Delfintod im Connyland

29. Januar 2012 12:04; Akt: 29.01.2012 16:16 Print

«Es wirkt, als würde etwas verheimlicht»

Connyland-Besitzer Roby Gasser zweifelt die Untersuchung der Todesursache seiner Delfine an. «Ich bin stinksauer», sagt er in einem Interview.

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Schocknachricht aus dem Connyland in Lipperswil: Der achtjährige Delfin Angel ist am 3. November 2013 gestorben. Mit ihm sind seit 2008 neun Delfine gestorben. Im Jahr 2007 war Angel getauft worden - von der Musicstar-Siegerin Fabienne Louves. Das mittlerweile achtjährige Delfinmännchen hätte nach Jamaika umgesiedelt werden sollen. Am Dienstag, 8. November 2011, ist im Freizeitpark Connyland das achtjährige Delfinmännchen Shadow verendet. Mit Shadow sind seit 2008 sieben Delfine im Connyland gestorben. ProWal und Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) kritisieren darauf das Veterinäramt. Dieses habe eine Technoparty vom 29. Oktober nicht verboten. Diese sei Schuld am Tod des Delfins. Der Kantonstierarzt widerspricht: Die Technomusik sei im Delfinarium kaum zu hören gewesen. Ausserdem sei nur der Tod des jungen Shadow aussergewöhnlich. Zwei der früher gestorbenen Delfine seien 27 und 28 Jahre alt geworden, die anderen seien Babys gewesen. Die Todesursache von Shadow wird noch untersucht. Die Tierschutzorganisationen bezeichnen das Connyland hingegen als Todestrakt. Sechs Tage nach Shadow stirbt am 14. November 2011 ein weiterer Delfin im Connyland. Der Verdacht wird laut, beide Tiere könnte vergiftet worden sein. Doch die Staatsanwaltschaft Thurgau teilte am 05. Juli 2013 mit, dass die Delfine an einer Hirschädigung gestorben sind. Dies durch die Überdorsierung von Medikamenten. Laut Tierschutzorganisationen ist artgerechte Haltung nicht möglich. Ein Becken könne nie die Standards eines Meeres bieten. Delfinarien verunmöglichten ein natürliches Sozial- und Jagdverhalten.

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Nach dem Tod von Shadow und Chelmers will der Thurgauer Kantonstierarzt Paul Witzig Connyland genau unter die Lupe nehmen. Experten werden in einem neuen und umfassenden Gutachten untersuchen, ob die Haltung im thurgauischen Delfinarium akzeptabel sei. Weiter sollen sie auch die grundsätzliche Frage beantworten, ob in der Schweiz überhaupt eine artgerechte Delfinhaltung möglich ist, schreibt die «NZZ am Sonntag».

Wann die Fachleute ihre Arbeit aufnehmen und wie lange die Untersuchung dauert, wollte Witzig noch nicht sagen. Er sei aber bereits im Kontakt mit den Experten. Ermuntert worden zu einem Gutachten war der Kantonstierarzt nicht zuletzt vom Chef des Bundesamts für Veterinärwesen. «Einer Überprüfung des Connylands durch Spezialisten steht nichts im Weg», so Hans Wyss. Er betonte allerdings gleichzeitig, dass es nach bisherigen Informationen keinen Grund gebe, den Freizeitpark zu schliessen.

Roby Gasser greift Tierschützer an

Connyland-Besitzer Roby Gasser sieht der Ankündigung ganz offensichtlich locker entgegen. «Wenn wir so viel falsch machen würden, wie die Tierschützer behaupten», so Gasser in einem Interview mit «Der Sonntag», «hätte man uns schon längst geschlossen.» Er ist «stinksauer» auf die Tierschützer, wie er betonte. «Sie sind an allem schuld. Sie haben die Leute gegen das Connyland aufgehetzt.»

Gasser und die Connyland-Verantwortlichen sind weiterhin überzeugt, dass die Delfine vergiftet wurden. «Antibiotika hat noch niemanden umgebracht», sagt Gasser. Es könne doch etwas nicht stimmen, wenn sie die Untersuchungsunterlagen nicht einsehen könnten. «Es wirkt auf mich, wie wenn etwas verheimlicht würde.» Auf die Frage, wer die Delfine denn vergiftet habe, antwortete Gasser: «Es gibt so viele Idioten auf dieser Welt.» Eine neue, unabhängige Instanz müsse nun ermitteln, nicht mehr die Thurgauer Staatsanwaltschaft. «Ich hoffe, die Wahrheit kommt an den Tag.»

An Aufgeben denken die Verantwortlichen von Connyland jedenfalls nicht: «Ja, natürlich», sagte Roby Gasser, sie würden auf jeden Fall weitermachen. Geschäftsführer Erich Brandenberger widersprach zudem in der «NZZ am Sonntag» den Berichten, das Delfinarium könnte die Show künftig nur mit den drei verbleibenden Tieren fortsetzen. Es sei offen, sagte Brandenberger, ob neue Delfine importiert würden. Noch fehlt allerdings das Einverständnis des kantonalen Tierarztes. Paul Witzig hat den Import neuer Delfine vorerst abgelehnt.