15'000 Volt

03. Januar 2016 16:15; Akt: 04.01.2016 10:48 Print

«Die meisten Kontakte mit Leitungen enden tödlich»

Ein 24-Jähriger kletterte am Neujahrstag in St. Gallen auf eine Zugskomposition. Er kam mit der Stromleitung in Kontakt, erlitt einen Stromschlag und stürzte aus vier Meter Höhe auf die Gleise.

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Am Freitag (01.01.2015) kletterte ein Mann beim Güterbahnhof St.Gallen auf einen Zug und erlitt einen Stromschlag. (Bild: Stadtpolizei St. Gallen)

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«Der 24-Jährige wurde laut unserem letzten Kenntnisstand mittel bis schwer verletzt», so Alexander Hanselmann, Sprecher der St. Galler Stadtpolizei, gegenüber 20 Minuten. «Er hatte Verbrennungen am Fussgelenk und an den Händen sowie Verletzungen vom Sturz aus vier Metern Höhe.» Der Schweizer wurde von der Unfallstelle im St.Galler Güterbahnhofareal ins Kantonsspital St. Gallen transportiert.

Eine Passantin hatte am Freitag um 8.15 Uhr beobachtet, wie der junge Mann auf eine abgestellte Thurbo-Zugskomposition kletterte. Dabei kam er mit der Fahrleitung in Kontakt, erlitt einen Stromschlag und stürzte auf die Gleise.Weshalb der Mann auf die Zugskomposition kletterte und wie es zum Unfall kommen konnte, wird durch die Stadtpolizei St.Gallen abgeklärt.

Alleine aufgefunden

Die Polizei traf den 24-Jährigen gemäss ihren Angaben alleine an. «Falls er mit Kollegen unterwegs war, hatten sich diese aus dem Staub gemacht. Die Zeugin hat jedoch keine Personen beobachtet», so Hanselmann. Eine Befragung des Schweizers und ein Alkoholtest waren bislang wegen seiner Verletzungen nicht möglich.

Das Unglück bleibt mysteriös. Einerseits, weil der 24-jährige alleine aufgefunden wurde, andererseits wegen des Alters des Opfers: Meist seien es Jugendliche, die auf Züge klettern, so der Polizeisprecher.

In Buchs starb im April 2012 ein damals 24-jähriger, nach dem er auf einen abgestellten Güterwagen kletterte und von einem Stromschlag erfasst wurde. Doch nicht alle Fälle enden tödlich. Glück im Unglück hatte im Februar 2014 ein damals 27-jähriger St. Galler, der seiner Begleiterin beim Bahnhof St. Fiden zeigen wollte, wie man auf einer SBB-Fahrleitung balanciert. Der stark betrunkene Mann berührte mit dem Fuss das Tragseil der Fahrleitung – der Stromschlag war so stark, dass sein Bein in Brand geriet.

70 Mal stärker als Strom aus der Steckdose

«Wir machen regelmässig darauf aufmerksam, dass Kontakt mit Fahrleitungen absolut tödlich enden können. Wer mit Kollegen unterwegs ist, die auf Bahnwagons klettern wollen, muss diese unbedingt davon abhalten», so SBB-Sprecher Stephan Wehrle. Es reiche schon, wenn man nur in die Nähe der Leitungen kommt, in welchen die Spannung 15'000 Volt beträgt. Durch die hohe Spannung könne man auch so einen verheerenden Stromschlag abbekommen.

Die Folgen sind schrecklich. «Die meisten Kontakte mit Fahrleitungen enden tödlich», so Wehrle. Wer trotzdem überlebt, erleidet schwere Verbrennungen, meistens dritten Grades. Das bedeutet meist flächendeckende Verbrennungen. «Wir können nur eindringlich davor warnen, stehende Züge und Wagen zu besteigen. Durch die Leitungen fliesst Tag und Nacht Strom. Und dieser ist rund 70 Mal stärker als der Strom aus der Steckdose.»

Wieso es immer wieder zu Unfällen kommt, sei schwer zu sagen. Meist passierten die Unglücke am Wochenende und oft seien Alkohol oder Drogen im Spiel. «Dann sind die jungen Leute euphorisiert und möchten den Helden spielen. Mit verheerenden Folgen», so Wehrle.

(jeb)