Spenden für Abdankung

26. September 2018 17:49; Akt: 26.09.2018 17:49 Print

Familie will nicht von Unfalltod profitieren

Um sich angemessen von der verstorbenen R. S. verabschieden zu können, sammelte ihre Familie Geld. Bereits zwei Tage später ist die Summe beisammen.

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«Wir haben es geschafft», sagt T. R.*, die Freundin des Bruders der verstorbenen R. S.*, am Mittwoch zu 20 Minuten. Über 7000 Franken sind in den vergangenen zwei Tagen von Facebook-Usern gespendet worden. «Es ist überwältigend, wie viel uns geholfen wurde», so T. R.

Deshalb bittet die Familie die Facebook-Gemeinde, kein Geld mehr zu überweisen: «Wir wollen nicht von dem Ereignis profitieren», sagt die 27-Jährige. Die Kosten für die Bestattung seien gedeckt und so bestehe kein Grund mehr, weiter Geld entgegenzunehmen, so R.

Überschüssiges Geld würde gespendet

Sollte nach der Begleichung aller Rechnungen, die in Zusammenhang mit dem Unfalltod von R. S. anfallen, Geld übrig bleiben, werde dieses gespendet: «Aus familiären Gründen würden wir die Krebsliga berücksichtigen.»

Die Familie habe zu keinem Zeitpunkt mit einem solchen Ergebnis gerechnet. T. R. ist gerührt: «Es ist immer noch soviel Menschlichkeit vorhanden. Herzlichen Dank allen Spendern.»

Familie muss vorauszahlen

Leser von 20 Minuten fragten sich, ob die Familie nicht von Behörden oder Versicherungen Unterstützung hätte erwarten können. Laut Elisabeth Rietmann, Geschäftsführerin der Opferhilfe Thurgau, ist es unbedingt empfehlenswert, sich an ihre Stelle zu wenden. «Wir bieten psychologische und juristische Unterstützung für Betroffene an», so Rietmann. Bis finanzielle Hilfe erfolgt, könne es allerdings dauern. Rietmann: «Bei uns gibt es keinen Vorschuss.» Sobald aber die Schuldfrage geklärt sei, könne man über finanzielle Unterstützung reden.

Auch seitens der Stiftung RoadCross Schweiz, die selbst eine Beratungsstelle für Opfer und Angehörige von Unfällen betreibt, wird empfohlen, sich schnellstmöglich Hilfe zu suchen: «Werden wir bei so einem Fall kontaktiert, vermitteln wir beispielsweise einen spezialisierten Anwalt. Die juristische Hilfe ist dabei über das Opferhilfegesetz gedeckt», sagt Stefan Krähenbühl, Mediensprecher von RoadCross Schweiz. Auch er bestätigt, dass die Haftpflicht erst greife, wenn die Schuldfrage weitestgehend geklärt wäre. «Je mehr Klärungsbedarf besteht, umso länger zieht sich die Zahlung hin», so Krähenbühl.

*Namen der Redaktion bekannt

(juu)