Schul-Entscheid

18. Februar 2020 04:51; Akt: 18.02.2020 05:00 Print

«Die Begründung vom Amt ist einfach lächerlich»

Nach der Lehre will Halid Birdaini (18) die BMS anhängen – wegen des Schulwegs in St. Gallen und nicht in seinem Wohnkanton Thurgau. Doch die Behörden stellen sich quer.

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Halid Birdaini ist 18-jährig, im dritten Lehrjahr und will nach der Lehre die Berufsmaturitätsschule besuchen. Sein Wohnort Freidorf liegt im Kanton Thurgau. Das Berufsbildungszentrum ist in Weinfelden TG. «Mit dem öffentlichen Verkehr habe ich von Türe zu Türe gut eine Stunde», so Birdaini. Das Berufsbildungszentrum in St. Gallen erreicht der 18-Jährige in nur 30 Minuten. Deswegen stellte er ein Gesuch. Darin bat er den Kanton Thurgau, die Kosten von rund 16’000 Franken für den ausserkantonalen Berufsmaturitätslehrgang zu übernehmen, damit er die Weiterbildung in St. Gallen machen kann.

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Er rechnete sich gute Chancen aus. Auch weil er von seinem Lehrbetrieb in St. Gallen Unterstützung erhielt. Birdaini besucht bereits jetzt die Schule, an der er die BMS machen möchte. Der Schulleiter und seine Lehrmeisterin ermunterten ihn, das Gesuch zu schreiben. Er war bereits an einem Infoabend und hatte sich für einen Vorbereitungskurs angemeldet.

Gesuch abgewiesen

Letzte Woche bekam Birdaini die Antwort. Im Schreiben des Thurgauer Amts für Berufsbildung und Berufsberatung, das 20 Minuten vorliegt, steht: «Entscheid: Das Gesuch wird abgewiesen.» Der Kanton verweist auf geltende Vorschriften. Das Gesuch für einen ausserkantonalen Schulbesuch könne nur dann bewilligt werden, «wenn für das Erreichen des Schulortes pro Weg mehr als 100 Minuten benötigt werden und aus der Umteilung ein wesentlicher Zeitgewinn resultiert».

Birdaini versteht diese Rechtsgrundlagen nicht. Er sagt: «Ich muss fast durch den ganzen Kanton reisen, aber das Gesuch wird dennoch abgelehnt. Das ist so ärgerlich. In 100 Minuten kann man ja auch durch die halbe Schweiz fahren.» Strikt die Kantonsgrenze zu befolgen für einen Entscheid findet der 18-Jährige engstirnig. «Die Begründung vom Amt ist einfach lächerlich.» Für einen Rekurs habe er aber keine Zeit, er habe andere Sorgen.

Aufnahmeprüfung nötig

Im Kanton Thurgau muss er für die BMS eine Aufnahmeprüfung schreiben, im Kanton St. Gallen hätte sein Notenschnitt in der Lehre für die Aufnahme ohne Prüfung gereicht. Auch deswegen sagt Birdaini: «Ich fühle mich unfair behandelt. Aber ich nehme die Herausforderung an.» Ärgerlich sei, dass in der Prüfung teils Fächer vorkommen, die er seit drei Jahren nicht mehr gehabt habe.

Zu den 100 Minuten Weg heisst es beim Thurgauer Amt für Berufsbildung und Berufsberatung: «Diese Zeit gilt von Haustüre zu Haustüre. Wir haben dabei auch die Erwartungen an Stellensuchende beim RAV zum Vergleich beigezogen.» Seit 2017 gab es insgesamt 34 Gesuche für die Kostenübernahme wie bei Birdaini. Angenommen wurden lediglich zwölf.

(mig)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Godi Stutz am 18.02.2020 05:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tztztz

    "Im Kanton Thurgau muss er für die BMS eine Aufnahmeprüfung schreiben, im Kanton St. Gallen hätte sein Notenschnitt in der Lehre für die Aufnahme ohne Prüfung gereicht." Achso, und ich dachte wirklich den ganzen Artikel, dass es dem Jungen ums Klima oder um die Fahrtzeit oder meinetwegen um die hübscheren Mädchen in St. Gallen geht... ;-)

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  • Steff Steff am 18.02.2020 05:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So läuft der Hase...

    Ah, es geht um den Aufnahmetest. Die 100 min. Sind ihm doch egal.

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  • Silvia am 18.02.2020 07:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer jammern

    Geht es jetzt um den Weg oder die Prüfung?? Es gibt ganz viele Jugendliche die Täglich mehr als eine Stunde auf sich nehmen. Was ist daran so schlimm? Zumal man die Zeit im ÖV zum lernen nutzen kann

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Die neusten Leser-Kommentare

  • manu am 18.02.2020 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gut so

    Regeln sind Regeln. Gilt auch für Secondos. Gut gemacht Schweizer Staat, gib das Geld sinnvoller weise einem Asylbewerber, dessen Kinder noch nicht einmal in der Schweiz sind. Holt weitere Fachkräfte aus dem Ausland, als das eigene Volk zu bilden. Sind ja günstiger.

  • Putzwedel am 18.02.2020 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts von Jammern

    Fakt ist das er bereits während der Lehre diese Schule Besucht und für die BMW trotz gutem Notendurchschnitt wechseln muss!! Lehrer setzen sich ein, Bürokratie lehnt ab Geht nicht nur um Aufnahme Test und Wegzeit! Auch die Fahrkosten, Mahlzeiten usw. werden erheblich höher sein!! Wenn das logisch sein soll

  • Ra am 18.02.2020 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Das selbe passiert

    Ich hatte genau das gleiche Problem auch wohne in Bergdietikon (AG) und muss jetzt nach Brugg in die Schule. Anstatt nach Zürich wo ich knapp 20min gehabt hätte. Bist nicht alleine. #Kantöndligeist

  • Kurt Kritisch am 18.02.2020 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    Nach Weinfelden sind es nur 12 min mehr...

    Wenn ich bei Google Maps nachschaue, sehe ich, dass die Strecke Freidorf bis Weinfelden nur 42 Minuten dauert. Also hat er nur 12 Minuten länger nach Weinfelden... Somit keine Begründung einen solchen Antrag zu stellen.

  • W,A.K am 18.02.2020 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    auch Sturheit bei berufsbegleitender BM

    Ich wurde vom Thurgau Zürich zugeteilt für die Berufsmaturität. Da mein Beruf nur an der Berufsschule Zürich gab. (ich habe Aufnahmeprüfung für gestalterische Berufsmaturität bestanden! wollte als Fachfrau Dokumentation & InformationBuchrestauration studieren), aber wurde mir nicht erlaubt wegen Stundenplan. Ich sollte technische Berufsmaturität machen in Wetzikon. Erst als ich nach 6 Wochen immer die erste Lektion komplett verpasst hatte und ich nicht früher mit ÖV weg konnte, erlaubte TG, dass ich nach St.Gallen wechseln kann. Aber für gestalterische BM nicht möglich, da eigene Prüfung.