Standesinitiative

01. Juni 2018 05:55; Akt: 01.06.2018 06:52 Print

«Es kann nicht sein, dass Mord verjährt»

Der Kristallhöhlenmord von 1982 ist inzwischen verjährt. Der Mörder zweier Mädchen wird nie belangt. Ein Politiker will nun gegen die Verjährung von Schwerstverbrechen vorgehen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Dieser Fall ist noch bei so vielen Menschen präsent, vor allem im Rheintal. Und er wird auch nicht vergessen», sagt der St. Galler SVP-Kantonsrat Mike Egger (25). Gemeint ist der Doppelmord 1982 bei der Kristallhöhle bei Oberriet SG (siehe Box). Egger selbst stammt aus dem St. Galler Rheintal, auch er diskutiere noch oft über den tragischen Tod der beiden Mädchen und bedauert, dass die Morde nie aufgeklärt wurden. Inzwischen ist die Tat verjährt.

Gemäss Artikel 97 StGB verjährt die Strafverfolgung bei Straftaten nach 30 Jahren, wenn die für die Tat angedrohte Höchststrafe lebenslänglich ist. Bei einer Freiheitsstrafe von mehr als drei Jahren nach 15 Jahren und bei einer Freiheitsstrafe von drei Jahren nach 10 Jahren. Sieben Jahre sind es, wenn die Tat mit einer anderen Strafe bedroht ist. Nicht verjähren in der Schweiz können sexuelle Handlungen mit Kindern unter 12 Jahren, Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und qualifizierte terroristische Handlungen. In den Nachbarländern Deutschland und Österreich verjährt Mord nicht.

Für Egger ist klar: «Es kann auch nicht sein, dass Mord verjährt.» So wie er sehen es auch viele 20-Minuten-Leser. Wenn über den Kristallhöhlenmord berichtet wird, heisst es in den Kommentaren etwa: «Mord darf doch nicht verjähren! Manchmal sind wir Schweizer schon rückständig» oder «Ein neues Gesetz über die Verjährung muss dringend her». Bei einer Umfrage hatten sich rund 6000 Personen beteiligt – für 94 Prozent ist klar, dass Mord nicht verjähren darf.

So berichtete «Aktenzeichen XY ungelöst» am 8.7.1983 über den Fall:

Geplante Standesinitiative

Deshalb reicht Egger nun in der Junisession 2018 im St. Galler Kantonsrat ein Standesbegehren für die Abschaffung von Verjährungsfristen bei Schwerstverbrechen ein. «Mit der Entwicklung von DNA-Analysen stehen den Ermittlungs- und Fahndungsbehörden technische Möglichkeiten zur Aufklärung von Straftaten zur Verfügung, die teilweise zu spektakulären Fahndungserfolgen geführt haben», so Egger. Das könne man doch nicht ausser Acht lassen. Denn so liessen sich lange nach der Straftat Beweise erbringen, die zur Überführung von Tätern führen könnten.

Zudem entwickle sich die Technik auch immer weiter. Er fordert deshalb, dass das Strafgesetzbuch an die zeitgemässen Gegebenheiten angepasst werden müsse. «Das würde auch das Vertrauen der Bevölkerung in die Justiz fördern», ist sich der Politiker sicher.

Motion gescheitert

Es ist nicht der erste Versuch eines Politikers in jüngster Zeit, die Verjährungsfristen im Schweizer Strafgesetzbuch zu ändern. Der Zürcher SVP-Nationalrat Alfred Heer hat bereits eine entsprechende Motion eingereicht, die in der Herbstsession 2017 behandelt wurde. Auch er verwies damals auf neuere wissenschaftliche Methoden, die eine Aufklärung eines Verbrechens auch nach vielen Jahren möglich macht.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga hielt es damals für fraglich, dass mit der Abschaffung der Verjährungsfristen tatsächlich mehr Fälle aufgeklärt würden, und sprach sich im Namen des Bundesrates für die Ablehnung der Motion aus. Für die Annahme der Motion sprachen sich schliesslich 67 Parlamentarier aus, 117 stimmten dagegen. Enthaltungen gab es keine.

(taw)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus K. am 01.06.2018 07:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja

    Verjährung von Mord sollte es nicht geben.

    einklappen einklappen
  • Mike am 01.06.2018 06:59 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Verjährt

    Wieso müssen überhaupt irgendwelche Strafen verjähren?!

    einklappen einklappen
  • Rheintaler am 01.06.2018 07:01 Report Diesen Beitrag melden

    Völlig übertrieben!

    Mord sollte nicht verjähren, da geh ich mit Egger recht. Aber dieser Bericht, vonwegen er ist aus dem Rheintal und er diskutiert noch oft über den Tod der Mädchen ist einfach nur übertrieben. Egger war noch nicht mal geboren zu der Zeit. Ich bin auch aus dem Rheintal und war sogar schon auf der Welt als dies geschah, trotzdem ist er mir nicht in Erinnerung und ich diskutiere auch nicht darüber, da ich das Ganze als Kind nicht wirklich mitbekommen habe. Also bleibt bei der Wahrheit!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gritte am 28.06.2018 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gegen das Rechtsempfinden

    Ob nach 20 Jahren ein Mord noch aufgeklärt werden kann weiss ich nicht, aber ich finde es geht auch ums Prinzip. Es geht gegen mein Rechtsempfinden, dass ein Mord nach 20 Jahren nichts schlimmes mehr sein soll und eifach vergesen wird. Die Eltern werden es nie vergessen können, und ich finde es pietätlos den Täter nach 20 Jahren sozusagen frei zu sprechen.

  • Gemobbter am 06.06.2018 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bundesverwaltung aufräumen..

    Das Gesetz muss für alle gleich sein! Verjährung ist Steinzeitlich bei den heutigen Forensiker. Morde können nun viel länger nachgewiesen werden. Das Gesetz zur Verjährung hat man gemacht, weil es erwiesen ist, dass Zeugen mit der Zeit vergessen. Heute braucht es keine Zeugen mehr und somit ist das Gesetz anzupassen. Ganz wichtig finde ich, dass der Zugang zum Rechtssystem nicht nur Reichen offen stehen darf! Die heutige Regelung ist unbefriedigend und verstösst gegen die Verfassung. Ich selbst setze mein Recht nicht mehr durch wegen den Kosten und der Willkür wie man das Gesetz interpretiert.

  • Volldubel am 06.06.2018 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesetz anpassen

    Ich bin gegen Verjährung wenn jemand körperlich zu Schaden kommt! Der Schaden bleibt meistens auch Lebenslänglich. Die Immunität von Regierungsmitglieder muss auch geändert werden. Es kann nicht sein, dass jemand ein ganzes Volk verhetzen kann oder betrügen kann ohne Folgen. Genauso sollen alle Finanzen von Regierungsmitglieder offen gelegt werden. Vorher kommt das Geld und für was wird es ausgegeben. Drogentests und Alkoholtests sollten auch bei Regierungsmitglieder wie Staatsangestellten gemacht werden.

  • Thomas Benz am 05.06.2018 22:05 Report Diesen Beitrag melden

    Zuversichtlich

    Der Fall wird bestimmt dieses Jahr moralisch aufgeklärt werden. Es wird alles zum Vorschein kommen.

  • Binja am 04.06.2018 08:52 Report Diesen Beitrag melden

    Erst nach 80 Jahren oder mehr

    Ein Mord kann nur dann verjähren, wenn zu erwarten ist, dass der Täter (oder Täterin) nicht mehr am Leben sein kann. Nach 80 Jahren oder mehr muss man davon ausgehen, niemanden mehr verurteilen zu können. Aber das ist nicht Verjährung im klassischen Sinne.