Gerissene Schafe

16. Januar 2020 17:43; Akt: 16.01.2020 17:43 Print

«Ein bedrohter Wolf greift auch Menschen an»

In Thundorf TG hat ein Wolf mehrere Schafe gerissen. Die Behörden warnen: Solche Ereignisse können sich in Zukunft häufen.

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Ein Wolf hat in Thundorf bei Frauenfeld zwei Schafe gerissen und zwei verletzt. Ein weiteres Schaf ist unauffindbar. Die Wölfe nähern sich immer mehr der Zivilisation. In letzter Zeit häuften sich die Meldungen über Wölfe. In der Nacht auf den 1. Januar ist bei Bonaduz GR eine Wöflin von einem Zug erfasst und getötet worden. Ebenfalls im Kanton Graubünden wurde im Februar 2019 bei Flims ein Wolf von einem Auto angefahren und tödlich verletzt. Im Juni 2019 wurde ein Wolf auf dem Julierpass von einem Auto erfasst. Das verletzte Tier musste von einem Wildhüter erschossen werden. Im Dezember 2019 ist einem Wolf in Tamins der Rückreise-Verkehr aus den Skigebieten zum Verhängnis worden. Erst letzte Woche wurde im Skigebiet Obersaxen Mundaun ein Wolf auf der Piste gesichtet. Bekannt in der Umgebung ist vor allem das Calanda-Wolfsrudel. Die Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung glaubt, dass in Zukunft Wölfe immer häufiger auch in ihrem Kanton anzutreffen sind. Amtsleiter Roman Kistler sagt, das hänge mit den vermehrten Wolfsrudeln in der Schweiz zusammen, wie beispielsweise dem Calanda-Rudel. Wenn es mehr Rudel gibt, gibt es auch mehr Jungtiere. Diese bleiben zuerst beim Rudel, doch später ziehen sie weiter... ...und suchen sich ihr eigenes Revier. Dass ein Wolf im Kanton Thurgau heimisch wird, glaubt Kistler aber nicht. Die Wölfe werden wohl nur kurzzeitig durch den Kanton streifen Eine Gefahr für den Mensch seien die Tiere grundsätzlich nicht. Angreifen würden sie nur bei Tollwut. Doch für andere Tiere sind Wölfe teils eine Gefahr.

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Am Dienstag wurden auf einem Hof am Rande von Thundorf bei Frauenfeld zwei Schafe gerissen, zwei weitere wurden verletzt und ein Schaf ist seither unauffindbar. «Ich bin in den Stall gegangen und habe ein totes Tier gesehen», sagt der Bruder des betroffenen Bauern. Man sei zuerst von einem natürlichen Tod ausgegangen und habe nicht an einen Wolf gedacht. Erst später, als man die gesamte Herde genauer anschaute, habe man gemerkt, dass die Schafe von einem Wolf angegriffen worden seien.

«Gerade noch am Nachmittag, bevor ich in den Stall ging, habe ich mit einem Kollegen darüber gesprochen, dass es in der Region einen Wolf geben soll», erzählt der der Mann. «Ich habe aber nicht daran geglaubt.» Für das noch vermisste Schaf hat er kaum Hoffnung. «Das hat der Wolf mitgenommen», ist er überzeugt. Erstaunt ist der Mann darüber, dass der Wolf offenbar in den Stall gekommen ist. «Das zeigt mir, dass es nie eine Garantie gibt für die Sicherheit der Tiere.»

Sorgen bei der Bevölkerung

In der Bevölkerung macht sich nach dem Vorfall eine gewisse Unsicherheit breit. Eine Frau, die von einem Landwirt davon erfahren hat, sagt: «Das muss ein grausames Gemetzel gewesen sein.» Sie habe selbst zwei Hunde und passe nun auf den Spaziergängen im Wald besser auf. Gott sei dank habe sie bisher noch nie einen Wolf gesehen.

Sorgen macht ihr vor allem der Aufenthaltsort des Wolfes. «Diese Tiere kommen der Zivilisation immer näher. Das ist beunruhigend.»

Mehr Rudel – mehr Wölfe

Im Kanton Thurgau wurde 2017 nach über 200 Jahren Abwesenheit erstmals wieder ein Wolf nachgewiesen. Der aktuelle ist nun die dritte Präsenz. Roman Kistler, Amtsleiter der Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung, sagt: «Wir rechnen in Zukunft mit mehr Wölfen in unserem Kanton. Wahrscheinlich werden sie aber jeweils nur kurz hier durch die Gegend streifen.»

Die Annahme basiert darauf, dass es in der Schweiz immer mehr Wolfsrudel gibt. Folglich gibt es auch mehr Jungtiere, die nach gut zwei Jahren das Rudel verlassen und sich einen eigenen Platz suchen. Es würde ihn aber überraschen, wenn ein Wolf im Kanton Thurgau heimisch würde, sagt Kistler.

Nicht in Raum einengen

«Eine Gefahr ist der Wolf für den Menschen grundsätzlich nicht», sagt Kistler. Das habe die Historie gezeigt. Wölfe würden Menschen fast nur angreifen, wenn sie Tollwut hätten. Eine Ausnahme gibt es aber. Kistler sagt: «Ein bedrohter Wolf greift auch Menschen an. Oder besser gesagt, er wehrt sich. Dies passiert, wenn Wölfe in die Enge getrieben werden.»

Woher der aktuelle Wolf im Kanton Thurgau stammt, ist bisher nicht bekannt. Die Behörden haben eine DNA-Probe genommen und analysieren diese nun.

(mig)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cùchulainn am 16.01.2020 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verhältnisfrage

    Ein bedrohter Wolf greift auch mal Menschen an und ein betrunkener Autofahrer überfährt Menschen auch schon mal.

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  • Raphi93 am 16.01.2020 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Angstmacherei

    Solange der Mensch die Existenz anderer Tierarten abwertet und ein Miteinander für nicht möglich hält, sehe keine Lösungen für die Umwelt-und Naturprobleme.

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  • baba am 16.01.2020 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    wie alle tiere

    Er denkt es sei ein Wolf gewesen, hat er die Schafe untersuchen lassen? Es kann genau so gut ein grosser Hund gewesen sein, was auch erklären würde wieso er sich in den Stall gewagt hat. Und übrigens, jedes Tier was bedroht ist greift an, deshalb gibts so viele Unfälle mit Kühen auf den Wanderwegen/Weiden, aber das nimmt man ja einfach hin. Ein Wolf der irgendwann vielleicht mal einen Menschen angreiffen könnte, wird aber sofort als Bedrohung angeschaut und soll verschwinden?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • blup am 16.01.2020 20:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    blup

    An alle Pseudowissenschaftler, einfach mal tote durch wölfe googeln, wiki zeigt auf, dass Raubtier Raubtier ist. Und nur weil wir vergessen haben wie es ist draussen in der Natur zu sein. Werden Raubtiere nicht aufhören Raubtiere zu sein:) Gibt einen guten Grund warum sie erbarmungslos lokal ausgerottet wurden :) Ansonsten wünsche ich den unverbesserlichen eine Naherfafung mit ihren Lieblingen lol

  • Stefan am 16.01.2020 20:53 Report Diesen Beitrag melden

    Wolfsbegegnung

    Ich bin im letzen April bei Gluringen im Goms auf einem Waldweg einem Wolf begegnet. Von Scheu war da nichts zu merken. Das Tier kreuzte ca 20m vor uns den Weg, er blieb ca 15 sek. stehen und betrachtete uns. Man sah im an, dass er uns musterte und keine Angst hatte ( Nahrung oder Gefahr) nach dem zusammenschlagen unserer Wanderstöcke entschied er sich weiter zu zoten. Ein mulmiges Gefühl, da in der Gegend zu der Zeit auch noch ein Bär war.

  • Uschle am 16.01.2020 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wolf

    Ich habe noch nie gehört, dass ein Wolf in der Schweiz angegriffen hat, oder weiss irgendjemand etwas davon? Darum glaube ich nicht dass der Wolf ein Mensch angreift, sind doch eigentlich scheue Tiere ausser sie sind Verletzt oder Krank.

  • Jasper T. am 16.01.2020 20:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wer bedroht denn schon Wölfe?

    Wer kommt denn auf die Idee auf einen Wolf loszugehen? Derjenige ist selbst schuld, wenn der Wolf angreift! Das würden wohl auch viele Hunde!

  • Peter am 16.01.2020 19:59 Report Diesen Beitrag melden

    Titel?

    Da habt Ihr aber wieder einen reisserischen Titel gewählt, welche nur Wasser auf die Mühlen der Vorurteile sind. Wäre wirklich nicht nötig. Jedes Tier und auch der Mensch wehren sich, wenn sie in die Enge getrieben werden. Wenn immer möglich wählen Wölfe die Flucht!