Unwetter im Rheintal

21. August 2019 17:13; Akt: 21.08.2019 17:45 Print

«Es sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen»

Am Mittwoch hatte die Feuerwehr im Rheintal immer noch alle Hände voll zu tun. Ein Augenschein vor Ort zeigte das Ausmass der Fluten.

Bildstrecke im Grossformat »
Kurz vor 23 Uhr am Dienstagabend klingelte das Telefon der Feuerwehr Grabs zum ersten Mal. Über zwölf Stunden später war die Feuerwehr noch immer im Einsatz. Die Feuerwehr setzte auch grosse Wasserpumpen ein. Sie pumpte bis am Mittag unzählige Keller aus. Gesamthaft hatte die Feuerwehr über zwei Dutzend Einsätze bis am Mittag. Die Gründe für die vielen gefluteten Keller sieht Daniel Koller, Kommandant der Grabser Feuerwehr, vor allem im Wetti-Bach. «Der Bach ist extrem schnell und extrem hoch angestiegen.» Zudem seien Abläufe wie etwa die Kanalisationen schnell überfüllt gewesen. Man könne den Wasserstand jetzt noch anhand der umgeknickten Grashalme sehen. Die Feuerwehr stand wegen den Regenfällen vor mehreren Herausforderungen. Koller erklärt: «Wir mussten ständig überlegen, wann wir mehr Leute brauchen und wann wir die Gefahrenstufe erhöhen müssen. Zum Glück bekamen wir Unterstützung von dem Zivildienst.» Hier sieht man, wie der Eingang eines Velokellers vollgelaufen ist. Mit vereinten Kräften wird gearbeitet. Auch den Hobbyraum von Tanja Keinath haben die Wassermengen erwischt. «Es sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen», so Keinath. In ihrem Keller lagert und verarbeitet sie hochwertige Materialien zu Schmuck und Kerzen. Viele Produkte wurden arg beschädigigt und sind nicht mehr brauchbar. So auch die 50-jährigen Wachsmotive. «Diese Motive sind unbezahlbar, denn man kann sie nirgends mehr kaufen», so die Besitzerin des Kerzenbunkers. Der Ablauf der Waschküche sprudelte und der Keller füllte sich vor zu mit Wasser. «Ich hatte am Abend keine Chance, in meinen Hobbykeller zu gehen, da ich nicht wusste wie hoch das Wasser steht und ob giftige Substanzen ausgelaufen sind.»

Zum Thema
Fehler gesehen?

Kurz vor 23 Uhr am Dienstagabend klingelte das Telefon der Feuerwehr Grabs SG zum ersten Mal. Über zwölf Stunden später war die Feuerwehr noch immer im Einsatz. Sie pumpte bis am Mittag Keller aus. Gesamthaft hatte die Feuerwehr über zwei Dutzend Einsätze innert zwölf Stunden. Feuerwehrkommandant Daniel Koller sagt: «Das sind aussergewöhnlich viele Fälle in so kurzer Zeit. Die Keller hatten bis zu 40 Zentimeter Wasser.» Alleine von seiner Feuerwehr seien rund 50 Leute im Einsatz gewesen.

Der Kommandant der Feuerwehr Grabs spricht über die Einsätze. (Video: maw)

Vom Wasser überrascht

Auch den Hobbyraum von Tanja Keinath haben die Wassermengen erwischt. «Es sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen», so Keinath. In ihrem Keller lagert und verarbeitet sie hochwertige Materialien zu Schmuck und Kerzen. Durch die Fluten wurden viele Produkte zerstört und sind nun unbrauchbar. So auch die 50-jährigen Wachsmotive. «Diese Motive sind unbezahlbar, denn man kann sie nirgends mehr kaufen», so die Besitzerin des Kerzenbunkers. Sie schätzt den Schaden auf mehrere tausend Franken.

Das Hochwasser hat Keinath überrascht. Sie schildert: «Der Ablauf der Waschküche sprudelte über und der Keller füllte sich plötzlich mit Wasser.» Sie habe keine Chance gehabt, in den Hobbykeller zu gehen, da sie nicht wusste, wie hoch das Wasser stand und ob giftige Substanzen ausgelaufen waren.

Nicht geschlafen

Wie ein weiterer Anwohner berichtet, habe es ihn dieses Mal besonders stark getroffen. «Es ist ein ewiges Elend», so E.D.* Von Mal zu Mal würde es schlimmer werden. «Im Keller und in der Garage hat es mir beinahe alles zerstört.» Der Rentner war nach dem Unwetter, das am Dienstagabend begann, stundenlang mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Am nächsten Morgen sagte er: «Um 22 Uhr ist mir der steigende Wasserpegel aufgefallen. Seit da habe ich noch kein Auge zu getan. Das ist jetzt schon über zwölf Stunden her.»

Die Gründe für die vielen gefluteten Keller in Grabs und der Nachbarsgemeinde Buchs sieht der Feuerwehrkommandant vor allem im Wetti-Bach. «Der Bach ist extrem schnell und extrem hoch angestiegen.» Zudem seien Abläufe wie etwa die Kanalisationen schnell überfüllt gewesen.

Die Feuerwehr stand wegen der Regenfälle vor mehreren Herausforderungen. Koller erklärt: «Wir mussten ständig überlegen, wann wir mehr Leute brauchen und wann wir die Gefahrenstufe erhöhen müssen. Zum Glück bekamen wir Unterstützung vom Zivilschutz.» So richtig durchatmen konnte der Kommandant wohl aber erst viel später, nachdem auch der letzte Keller trocken war.

*Name ist der Redaktion bekannt

(mig/maw)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Konrad Schläpfer am 21.08.2019 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    Gerade auch im Rheintal......

    Gerade auch im Rheintal wird alles verbaut, das Wasser kann nicht mehr versickern und wird von den Dächern und Vorplätzen in die Bäche abgeleitet. Und da wundert man sich wenn die Bäche schnell anschwellen und überlaufen.

    einklappen einklappen
  • Architekt am 21.08.2019 17:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die schuldigen sind die gemeinden

    warum werden immer wieder bauzonen an exponierten orten gemacht von den gemeinden?

    einklappen einklappen
  • Danke am 21.08.2019 17:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Danke für die tolle Arbeit an alle Einsatzkräfte.

Die neusten Leser-Kommentare

  • KEIN FREMDSPRACHIGER FÖTZEL am 24.08.2019 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alles am Rhein ist Rheintal

    Grabs gehört nicht zum Reintal. Das Rhiintel fängt für uns Rhinthaler in der Au an, geht bis nach Altstätten, Rüthi und der Kern des Rheintales ist Widnau, Diepoldsau, Kriessern, Montlingen und Oberriet.

    • Heinerle am 25.08.2019 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @KEIN FREMDSPRACHIGER FÖTZEL

      Und der Rhein entspringt demnach in Au. Sonst noch gute Ideen Die Insulaner halb Österreicher usw.

    einklappen einklappen
  • John Rambo am 22.08.2019 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Bevölkerungsschutz

    Ich möchte mal hinterfragen, weshalb hier der Zivilschutz zum Einsatz kam? Es handelt sich hier um ein Ereignis, welcher durch das Erst Einsatzelement der Feuerwehren zu bewältigen ist. Die umliegenden Feuerwehren waren personell und materiell als Nachbarhilfe nicht aus-geschöpft. Aus diesem Grund sollte der ZS erst in der zweiten/dritten Staffel in Einsatz kommen, um einen lang andauernden Einsatz zu bewältigen.

    • Einsatz MA am 22.08.2019 11:23 Report Diesen Beitrag melden

      Schleuse öffnen

      Wäre die Schleuse offen gewesen am Tobelbach für die Trennung, wäre nichts passiert am Wettibach! Danke EWB Stadt Buchs dass sich niemand Zuständig fühlt! Danke an die FW! Sinnloses eintreffen ZS in Grabs...

    • Silence am 22.08.2019 11:35 Report Diesen Beitrag melden

      @Einsatz MA

      Danke auch der Einsatzkräfte der FW....... Der Einsatz des ZS ist wirklich fraglich!

    einklappen einklappen
  • M.G. am 22.08.2019 00:30 Report Diesen Beitrag melden

    Zauberwort Renaturierung

    Legt an den Oberläufen mit Poldern die Überflutungsgebiete wieder an die vor Jahrzehnten zwecks Gewinnung von Ackerland trockengelegt wurden. Früher hatte jeder Fluss seine Auwälder in denen sich die zusätzlichen Wassermassen ausbreiten konnten. Dann muss man sich nur noch mit den Bauern über eine Entschädigung einigen deren Ackerflächen bei Bedarf temporär geflutet werden. Hat früher, als wir noch am Mittelrhein in D wohnten am Schluss funktioniert. Seither stand das Wasser nie mehr in unserer Wohnung.

  • Nachbarn am 21.08.2019 21:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur so gefragt

    Weshalb müssen wertvolle, unersetzliche und heikle Sachen immer in den Keller? Wenn was absäuft dann doch zuerst dort

    • Schwarze katze am 27.08.2019 19:43 Report Diesen Beitrag melden

      Nachbarn

      Weil nicht jeder einen Estrich hat

    einklappen einklappen
  • steven am 21.08.2019 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen

    Die Menschheit hatts bis heute nichts begriffen...dass die Natur stärker ist, dass ist nicht das letztemal, hört endlich mal auf alles zu betonieren und bäche zu begradigen...aber eben die hochstudierten wissens besser...man siehts jeden tag!!!