Von Lawine verschüttet

10. Januar 2019 05:36; Akt: 10.01.2019 07:50 Print

«Die Äste waren meine Matratze und Decke»

Am vergangenen Sonntag verpasste Oliver Carson beim Skifahren in Laterns (A) eine Abzweigung und landete im Tobel. Dort musste er die Nacht im Freien verbringen.

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Es ist wohl der Albtraum jedes Wintersportlers: Man kommt von der Piste ab und wird von einer Lawine verschluckt. Genau das ist Skifahrer Oliver Carson laut den «Vorarlberger Nachrichten» passiert. Am vergangenen Sonntag war der 45-jährige Deutsche gegen 15.30 Uhr im Vorarlberger Skigebiet Laterns (A), das auch bei Ostschweizern sehr beliebt ist, auf Skiern talwärts unterwegs, als er die Abzweigung zur Piste 1 verpasste. Er fuhr weiter, bis er am Grund des Lesetobels ungewollt zum Stillstand kam. «Dort war ein Bach und ich brach durch den Neuschnee bis zur Hüfte ein», so Carson.

Just in diesem Moment löste sich auch noch ein Schneebrett vom Hang über ihn und verschüttete den 45-Jährigen bis auf Brusthöhe. «Ich war wie einzementiert und konnte meine Ski nicht mehr bewegen», erzählt Carson. Dennoch sei es ihm gelungen, die Bindungen zu lösen und sich rund 15 Minuten später aus dem Schnee herauszukämpfen.

«Musste immer aufstehen, um mich warm zu halten»

Da er ohne Handy unterwegs war, habe er laut um Hilfe geschrien, doch schon bald brach die Dämmerung herein und seine Kräfte liessen nach. «Ich wusste, dass ich die Nacht im Freien verbringen muss», wird er zitiert. Also machte er sich daran, ein Nachtlager einzurichten.

Schutz fand Carson unter einer Tanne. Er habe den Schnee unter der Tanne flachgetrampelt und Zweige darauf verteilt. Da legte er sich hin. «So nutzte ich die Äste mit Tannennadeln als Matratze und Decke», schildert der 45-Jährige. Viel schlafen konnte er bei Temperaturen um null Grad allerdings nicht: «Ich musste immer wieder aufstehen und herumhüpfen, um mich warm zu halten.» Ein Feuer konnte er nicht entzünden, da er kein Feuerzeug dabei hatte und das Holz viel zu feucht war. «Deshalb habe ich Schnee gegessen, um wenigstens genügend Flüssigkeit aufzunehmen», sagt er zu 20 Minuten.

Piste war gesperrt

Im Morgengrauen lief er bergaufwärts weiter. «Ich war eigentlich wohlauf, nur etwas heiser von den Hilfeschreien», so Carson zu den «Vorarlberger Nachrichten». Gegen die Mittagszeit habe er dann einen Hochsitz erreicht, wo er auf einen Tourengänger traf. Dieser setzte schliesslich einen Notruf ab. Der 45-Jährige wurde vom Polizeihelikopter Libelle geborgen.

Laut der Landespolizeidirektion Vorarlberg war Carson auf einer gesperrten Ski-Route unterwegs. «Vermutlich war diese aufgrund von Lawinengefahr gesperrt», erklärt Rainer Fitz, Sprecher der Landespolizeidirektion Vorarlberg. Dass der Deutsche abseits der Piste unterwegs war, ist neu für ihn: «Ich habe nirgendwo ein entsprechendes Schild gesehen», betont er. Aber er habe aus der Notsituation auch einiges gelernt. So wolle er nun beispielsweise immer ein Handy beim Skifahren tragen und aufmerksamer sein. «Ich werde mich ab jetzt immer ganz genau vergewissern, dass ich keine geschlossenen Pisten fahre.»

(juu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bündner am 10.01.2019 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte bleibt auf der Piste

    Bitte liebe Skifahrer bleibt auf den öffentlichen Pisten Ihr begebt euch in sehr grosse Gefahr momentan, und wen etwas passiert oder eine Lawine verschüttet euch, müssen sich meist Familie Väter auch einer grossen Gefahr aussetzen um Euch zu retten.

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  • Der Denker am 10.01.2019 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mensch ist doof und unbelehrbar

    Leider sieht man das täglich in den Skigebieten. Oben wird auf die Sperrung von Abfahrten, dann fährt man eben etwas weiter unten in den Hang, obwohl völlig sichtbar ist dass der Hang nicht stabil ist. Mir tun die Rettungskräfte leid die dann unter Gefahr solche unbelehrbaren retten müssen. Leider kann man sie nicht liegen lassen und im Sommer zusammen sammeln.

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  • Grappa am 10.01.2019 06:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teures Glück gehabt

    Glück gehabt der Bursche! Aber abzustreiten, dass er die Absperrung nicht gesehen hat? Wohl eher ein versicherungstaktisches Manöver... teuer wird's für ihn wohl trotzdem!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Leopold. am 10.01.2019 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und jetzt auf auf den Himalaya

    PS. Die kl. Plastikschaufel und das Fähnchen nicht vergessen.

  • Heidi am 10.01.2019 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tierwelt

    Tiere sind intelligenter wie mancher Mensch. Selten löst ein Tier eine Lawine aus. Zudem ist es für sie kein Problem im Schnee zu überleben. Beobachte vielmals Rehe die auf dem Boden kauern und so die nötige Wärme erhalten.

  • Naijna am 10.01.2019 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man sollte immer Schaufel dabei haben....

    Da sind noch mehr Verletzungen vorprogrammiert...

  • Tim am 10.01.2019 09:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufhören zu retten

    Mann sollte endlich aufhören solche leute welche auserhalb von pisten in lawinen.... geraten zu retten. Somitt würden sich schon so einige nicht mehr getrauen dem risiko auszusetzen... Wer so mit in eine Lawine ausserhalb von geöffneten & markierten piste gerät müsste sich also im klaren sein das die überlebens chancen zimlich klein sind...

  • Ganz einfach am 10.01.2019 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie man sich davor schützen kann

    Indem man gesperrte Pisten nicht befährt. Von wegen die Abzweigung verpasst.