Humanitärer Einsatz

19. August 2019 04:48; Akt: 19.08.2019 04:48 Print

«Die Zerstörung ist apokalyptisch»

Die Aramaic Relief Hilfsorganisation ist von ihrem humanitären Einsatz in Syrien zurück. Der Flawiler Arsel Thuma (41) spricht über seine Eindrücke.

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Erst vor einer Woche ist das 4-köpfige Team der Aramaic Relief Hilfsorganisation von einem humanitären Einsatz in Syrien zurückgekehrt. Es besuchte während zwei Wochen Homs, Aleppo und Latakia. Das Team führte dort diverse Lagebeurteilungen durch, begutachtete laufende Projekte und koordinierte weitere Hilfs- und Entwicklungsprojekte für Kriegsopfer. «Viele Gebiete sind inzwischen befreit, doch die Spuren des Krieges sind allgegenwärtig, die Zerstörung ist apokalyptisch», so Arsel Thuma, Botschafter der Aramaic Relief. Die Schwerpunkte des Einsatzes waren die Eröffnung eines Trauma-Heilungszentrums in Aleppo und die Eröffnung eines Bildungszentrums in Latakia. Des weiteren realisierte das Team ein Waisenkinder-Projekt... ... und lancierte ein neues «Hilfe zur Selbsthilfe» - Programm für den Aufbau von 50 Kleinunternehmen in Homs und Aleppo. «Wir haben uns mit den Betroffenen an einen Tisch gesetzt und gemeinsam Lösungen ausgearbeitet», so Thuma. Die Opfer des Krieges hätten Vorstellungen und Ideen, wie sie ihre Heimat und die Wirtschaft wider aufbauen wollen, jedoch würden ihnen die finanziellen Mittel dafür fehlen. «Mich begeistert, dass die Leute trotz den Missständen vor Ort sehr zuvorkommend waren.» Traurig hingegen: «Man hat uns oft gesagt, dass wir die einzige Hilfe seien, die sie überhaupt bekommen», sagt der Flawiler. Für das Team eine traurige Tatsache, denn es scheine, die Welt habe die zerstörten Gebiete vergessen, würden Leute vor Ort denken, so Thuma. «Ganze Häuserblocks sind zerbombt und die Armut konnte man überall spürbar miterleben.» Für den 41-Jährigen war das ein Schockmoment, denn aus dem wohlbehüteten Leben der Schweiz in ein derart zerstörtes Gebiet zu kommen öffne einem die Augen. «Man lernt zu schätzen, was man hat und es nicht als selbstverständlich wahrzunehmen, dass wir in der Schweiz diesen Komfort geniessen dürfen.» Trümmer in Syrien. Die Zerstörung ist riesig. Die persönliche Motivation für Hilfseinsätze sei mit der Zeit gewachsen... «Ich wollte mithelfen, am Anfang mit Spenden.. ... aber jetzt, nach meinem ersten Einsatz, ist für mich klar, dass ich bei weiteren Einsätzen dabei sein werde.»

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Erst vor einer Woche ist das 4-köpfige Team der Aramaic Relief Hilfsorganisation von einem humanitären Einsatz in Syrien zurückgekehrt. Es besuchte während zwei Wochen Homs, Aleppo und Latakia. Das Team führte dort diverse Lagebeurteilungen durch, begutachtete laufende Projekte und koordinierte weitere Hilfs- und Entwicklungsprojekte für Kriegsopfer. «Viele Gebiete sind inzwischen befreit, doch die Spuren des Krieges sind allgegenwärtig, die Zerstörung ist apokalyptisch», so Arsel Thuma, Botschafter der Aramaic Relief.

Die Schwerpunkte des Einsatzes der Aramaic Relief waren die Eröffnung eines Trauma-Heilungszentrums in Aleppo und die Eröffnung eines Bildungszentrums in Latakia. Zudem realisierte das Team ein Waisenkinder-Projekt und lancierte ein neues «Hilfe zur Selbsthilfe» - Programm für den Aufbau von 50 Kleinunternehmen in Homs und Aleppo. «Wir haben uns mit den Betroffenen an einen Tisch gesetzt und gemeinsam Lösungen ausgearbeitet», so Thuma weiter. Die Opfer des Krieges hätten Vorstellungen und Ideen, wie sie ihre Heimat und die Wirtschaft wider aufbauen wollen, jedoch würden ihnen die finanziellen Mittel dafür fehlen.

«Ganze Häuserblocks sind zerbombt»

«Mich begeistert, dass die Leute trotz den Missständen vor Ort sehr zuvorkommend waren.» Traurig hingegen: «Man hat uns oft gesagt, dass wir die einzige Hilfe seien, die sie überhaupt bekommen», sagt der Flawiler. Für das Team eine traurige Tatsache, denn es scheine für Leute vor Ort, die Welt habe die zerstörten Gebiete vergessen. «Ganze Häuserblocks sind zerbombt und die Armut konnte man überall spürbar miterleben.» Für den 41-Jährigen war das ein Schockmoment, denn aus dem wohlbehüteten Leben der Schweiz in ein derart zerstörtes Gebiet zu kommen öffne einem die Augen. «Man lernt zu schätzen, was man hat und es nicht als selbstverständlich wahrzunehmen, dass wir in der Schweiz diesen Komfort geniessen dürfen.»

Die Aramaic Relief spricht über ihren humanitären Einsatz. (Video: Aramaic Relief)

Arsel Thuma weiss, wovon er spricht. Er ist zwar in Flawil aufgewachsen, es hätte aber auch anders sein können. «Ich kam im Alter von acht Monaten in die Schweiz. Wir sind Aramäer und unser Volk hat kein eigenes Land.» Die Familie sei Syrisch Orthodox. Seine Eltern lebten als religiöse Minderheit in der Südtürkei und hätten sich dann für ein sicheres Leben in der Schweiz entschieden.

Die persönliche Motivation für Hilfseinsätze ist mit der Zeit gewachsen, erklärt Thuma: «Ich wollte mithelfen, am Anfang mit Spenden, aber jetzt, nach meinem ersten Einsatz ist für mich klar, dass ich bei weiteren Einsätzen dabei sein werde», so Thuma weiter.

(maw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marion Plau am 19.08.2019 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Syrer selbst müssen helfen

    Es sollen vor allem sich Syrer zurückgehen und das eigene Land wieder aufbauen, gerne mit Unterstützung.

  • pepe am 19.08.2019 07:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die Kriegsverantwortlichen

    Hier müssen diejenigen welche die Kriege anzetteln zur Verantwortung gezogen werden und alles wieder aufbauen. Sicher nicht das Ausland wo diesen Spinnern die Arbeit abnimmt und mit Geld weitere Kriege unterstützt.

  • John deller am 19.08.2019 08:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganze Wahrheit

    "Viele Gebiete wurden (von den ausländischen Söldnern) befreit..." durch Assad und der syrischen Armee. Die religiösen Minderheiten (auch Christen) standen unter seinem Schutz, bis die Halsabschneider kamen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Shogun am 19.08.2019 10:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wacht auf

    Es ist einfach nur traurig, zu sehen, für was wir Menschen fähig sind. Ich bewundere den Mut, von allen, die uns das Elend trauen, zu zeigen.

  • Marion Plau am 19.08.2019 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Syrer selbst müssen helfen

    Es sollen vor allem sich Syrer zurückgehen und das eigene Land wieder aufbauen, gerne mit Unterstützung.

  • ervin am 19.08.2019 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    heuchler

    so etwas finde ich heuchlerisch. was glaubt ihr eigentlich wo ihr hingeht?? in ein land mit blumen und bienchen?? es ist ein kriegsgebiet oder wisst ihr nicht was das ist?. krieg bringt in uns menschen immer die aller schlimmsten seiten zum vorschein daran wird sich nie etwas ändern. jetzt zu erzählen wie schlimm es war einfach nur heuchlerisch

  • Damorand am 19.08.2019 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lachendes und Weinendes Auge

    Echt wunderbar welchen Mut solche Menschen an den Tag legen, sich dem Elend zu stellen. Doch ist es Traurig, dass gerade einer der Hauptgründe, welcher entscheidend Teil am Leid hat, selbst nach dem Krieg als erster zurück gekehrt ist: Korruption. Oft sind es die Machthabenden "Aufbauer" welche unmengen der Spenden in die eigenen Taschen fliessen lassen.

  • John deller am 19.08.2019 08:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganze Wahrheit

    "Viele Gebiete wurden (von den ausländischen Söldnern) befreit..." durch Assad und der syrischen Armee. Die religiösen Minderheiten (auch Christen) standen unter seinem Schutz, bis die Halsabschneider kamen.