Altstätten SG

18. Januar 2018 17:59; Akt: 18.01.2018 18:40 Print

«Der Staat verwehrt uns unsere Liebe»

Seit der Verlobung vor rund einem Jahr kämpft Ruth Ademi (60) für ihre marokkanische Liebe. Nun bekam sie ein Schreiben vom Zivilstandsamt, das ihr eine versuchte Scheinehe unterstellt.

Den Tränen nahe erzählt Ruth Ademi von ihrem Schicksal. (Video: viv)
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«Das gibt es doch einfach nicht», dachte sich Ruth Ademi, als sie vor kurzem den eingeschriebenen Brief vom Zivilstandsamt Rheintal bekam: Ihr Gesuch für die Ausstellung eines Ehefähigkeitszeugnisses wurde verweigert. Sie darf also ihre Liebe in Marokko, den 30-jährigen Youness, nicht heiraten. Dieser Entscheid zerreisse der 60-Jährigen das Herz: «Wir wollen doch keine Scheinehe eingehen – wir lieben uns wirklich von ganzem Herzen!»

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«Der Staat verwehrt uns unsere Liebe»

Liebe auf den ersten Blick

Schon vor der Trennung von ihrem dritten Ehemann habe Ademi übers Internet Kontakt mit Youness gehabt. Nach der Scheidung sei der Kontakt intensiver geworden. Im Herbst 2016 besuchte die Rheintalerin den Marokkaner in seiner Heimat.

Es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen. Obwohl sie zunächst vor einer vierten Hochzeit gezögert habe, half ihr der Zuspruch aus ihrem Umfeld, ihrem Herzen zu folgen. Deshalb reiste sie vor rund einem Jahr wieder zu ihrem Geliebten, um die Verlobung zu feiern. In Marokko habe sich das Paar auch gleich angemeldet. Doch nun platzte der Traum von der Hochzeit. «Ich verstehe nicht, warum der Staat uns unsere Liebe verweigert», so Ademi.

Schnelle Verlobung aus Respekt vor seinen Eltern

Die Begründung des Amts sei fadenscheinig, so Ademi. Im Schreiben heisst es: «Die Reise nach Marokko, erst seit kurzer Zeit geschieden, gleichzeitig bereits die Verlobung, das erscheint vom zeitlichen Ablauf her alles ausserordentlich schnell.» Für Ademi geschah die Verlobung aus Respekt so schnell: «Wir schlafen in Marokko im gleichen Bett, die Verlobung war ein Zeichen an seine Eltern, dass wir es ernst meinen.»

Im Schreiben weiter: «Die Muttersprache von Youness (...) ist arabisch. Nicht nachvollziehbar ist die Angabe, dass er genügend Deutsch spreche, um eine Unterhaltung zu führen. (...) Ruth Ademi hingegen spricht (nur) Deutsch. Es ist deshalb davon auszugehen, dass erhebliche Schwierigkeiten bestehen, flüssige Gespräche zu führen.» Diese Begründung ist für die Altstätterin unerklärlich: «Natürlich spricht er deutsch, er übersetzt mir in Marokko auch immer, was seine Familie sagt.» Sogar ein Video habe das Paar ans Amt geschickt, in dem Youness Deutsch spricht. «Trotzdem glauben die ihm einfach nicht», so die 60-Jährige.


Hier das besagte Video. (Video: Ruth Ademi)

Als dritten Grund gibt das Amt den grossen Altersunterschied des Paars an: «Es scheint unüblich, dass sich ein 30-jähriger Marokkaner in kürzester Zeit in eine 60-jährige Schweizerin verliebt und mit ihr sein Leben verbringen möchte.» Dabei sei für Youness klar: «Er will keine Kinder, er will einfach mit mir zusammen sein», sagt Ademi.

«Ums Geld kann es nicht gehen»

«Kritische Stimmen kann ich durchaus nachvollziehen», sagt Ademi weiter. Doch ums Geld könne es Youness nicht gehen. Sie habe wenig Geld und halte sich mit Putzjobs über Wasser. «Ausserdem habe ich ihn mehrmals selbst auf seine Zuneigung getestet», sagt die 60-Jährige. Zudem weine Youness jedesmal bitterlich, wenn sie nach ihrem Aufenthalt in Marokko wieder zurück in die Schweiz fliege.

«Ich begreife nicht, warum mir der Staat das nimmt, dass ich mit ihm glücklich sein kann», sagt Ademi mit Tränen in den Augen. Doch aufgeben werde sie nicht: «Ich kämpfe weiter für meine Liebe.» Den Beschwerdebrief an die Behörde habe sie bereits fast fertig.


20 Minuten hat am Donnerstag vor Ort mit Youness telefoniert. (Video: viv)

(lad/viv)