Tödlicher Töffunfall

11. Juli 2019 04:49; Akt: 11.07.2019 07:11 Print

«Du bist so gestorben, wie du gelebt hast»

Am Sonntag ist ein 25-jähriger Töfffahrer in Waldstatt AR tödlich verunglückt. Nun sprechen seine Angehörigen über den tragischen Unfall.

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«Ich habe ihn knapp 45 Minuten vor dem Unfall noch gesehen. Es ist immer noch so unwirklich», sagt Marcio Teixeira am Mittwoch zu 20 Minuten. Vergangenen Sonntag wurde sein Kollege Ratheepan Ravindran bei einem Unfall in Waldstatt AR tödlich verletzt.

Nach ersten Erkenntnissen der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden, überholte er auf der Hundwilertobelbrücke mindestens ein Fahrzeug. Dabei verlor er die Kontrolle über seinen Töff und prallte in einer Kurve gegen die Leitplanke. Durch den Aufprall zog er sich schwerste Verletzungen zu. Wie die Kapo AR mitteilte, verstarb er noch an der Unfallstelle.

Bei Verwandten und Bekannten sitzt der Schock tief: «Wir wollten eigentlich in zwei Wochen nach Frankreich in die Ferien fahren. Doch nun habe ich nicht nur meinen Bruder, sondern auch meinen Kollegen verloren», sagt Bruder Pratheepan Ravindran.

Er selbst habe erst durch einen Anruf seiner Mutter von dem tragischen Unglück erfahren. Da ihn seine Mutter sonst nie spät am Abend anrufe, habe er sofort gemerkt, dass etwas nicht stimmte: «Sie hat am Telefon schrecklich geweint und geschrien.» Ein Polizist, der im Hause seiner Mutter war, habe ihm daraufhin von dem Töffunfall erzählt.

Facebook-Gruppe für verstorbenen Kolleg

Sofort fuhr Pratheepan nach Herisau: «Bis ich dort war, hatte ich die Hoffnung, dass ich ihn wieder sehen würde. Die ganze Zeit dachte ich, dass er vielleicht nur mit einem gebrochenen Arm oder Bein im Spital wäre.» Doch die Realität sah leider anders aus. Die Polizisten teilten ihm mit, dass sein Bruder noch an der Unfallstelle verstorben sei. «Sie sagten, dass er nicht eine Minute leiden musste.» Er sei «sofort eingeschlafen», so der Bruder. «Und so sieht er auch jetzt aus. Wie als würde er schlafen. Sogar mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.»

Um dem Verstorbenen zu gedenken, gründete Teixeira eine Facebook-Gruppe. In dieser bereiten sich Angehörige und Freunde unter anderem auf die bevorstehende Beerdigung vor. «Glücklicherweise bist du so gestorben, wie du gelebt hast – glücklich», so sein Bruder.

Zudem werden in der Gruppe Erinnerungen, Bilder und Beileidsbekundung gepostet. Teil dieser Gruppe ist auch Fabio Fernandes. Er ist der erste Freund, den der Verstorbene in der Schweiz fand. «Wir haben uns damals im Deutschkurs kennengelernt. Da wir nicht die selbe Sprache sprachen, versuchten wir uns zunächst mit Händen und Füssen zu unterhalten», erinnert sich Fernandes traurig.

Die Beerdigung findet am Donnerstag, 11.07.2019, um 10 Uhr in der Friedhofskapelle in Herisau statt.

(juu)