem Mittelmeerraum eingeschleppt.

Bildstrecke im Grossformat »
Dieser Rote Gitterling, auch Clathrus ruber genannt, wurde in einem privaten Garten in Igis GR gefunden. Ursprünglich kommt er aus dem Mittelmeerraum und wurde wohl eingeschleppt. Mit dem schwarzen Schleim, der sich im innern des Pilzes befindet, zieht er Fliegen und andere Insekten an. Auf diese Art vermehrt sich der Sonderling. Es ist also gut möglich, dass man nun vermehrt auf den korallenartigen Pilz stossen wird. Der Rote Gitterling ist ein Bodenbewohner, der sich von totem, organischen Material ernährt Obwohl der Pilz durchaus giftig aussieht, gibt eine Fachfrau diesbezüglich Entwarnung. Der Rote Gitterling sei zwar kein Speisepilz, aber für den Menschen völlig ungefährlich. Dieser Schleimpilz sorgte im November 2018 für Aufregung. Die Gelbe Lohblüte wanderte durch einen Rheintaler Garten. Es ist eine Schleimpilz-Art und ein Mix aus Tier und Pilz. In der frühen Phase des Lebenszyklus weist der Schleimpilz Tiermerkmale auf, ähnlich einer Amöbe. Später bilden sie Frurchtkörper und Sporen, was an Pilze erinnert. Auf Englisch wird sie auch «Dog vomit slime», also Hundekotze, genannt. Der Pilz ist, wie der Rote Gitterling auch, nicht zum Verzehr geeignet, aber auch nicht giftig. Ein Verwandter des Roten Gitterling wurde 2012 in Schwyberg FR entdeckt. Der Tintenfischpilz ist eigentlich in Australien heimisch. Auch dieser Gitterling hat einen abartigen Geruch, wie der Finder des Pilzes damals sagte: «Als ich in den Pilz stach, verströmte dieser einen so grässlichen Aas-Geruch, dass ich mich schleunigst davongemacht habe.» Gefunden wurde der Feuerrote Tintenfisch auf rund 1600 Meter Höhe. Dies obwohl er bisher hauptsächlich unter 600 M. ü. M. entdeckt wurde. Der rote Pilz wurde im frühen 20. Jahrhundert mit Material- oder Militärtransporten nach Europa eingeschleppt. 1942 wurde er erstmals im Kanton Aargau registriert.

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Am liebsten hätte ich Freudensprünge gemacht», sagt Pilzkontrolleurin Maria Roffler gegenüber der «Südostschweiz». Es ist der Rote Gitterling, der in einem privaten Garten in Igis GR wächst, der die Fachfrau derart begeistert. Ursprünglich kommt er aus dem Mittelmeerraum und wurde laut Roffler wohl eingeschleppt. Sie konnte es am Dienstag kaum glauben, als sie den Sonderling sah: «Man macht schliesslich nicht jeden Tag einen sensationellen Pilzfund in Graubünden.» Der Rote Gitterling komme in der Schweiz nämlich nur äusserst selten vor.

Obwohl der Pilz durchaus giftig aussieht, gibt die Fachfrau diesbezüglich Entwarnung: Der Rote Gitterling sei zwar kein Speisepilz, für den Menschen aber trotzdem nicht giftig. Dass man dem Pilz freiwillig länger zu nahe kommt, verhindert wohl auch sein Geruch. «Der Pilz stinkt abartig, richtig, richtig schlimm», so Roffler.

Roter Gitterling kann nun vermehrt vorkommen

Der üble Geruch ist für den Menschen zwar ekelerregend, für den Erhalt des Roten Gitterlings aber essentiell: Schwarzer Schleim, der im Innern des Pilzes ist, verursacht den «Duft» und zieht gleichzeitig Fliegen und andere Insekten an. Die Tierchen fressen sich durch den Pilz, bis das schwarze Sekret an ihnen kleben bleibt. Dieser Prozess ermöglicht dem Pilz, sich zu vermehren. Somit ist nicht ausgeschlossen, dass man den roten Sonderling nun vermehrt in der Schweiz entdecken wird.

Schon Ende 2018 sorgte ein spezieller Pilz in der Ostschweiz für Aufregung: Eine Lohblüte, ein Vertreter der Schleimpilze, wanderte damals durch einen Rheintaler Garten. Die Masse, die eher an Bauschaum als an eine Pflanze erinnerte, wurde von Guido Ritter aus Altstätten SG entdeckt. Um zu erfahren, womit er es hier zu tun hatte, habe sich Ritter an den Verein Pro Riet Rheintal gewandt. «Die gesamte Masse besteht aus einer einzigen grossen Zelle mit zahlreichen Zellkernen. Die riesige, vielkernige Zelle kann ihre Form verändern und wie eine Schnecke über den Boden kriechen», informierte der Verein daraufhin.

Ungefährlich für Mensch und Tier

Für Mensch und Tier ist der wandernde Schleimpilz zwar keine Gefahr, zum Verzehr sei er aber auch nicht geeignet. Ihn loswerden zu wollen, allenfalls sogar mit Chemie, sei deshalb Blödsinn.

(mwa)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex am 09.08.2019 05:28 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Tier, eine Pflanze? Nein, ein Pilz.

    Ein Pilz ist ein Pilz und keine Pflanze. Pilze sind auch keine Tiere.

    einklappen einklappen
  • Lobotomie am 09.08.2019 05:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verursacher Mensch

    Wird wohl in Zukunft noch einiges mehr eingeschleppt werden.

    einklappen einklappen
  • Lucy F am 09.08.2019 05:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    10/13

    erinnert mich sehr an das Stranger Things-Wesen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stäheli Tanja am 10.08.2019 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alt oder neu freud oder leid...

    Warum freut man sich über eingeschlepptes? Schöner wàr doch wenn man mal was altes wieder neu entdeckt...

  • Alti Pfanna am 09.08.2019 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Igitt

    Wenigstens lassen auch unerfahrene Pilzsucher dieses Exemplar freiwillig stehen.

  • Name am 09.08.2019 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    Es werden noch andere Pilze

    Es werden noch andere Pilze zu sehen in den nächsten Jahren

  • Othello am 09.08.2019 18:16 Report Diesen Beitrag melden

    Kein unnötiges Leiden

    Lieber nackt als im Pilz!

  • Bodega am 09.08.2019 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    Übel aber

    Schmeckt immer noch besser als der Frass in unserer Kantine