Altstätten SG

09. September 2019 04:53; Akt: 09.09.2019 13:43 Print

Lärmblitzer sollen heulende Motoren stoppen

Am Stoss in Altstätten SG wird über Motorenlärm geklagt. Ein Vorstoss zur Anschaffung eines Lärmbitzer soll jetzt für Ruhe sorgen.

Bildstrecke im Grossformat »
Die Stossstrasse Richtung Appenzell ist bei Töfffahrern eine beliebte Strecke. Da die Passstrasse gewunden ist, finden viele Gefallen am Hoch- und runterschalten der Gänge. Das wiederum produziert Lärm, den die Anwohner nicht länger dulden. Vor Jahren wurden desshalb über 1000 Unterschriften gesammelt im Namen der Petition «Lärm am Stoss». Nun tut sich etwas. Kantonsrat Meinrad Gschwend (GrüneI hat mit zwei weiteren Politikern einen Vorstoss bei der Regierung eingereicht. Gefordert werden sogenannte Lärmradargeräte. Bei übermässigem Motorenlärm würden diese, wie bei einem Geschwindigkeitsblitzer, ein Foto machen. Darauf folge dann eine Busse. Die Geräte seien laut der ETH Lausanne noch in der Entwicklung und würden in rund vier Jahren einsatzbereit sein. Auch der Kantonspolizei St. Gallen ist die Problematik bekannt. Es würden auch regelmässig Routinekontrollen durchgeführt werden, jedoch sei dies nur ein Tropfen auf den heissen Stein, wie der Mediensprecher der Kapo SG berichtet. Ein Pilotprojekt in Solothurn könnte für eine Zwischenlösung sorgen. Dort wurde ein Messgerät installiert, dass den Fahrern anzeigt, ob der Lärmpegel angemessen sei. Grundsätzlich ist es nur ein Verkehrszähler ausgestattet mit einer Schallpegelmessung. Wenn der Pegel zu hoch sei steht «leiser»... ...wenn man mit einer angemessenen Lautstärke fährt, steht «danke». Ob die Alternative jedoch den gewünschten Erfolg auf der Stossstrasse bringen würde, bezweifelt Gschwend. Zur Sensibilisierung sei es sicherlich von Nutzen. Jedoch die, die mit Absicht laut fahren, würde erst ein Griff ins Portmonnaie eines Besseren belehren.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Stossstrasse von Altstätten SG in Richtung Gais AR ist eine kurvige Strecke. Aus diesem Grund ist sie bei schönem Wetter bei Töff- und Autofahrern ein beliebtes Ziel. Unschöner Nebeneffekt: Die Anwohner müssen oft übermässigen Motorenlärm ertragen. Das lassen sie aber nicht auf sich sitzen. Vor einigen Jahren sammelte die Interessengemeinschaft «AnStoss» über 1000 Unterschriften, um sich mit einer Petition bei der Regierung Gehör zu verschaffen. Darauf wurden Plakatkampagnen umgesetzt und die Polizei führte vermehrt Kontrollen durch.

Umfrage
Nerven Sie sich auch über Motorenlärm?

Dieses Jahr kam die Lärmsituation am Stoss und anderen Passstrassen wieder auf das politische Parket. Der Altstätter Kantonsrat Meinrad Gschwend (Grüne) hat mit Guido Etterlin (SP, Rorschach) und Ruedi Blumer (SP, Gossau) einen Vorstoss bei der Regierung eingereicht, der die Beschaffung von Schallradargeräten fordert.

Busse für Lärmfahrer

Diese Geräte sollen ähnlich wie Geschwindigkeitsblitzer funktionieren, nur dass es den Lärmpegel misst statt die Geschwindigkeit und bei einem Verstoss gegen die vorgegebene Lautstärke eine Meldung macht. Fehlbaren Lenkern sollen dann mit einer Busse bestraft werden.

Wie der «Rheintaler» schreibt, gibt es bislang noch kein derartiges Gerät. Die ETH Lausanne bestätige jedoch, dass die Entwicklung in den kommenden vier Jahren möglich sei.

Die St. Galler Regierung zeigt Interesse. Man prüfe die Anschaffung der Lärmblitzer, so die Antwort der Regierung auf die Interpelation. Vom Bund müsse aber vorgängig eine gesetzliche Grundlage geschaffen werden.


Hier sehen sie die kurvige Strecke. (Video: Youtube)

Solothurn macht Lärmprävention

In Solothurn wurde vor kurzem ein ähnliches Gerät in Betrieb genommen. Wie «Schweiz aktuell» berichtet, funktioniert die Messung ähnlich wie bei Verkehrszählungen, ausser dass zusätzlich eine Schallpegelmessung hinzu kommt. «Ziel dieses Projektes ist die Sensibilisierung, so dass der Fahrer sich bewusst wird, dass er mit seinen Lärmemissionen andere stören kann», sagt Sascha Grunder, Umweltexperte des TCS zu SRF. Misst das Gerät in Solothurn zu viel Lärm, erscheint auf einer Tafel für die Autofahrer in roter Schrift die Meldung «Leiser!». Bussen gibts in Solothurn nicht.

«Der Griff ins Portemonnaie ist der einzige Weg»

Wäre ein Gerät wie in Solothurn auch eine Lösung für das Lärmproblem am Stoss? Kantonsrat Meinrad Gschwend ist diesbezüglich unschlüssig. «Als ersten Schritt kann ich mir das gut vorstellen, aber Fahrer, die es bewusst darauf abgesehen haben, den Motor heulen zu lassen, wird das wohl kaum stoppen», sagt Gschwend. Er werde dieser Idee nachgehen. «Leider ist ein Griff ins Portemonnaie der einzige Weg, damit die Unverbesserlichen es lernen.»

Denn der Lärm störe nicht nur Anwohner am Stoss, er breite sich bei lauten Motoren im ganzen Tal aus. «Es ist eine Schweinerei, wenn man mit Absicht Lärm macht.»

Adrenalin als Antrieb

Die Kantonspolizei St. Gallen ist mit der Problematik der beliebten Strecke vertraut. «Die Fahrer suchen das Adrenalin. Es ist weder die Geschwindigkeit, noch die Stärke der Maschine ausschlaggebend für den Lärm», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen. Problem sei der Mensch auf der Maschine. «Das unnötige hoch- und runterschalten der Gänge verursacht den Krach.» Man habe bereits mit präventiv Massnahmen, wie Plakaten oder Gesprächen versucht die Fahrer zu sensibilisieren. «Das ist aber alles nur ein Tropfen auf den heissen Stein», so Krüsi. Denn wenn die Polizei vor Ort sei, halten sich urplötzlich alle an die Geschwindigkeit und Lärmbegrenzung. Dass die Strecke in Motorradbücher erwähnt wird, locke zusätzliche Fahrer an den Stoss.

(maw)