Ultimatum

29. Januar 2015 13:34; Akt: 29.01.2015 14:33 Print

«Die Kesb will, dass ich mein Baby abstille»

Eine 37-jährige Mutter muss bis am 1. März ihr zehn Monate altes Baby abgestillt haben. Das verlangt zumindest die Kesb Linth.

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Im März soll das Kind der Frau abgestillt werden. (Bild: Colourbox.de)

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«Im Moment braucht mein Baby die Brust noch, das spüre ich», sagt Pia Gmür* gegenüber den «Obersee Nachrichten». Damit der Vater die gemeinsame Tochter jeweils am Wochende zu sich ins Bündnerland nehmen kann, hat die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Linth der 37-jährigen Mutter ein zweimonatiges Ultimatum zum Abstillen gestellt.

Alles begann kurz nachdem sich das Paar kennengelernt hatte: Gmür wurde schwanger. Als die gemeinsame Tochter am 7. März 2014 zur Welt kam, zogen sie und ihr Freund in eine gemeinsame Wohnung in Benken SG. Doch bereits nach wenigen Monaten trennte sich das Paar nach einem heftigen Streit.

Die 37-Jährige zog mit ihrer Tochter zu einer Freundin nach Uetikon ZH. Ihr Freund zog wieder ins Bündnerland. Seither ringen sie mit der Kesb Linth um das Besuchsrecht des Vaters.

Mutter soll in zwei Monaten abstillen

Schliesslich verfügte die Kesb nach langem Hin und Her am 16. Dezember, dass der Vater das zehnmonatige Baby ab sofort jeden Sonntag von 10 bis 19 Uhr zu sich holen kann. Da die insgesamt vierstündige Zugfahrt für das Baby zu stressig sei, dürfe der Vater seine Tochter ab dem 1. März bereits schon am Samstagnachmittag holen und somit über Nacht bei sich behalten.

Da Gmür ihr Baby weiterhin abends und nachts stillt, hat sie jetzt noch rund zwei Monate Zeit, um das Stillen abzusetzen. «Ich weiss doch nicht, ob ich dann bereit bin, abzustillen», so Gmür.

Kesb ignoriert eigenen Abklärungsbericht

Dennoch erachtet die Kesb Linth das Ultimatum zum Abstillen als unproblematisch. In der Verfügung verweist sie darauf, dass das Baby bereits auch feste Nahrung zu sich nehme, und hält fest: «Das Stillen in der Nacht wird von der Mütterberatungsstelle ab rund sechs Monaten, spätestens wenn das Kind Zähne hat, nicht mehr empfohlen.»

Die Kesb übergeht damit einen sechsseitigen Abklärungsbericht, den sie selber beim Regionalen Beratungszentrum Uznach in Auftrag gegeben hat. Dieser rät zu einem eingeschränkten Besuchsrecht für den Vater. Zudem solle das Kind erst ab viereinhalb Jahren beim Vater übernachten dürfen. Die Verfasserin stützt sich auch auf die Meinung einer Psychologin des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes St. Gallen. Doch die Kesb will davon nichts wissen: «Diese Regelung widerspricht den neuen Vorstellungen der gemeinsamen elterlichen Sorge», begründet die Behörde.

*Name geändert

(qll)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • eine liebende Mutter am 29.01.2015 13:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das geht nun zu weit!

    Ich frag mich langsam, was die KESB noch alles so "bestimmen" will. Ob und wie lange eine Mutter ihr BABY stillen möchte, geht niemanden ausser sie was an. Wenn man nicht grad bis 3-4Jahren ein Baby stillen will, wie in den USA teilweise, ist das doch alles nur zum Wohle des Kindes. Was erlaubt sich denn die KESB noch alles? Ist es nicht langsam genug? Das geht nun defititiv zu weit.

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  • Antonio Giovenni am 29.01.2015 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn das so ist

    wird es Zeit der KESB mal auf die Finger zu hauen. Was soll das ganze? Was hat das mit Schutz usw. zu tun. das ist für mich Arrogante Behörden Willkür. Denen geht es einfach zu gut, mit zu viel Macht. Zum Glück ist Macht vergänglich.

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  • ein Mann am 29.01.2015 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    gegen Mutter = gegen Kind

    Meiner Meinung nach gibt es zu viele Väter, die Entscheidungen treffen, um Extra die Mutter zu schädigen. Dabei währe doch sinfoll, Entscheidungen für das Wohl des Kindes zu treffen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • lena am 30.01.2015 19:26 Report Diesen Beitrag melden

    Absoluter Skandal!

    Die Rechte und Interessen des Kindes werden mit Füssen getreten!

  • Kleinhans am 30.01.2015 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    KESB ohne Verantwortung

    das ist KESB live - fern jeder Realität eben! So was sollte bestraft werden

  • Claudia Dolfi am 30.01.2015 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Stillen und Vater-Besuche

    Was soll der Quatsch, als ob es nur entweder oder gäbe. Es kann nicht angehen mit dem Vorwand des Stillens den Umgang des Vaters zu verhindern, der ist mindestens so wichtig wie das Stillen. Es gibt durchaus auch Möglichkeiten, ab und zu den Schoppen zu geben und abzupumpen und ansonsten weiterzustillen. Berufstätige Mütter, oder solche, die sich mal einen kinderlosen Abend gönnen möchten, tun das auch. Natürlich sollte die Mutter das Kind auf den Schoppen vorbereiten und nicht gleichzeitig mit der ersten Vater-Übernachtung.

    • Selber Mami am 30.01.2015 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Einfach nur eine AUSRED

      Ganz genau, ich sehe es auch eher so dass die Mutter das Stillen als Vorwand benutzt damit sie ihr Kind dem Vater vorenthalten kann. Ich finde das eine Frechheit, zudem es verschiedene Möglichkeiten gibt es anders zu lösen wie abpumpen oder Schoppennahrung. Mit 12 Monaten kann man ruhig mal aufhören zu stillen!!!

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  • bap am 30.01.2015 14:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es geht um mehr als nur ums stillen!!!

    ein kind hat nicht nur das recht, gestillt zu werden, sondern aucb auf eine gute bindung/ regelmässigen kontakt zu beiden elternteilen. ich wage mal zu behaupten, dass es für ein kind einschneidender ist, in den ersten jahren kaum beziehung zum kind zu haben, als dass es ab dem 10. monat nur noch 6 von sieben nächten gestillt wird.

  • Lucrezia Schorta am 30.01.2015 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    KESB will das ich abstille

    Unglaublich! Die KESB soll sich einmal informieren was die WHO empfiehlt betreffend dem Stillen. "Ungefähr 6 Monate ausschliesslich zu stillen und dann unter Einführung einer angemessenen Beikost weiterzustillen bis zu 2 Jahren oder solange wie Mutter und Kind es möchten". Mir scheint das die KESB keine Ahnung hat was für Vorteile die Muttermilch und das Stillen hat....... Der Mutter und ihrem Kind wünsche ich alles Gute.