St.Galler KV-Schule

18. Dezember 2008 23:09; Akt: 19.12.2008 12:29 Print

«Eine Frau, ein absoluter Einzelfall»

von Sascha Schmid - Hermann Blöchlinger, Direktor des Schulpsychologischen Dienstes des Kantons St.Gallen, hält die Reaktion der Polizei auf den Amokalarm für richtig. Dass es sich um eine Frau handelt, erstaunt ihn.

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Wie schätzen Sie die Reaktion der Polizei ein, die Schule zu evakuieren?
Hermann Blöchlinger: Ich denke, die Polizei hat richtig gehandelt. Weil die Frau im Vorfeld Drohungen gegen Mitschülerinnen ausgestos­sen hatte und eine Waffe im Spiel war, musste man von ­einer realen Bedrohung ausgehen.

Was halten Sie von der Tatsache, dass es sich um eine Frau handelte?
Das ist das Besondere an diesem Fall. Pro Jahr haben wir rund vier bis fünf Jugendliche, die Amok-Gedanken mit sich tragen. Bis jetzt war darunter aber noch nie eine Frau. Dies ist ein absoluter Einzelfall.

Die Frau hatte offenbar leicht Zugang zu einer ­Waffe.
So sieht es aus. Ich staune immer wieder, wie leicht Jugendliche zu Waffen kommen. Viele Leute haben Waffen zu Hause, aus welchen Gründen auch immer. Das ist fahrlässig. Eine Waffe im Haushalt ist immer eine ­Gefahr.

Wie lassen sich Amokläufe verhindern?
Man muss aufmerksam sein. Oft tragen Jugendliche solche Gedanken sehr lange mit sich herum. In dieser Zeit senden sie meist Warnsignale aus. Zum Beispiel reden sie mit Kollegen über ihre Absichten. In diesem Fall haben die Schulkameradinnen sehr gut reagiert und die Schule informiert. Auch die Reaktion des Vaters, der gemeldet hatte, dass die Waffe verschwunden war, finde ich richtig und auch mutig.