St. Gallen

14. November 2019 04:52; Akt: 17.11.2019 12:10 Print

«Diese Ungerechtigkeit macht mich sauer»

Der Eiszauber im Kreuzbleiche-Park in St. Gallen wird gleich von mehreren Seiten heftig kritisiert. Der Veranstalter blockt ab.

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Ostschweizer Gastronomen sind verärgert. Grund dafür ist der Eiszauber. Oder besser gesagt die Organisatoren des Winteranlasses in St. Gallen. Zum zweiten Mal organisiert die Mediengruppe CH Media den Eiszauber mit Eisbahn, Eisfeld und einem Alp-Chalet im Kreuzbleiche-Park.

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CH Media besitzt in der Ostschweiz das «Tagblatt», TVO und FM1. Dort läuft auch Werbung für den Anlass, der nächste Woche beginnt. Ein St. Galler Gastro-Unternehmer findet deutliche Worte: «Das ist einfach nicht fair. Die Spiesse sind nicht gleich lang.» Er beklagt, das Medium nütze seine Möglichkeiten aus, um den eigenen Event zu promoten. «Wenn ich so einen Anlass organisieren möchte, hätte ich keine Chance. Die Werbekosten wären viel zu hoch. Diese Ungerechtigkeit macht mich sauer.»

Konkurrenz für Gastronomen

Zudem gibt es beim Eiszauber auch Verpflegung. Es dürfe nicht sein, dass das Medienunternehmen die grosse Werbetrommel rühren und so den Gastronomen in der Innenstadt während zwei Monaten potenzielle Gäste abjagen könne, so der Unternehmer. Er selbst hat inzwischen reagiert. Seit letztem Jahr schaltet der Unternehmer keine Werbung mehr bei CH Media.

Pro und Contra

Er ist überzeugt, kein anderer Kollege aus der Branche könnte in diesem Rahmen Werbung machen wie das Medienunternehmen selbst. Regelmässig kommt in verschiedenen Medien Werbung. Diese ist nicht ganz günstig. Wie eine Auflistung des «Tagblatts» zeigt, kostet eine halbe Seite farbige Werbung 12'900 Franken pro Tag.

Laut dem Gastro-Unternehmer ist der Eiszauber Gesprächsthema in der Branche. Das bestätigt auch Gian Bazzi, der Präsident des Gewerbeverbandes der Stadt St. Gallen. Er sagt: «Unsere Mitglieder haben sich zum Teil beklagt. Etwa, dass durch den Eiszauber die Anbieter in der Innenstadt Einbussen erleiden.» Auch über den Organisator sei diskutiert worden. Gleichzeitig erinnert Bazzi daran: «Der Anlass bringt Leute nach St. Gallen. Davon können alle profitieren.» Bei der ersten Austragung wurden alleine 30'000 aktive Schlittschuhläufer verzeichnet.

Organisator schiesst zurück

Der Organisator versteht die Kritik der Gastronomen nicht. André Moesch, Leiter Events bei CH Media, sagt: «Klar nutzen wir unsere Möglichkeiten, um den Anlass zu promoten. Und ja, wir machen relativ viel Werbung für den Eiszauber.» Es habe Gespräche gegeben mit Vertretern aus der Gastronomie-Branche für eine Zusammenarbeit. Das Interesse hielt sich laut Moesch in Grenzen.

Jede Branche habe ihre Vorteile, meint er weiter. «Wenn ein Gastro-Unternehmer den Anlass durchführen würde, dann wäre er uns gegenüber bei Themen wie Gastropersonal, Einkauf oder Logistik klar im Vorteil. So gleicht sich alles aus.»

Lärm im Quartier

Doch nicht nur Gastronomen sind sauer. Fredi Spieler, der Präsident des Quartiervereins St. Otmar, sagt: «Der Lärm besonders beim Auf- und Abbau belastet das Quartier.» Am schlimmsten sei aber, dass letztes Jahr teilweise Gehwege versperrt gewesen seien. Der Organisator hätte in Gesprächen gesagt, dieses Jahr passiere das nicht mehr.

Auch über den St. Galler Stadtmelder äussern Leute ihre Bedenken. In einem Eintrag heisst es, es sei ärgerlich, dass die Wege selbst für Fussgänger nicht mehr zugänglich seien. Zudem beklagt sich die Person, dass der beliebte Platz während Monaten besetzt ist durch «Kommerz, Licht- und Umweltverschmutzung sowie Lärmbelästigungen». Abschliessend hofft er, dass der Anlass nächstes Jahr nicht mehr stattfindet, zumindest nicht an diesem Ort.

(mig)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martino am 14.11.2019 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    St. Gallen kleinkariert wie Luzern ?

    Es gibt doch überall so viele kleinkarierte Leute. Die sollen doch froh sein in St Gallen dass einmal etwas läuft !

  • Steff am 14.11.2019 06:56 Report Diesen Beitrag melden

    Mimimimi?

    Sorry, aber wo genau ist das Problem? Neid? Missgunst? Warum soll man nicht im eigenen Medium für eigene Anlässe werben dürfen? Diesen zu organisieren und durchzuführen ist schliesslich auch mit sehr viel Aufwand verbunden. Aber Hauptsache sich über alles und jeden zu beschweren, nur weil man selbst nicht genug Saft hat. Man könnte fast meinen die St.Galler wollen alle jeden Tag nur noch aufs Eis und die arme Gastro in der Innenstadt hat über Monate leere Tische wegen dem bösen, bösen Eiszauber...

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  • Kaffeetrinkerin am 14.11.2019 06:49 Report Diesen Beitrag melden

    Finde den Eiszauber wunderschön

    Ich verstehe das Gejammer nicht. Auch in meinem Umfeld haben alle Freude am Eiszauber. Lärm für Anwohner? Es hat keine Anwohner, es ist ein Park mit Turnhalle und Berufsschule. Ich finde es schade, schätzt man solche Anlässe nicht mehr. Gerade in SG, wo nicht viel läuft, ist es wunderschön den Eiszauber zu haben. Auch die Besucherzahlen vom letzten Jahr bestätigen es.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bello am 14.11.2019 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Zurück in die Ecke

    Ich kenne keinen einzigen Gastronomen, der nicht jammert und mit dem Finger auf andere zeigt. Selber aber Ideen haben und diese umsetzen - fehl am Platz. Die Jahre, wo man nur abkassieren konnte, sind für Gastronomen vorbei. Wenn ich für ein Mineral CHF 5.00 bezahlen muss und die Preise nur nach oben zeigen, erwarte ich auch etwas Phantasie seitens der Gastronomen. Konkurrenz schaltet zum Glück einige Unternehmen aus, die nur absahnen aber nicht investieren wollen. Der Markt funktioniert zum Glück.

  • Schmetterding am 14.11.2019 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Mir fehlen die Worte

    Die Welt wird immer irrer. Ich glaube, diese Gastronomen haben ein ganz anderes Manko, als den Eiszauber.

  • Nomnom am 14.11.2019 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Unmöglich

    Viele können sich einfach nocht in andere hineinversetzen.

  • Malek s. am 14.11.2019 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ökologischer Stumpfsinn

    Eiszauber an dieser Stelle geht gar nicht. Letztes Jahr ist so viel kaputt gegangen das die Kinder vom Quartier ihren geliebten Sportplatz, auch nach Abbruch des Eiszauber, mehrere Monate nicht benutzen könnten. Ökologischer Blözinn noch dazu. Kühlflüssigkeit ist ausgelaufen man sah den Schaden den ganzen Sommer auf der Wiese. Dieses Jahr heisser es werde Ökostrom benutzt, auch den könnte man Sinnvoller verwenden.

  • Bruno Stark am 14.11.2019 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Chance statt Mötzlete?

    In der Stadt läuft schon seit mehreren Monaten/Jahren nichts mehr. Da freut man sich auf ein Event, wo man wieder Menschen draussen sieht und sozialen Kontakt knüpfen könnte - prompt kommen wieder irgendwelche Gegner, wo alles schlecht reden müssen. seid doch ehrlich zu euch selber - es läuft sowieso nichts in dieser Region, da ist ein Eiszauber vielleicht auch eine Chance für Euch ;)