Bronschhofen SG

02. November 2017 05:48; Akt: 02.11.2017 10:50 Print

«Der Tötungsakt dauerte mindestens drei Minuten»

Weil er seine schlafende Frau in der gemeinsamen Wohnung erwürgte, muss sich ein 44-Jähriger nun vor Gericht verantworten. Die Richter müssen entscheiden, ob es Mord war.

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Die Tat geschah vor ziemlich genau einem Jahr. Am Vormittag des 26. Oktobers zwischen 9.15 Uhr und 10.30 Uhr erwürgte der heute 44-jährige Beschuldigte seine 34-jährige Ehefrau in der vom Paar und seiner Tochter (heute 6) gemeinsam bewohnten Wohnung in Bronschhofen SG. Seine Frau lag zum Tatzeitpunkt im Bett und schlief.

Danach habe der Mann eine Nachbarin auf seine Frau aufmerksam gemacht. Diese verständigte die Rettungskräfte. Vor Ort konnte jedoch nur noch der Tod der Frau festgestellt werden. Der Ehemann wurde von der Polizei direkt festgenommen.

«Im betroffenen Haus an der Hauptstrasse, wo früher das Restaurant Sternen war, werden regelmässig Asylbewerber untergebracht», erzählten Nachbarn damals gegenüber 20 Minuten. Genaues wusste aber niemand über die russische Familie – bloss, dass sie in der Schweiz um Asyl ersuchte.

Tötungsakt dauerte mindestens drei Minuten

Laut Anklageschrift würgte der Beschuldigte seine Frau mit einer oder beiden Händen über mehrere Minuten hinweg – so lange, bis sie schliesslich an einem zentralen Regulationsversagen starb. Der Beschuldigte habe bei ihr durch die Strangulation eine Blutzirkulationsstörung im Kopfbereich herbeigeführt und so einen sauerstoffmangelbedingten Hirnschaden verursachte. «Der Tötungsakt dauerte bei ununterbrochener Strangulation mindestens drei Minuten», so die Anklage.

Er habe seine Frau grundlos und kaltblütig getötet, wobei er die
Arg- und Wehrlosigkeit seiner schlafenden Frau bewusst ausnutzte. Zumindest wisse und wusste er bereits damals um die Gefährlichkeit seiner Tat. Als möglichen Grund für sein Handeln führt die Anklage an, dass der Ehemann eventuell die Rückkehr seiner Frau mit der gemeinsamen Tochter nach Russland verhindern wollte. Auch Eifersucht und die damit verbundene Angst, «seine Frau und/oder Tochter an eine andere Person zu verlieren», könnten eine Rolle gespielt haben.

War es Mord?

Seit der Tat sitzt der Mann in Haft. Am Freitag muss er sich nun vor dem Kreisgericht Wil verantworten. Dies wird darüber urteilen müssen, ob es sich hier um Mord oder um vorsätzliche Tötung handelt (siehe Box).

Die Staatsanwaltschaft beantragt ihn des Mordes für schuldig zu sprechen. Sie fordert eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren. Zudem soll er die Kosten des Verfahrens tragen. Ferner soll der Beschuldigte im Anschluss an die Verbüssung der Freiheitsstrafe des Landes verwiesen werden.

(taw)