Wasserauen AI

20. August 2019 04:51; Akt: 20.08.2019 11:19 Print

«Die Entwicklung ist traurig und alarmierend»

Eine Leser-Reporterin empört sich über Touristen am Seealpsee, die ihren Müll nicht mitnehmen. Der Politik ist das Problem bekannt, eine Lösung nicht in Sicht.

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Das Wetter meinte es gut mit dem Appenzellerland am Sonntag. Entsprechend waren viele Leute unterwegs, auch beim Seealpsee. Das merkte auch eine 47-jährige Appenzellerin. Nicht aber an der Anzahl Leute, die sie angetroffen hatte, sondern an der Menge Abfall, die liegen blieb. Sie sagt: «In letzter Zeit hat sich das Problem verschärft. Wanderer werfen ihren Müll direkt neben die Wanderwege. Das ist traurig und alarmierend.» Sie habe von ihren Eltern gelernt: «Was ich in die Berge trage, nehme ich wieder mit nach Hause.» Das erwarte sie auch von den anderen.

Die 47-Jährige kritisiert zudem die Einstellung einiger Leute zu den Bergen. «Die Leute gehen heutzutage nicht mehr für die Verbindung zu einem Ort in die Berge, sondern fürs Foto in den sozialen Medien.» Das will der Geschäftsführer von Tourismus Appenzellerland, Guido Buob, nicht gelten lassen. Er meint: «Die grosse Mehrheit hat das richtige Bewusstsein für die Berge und die Natur. Klar gibt es einige wenige Ausnahmen.»

Lösungen sind kaum in Sicht

Mit ihren Bedenken ist die 47-Jährige aber nicht allein. In ihrem Freundeskreis seien die Abfälle rund um den Seealpsee und die Einstellung zur Gegend ein grosses Thema. Auch in der Politik ist das Problem bekannt. Der zuständige Schwendener Hauptmann, Sepp Manser, sagt: «Ich habe in letzter Zeit Fotos bekommen von Leuten, die darauf aufmerksam gemacht haben. Ich verstehe nicht, wie Leute ihren Abfall in der Natur entsorgen können.» Die Abfälle machen Manser ein wenig ratlos. Er sehe kaum Lösungen für das Problem.

Was Manser wie auch die Leser-Reporterin nicht verstehen, ist, dass die Wanderer wohl die Natur geniessen wollen, sie aber gleichzeitig mit ihrem Verhalten verschandeln und zerstören.
Da die Region immer mehr an Beliebtheit gewinnt, steigen auch die Besucherzahlen. Dies wiederum sorgt für mehr Abfall. Hauptmann Manser und auch die Einheimischen fordern eine bessere Sensiblisierung für das Thema. Eine Idee ist etwa ein witziger Comic in den öffentlichen Verkehrsmitteln, der darauf aufmerksam machen soll, nichts liegen zu lassen.

Bei Appenzellerland Tourismus hält man von so einer Idee nicht viel. Man habe sich auch überlegt, in einer Broschüre auf die Thematik hinzuweisen. Doch der Geschäftsführer Guido Buob sagt: «Wir sind zum Schluss gekommen, dass wir keine Moralapostel sein wollen.»

(mig)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • FASANO am 20.08.2019 06:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ängstliche Behörden u. Politiker

    Wie in den USA. 1000 Franken Busse für Littering und das Problem ist gelöst. Bei uns lassen die Behörden aber lieber die Sache aus dem Ruder laufen, als mutig griffige Lösungen zu schaffen.

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  • Beni am 20.08.2019 06:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wundert das wirklich?

    Was habt ihr denn erwartet? Zuerst wird die Natur erfolgreich beworben, dann kommen Heerscharen von Touristen, Wanderer, Skifahrer, MTB, E-MTB, Spaziergänger, Gleitschirmflieger und viele von denen wollen nicht Natur, sie wollen Fun. Geile Abfahrten, ein geiles Foto. Damit kommt wie immer nicht nur Geld ins Land, sonder ganz viele Probleme. Ich verstehe jeden Bauer, der sich Herdenhunde zulegt, um den Touristenstrom fern zu halten.

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  • Sepp am 20.08.2019 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wegwerfgesellschaft

    ich sage es immer wieder, Wegwerfgesellschaft die Leute haben keine Beziehung mehr zur Umwelt und Natur, leider traurig aber wahr, nach mir die Sindflut.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jürg am 20.08.2019 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Lösung geht auf Kosten des Volkes

    Da der Abfall neben Abfalleimer gestellt wird, ist es nicht wirklich littering. Der BR müsste mehr und grössere Abfalleimer parat stellen und die Mehrkosten den Touristen abdrücken. Aber er wird die Kohle garantiert wieder bei uns holen. Ich habe jeden Respekt vor denen verloren.

  • Ernst am 20.08.2019 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Das grösste Übel sitzt in der Hauptstadt

    Der Tourismus wird zusehens zu einem Problem. Die Leute haben kein Pflichtgefühl dem Ferienland gegenüber. Wir oft auch nicht, mal will es dann einfach schön und entspannt haben. Zudem haben reiche Touris Zuhause Bedienstete, die ihnen hinter her räumen... Unser Staat ist ein gieriger A-kriecher. Der wird die Kohle zum aufräumen eher bei uns holen, anstatt bei den reichen Verursachern.

  • Madlen Risch am 20.08.2019 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Werte und Grundeinstellung

    Jeder der seinen Plunder mit rauf trägt, soll ihn auch wieder runter tragen und sauber entsorgen. Wo genau ist das Problem? Ich wurde so erzogen. Die Aussage von Appenzellerland Tourismus finde ich eher peinlich. Entweder steht man zu den vermarkteten Werten oder man ist unglaubwürdig. Aber das liebe Geld regiert die Welt.....

  • m.h. am 20.08.2019 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    Die Leite interessiert es nicht, die einzige Lösung sind Bussen und Kontrollen erst dann interessiert es die Leute ganz einfach. Es ist momentan nicht in darum machen es die Leute auch nicht. Zuhause erzählen sie dann gross wie sie darauf geachtet haben wenig CO2 zu produzieren und den Zug genommen haben usw....Unsere Geselschaft ist einfach eine Doppelmoral nichts anderes. Qas gerade Hype ist wird gefeiert und dafür gekämpf und beim Rest ist nach mir die Sintflut.

  • André Müller am 20.08.2019 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    No Problem

    Die Besucher haben ja alles fein säuberlich beim Robby Dog deponiert. Wo liegt jetzt genau das Problem? Wo's Tourismus gibt, gibts Abfall, und solange es säuberlich deponiert wird, sehe ich kein Problem.