Thurgau

08. August 2018 10:17; Akt: 08.08.2018 10:17 Print

«Fahrer war um 6 Uhr mit 1,2 Promille unterwegs»

Die Schwerverkehrs-Spezialisten der Kapo Thurgau nehmen die grossen «Brummis» genau unter die Lupe. Bei fast jedem vierten muss etwas beanstandet werden.

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Grundsätzlich kann Ruedi Künzler, Dienstzweigchef Schwerverkehr bei der Kantonspolizei Thurgau, den Lastwagenfahrern auf den Thurgauer Strassen ein gutes Zeugnis ausstellen. Trotzdem bekommen es er und seine Kontrolleure ab und zu mit Situationen zu tun, bei denen es auch den langjährigen Spezialisten kalt den Rücken hinunterläuft. «Ich erinnere mich beispielsweise an einen Tiertransporter-Fahrer, der eines morgens um 6 Uhr mit 1,2 Promille am Steuer war», sagt Künzler. «Oder an einen Chauffeur, der seine Ladung mit komplett ausgefransten Spanngurten gesichert hatte.»

Risiko für andere Verkehrsteilnehmer

Es liegt auf der Hand, dass bis zu 40 Tonnen schwere Fahrzeuge mit defekten Bremsen oder ungenügend gesicherter Ladung eine Gefahr darstellen – ebenso wie Chauffeure, die nicht fahrfähig hinter dem Steuer sitzen. Das Ziel und die Aufgabe des achtköpfigen Teams von Künzler ist es, möglichst viele solcher Gefahrenquellen aus dem Verkehr zu ziehen, heisst es am Dienstag in einer Medienmitteilung.

«Grundlage für diese verstärkten Kontrollen ist eine Leistungsvereinbarung mit dem Bund» erklärt Marcel Rupper, Dienstchef Taktische Verkehrsdienste der Kapo. «Dieser entschädigt uns zu einem grossen Teil finanziell für diese Arbeit.»

Über 5000 Fahrzeuge überprüft

Die Kontrollen finden auf dem ganzen Kantonsgebiet zu unterschiedlichen Zeiten statt. Nach Möglichkeit werden aber die eigenen und teils speziell eingerichteten Kontrollplätze benutzt. Diese befinden sich auf Rastplätzen entlang der Autobahn A7, beim Strassenverkehrsamt in Amriswil, an der Hauptstrasse in Altnau und in der Gemeinschaftszollanlage in Kreuzlingen.

Im vergangenen Jahr wurden 5436 Fahrzeuge kontrolliert, daraus resultierten 856 Strafanzeigen und 418 Ordnungsbussen. Das entspricht einer Beanstandungsquote von 23%. Anders gesagt: Bei fast jedem vierten kontrollierten Fahrzeug oder Chauffeur war etwas nicht in Ordnung. Dass diese Zahl derart hoch ist, dürfte nicht zuletzt mit dem geschulten Auge und der Erfahrung der Schwerverkehrs-Kontrolleure zusammenhängen, die oft richtig einschätzen können, welche Fahrzeuge genauer unter die Lupe genommen werden müssen.

Umfangreiche Abklärungen in kurzer Zeit

Die Prüfung läuft gemäss Ruedi Künzler immer gleich ab. «Nebst den Führer-, Fahrzeug- und Ladepapieren wird auch der Zustand des Fahrers beurteilt. Wir achten dabei beispielsweise auf Anzeichen einer möglichen Fahrunfähigkeit. Die technischen Kontrollen umfassen eine Auswertung der Fahrtschreiberdaten bezüglich Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten, die Kontrolle des Fahrzeugzustands und Überprüfung der Ladungssicherung sowie der Masse und Gewichte.» Je nach Fahrzeug können weitere Kontrollpunkte dazu kommen.

In der Regel können Chauffeure, bei denen alles in Ordnung ist, nach 10 bis 20 Minuten mit einer Kontrollbescheinigung wieder auf die Strasse. Ist etwas nicht in Ordnung oder muss ein Fahrzeug sogar vor Ort stillgelegt werden, kann es länger dauern. Künzler: «Die Lastwagen dürfen erst weiterfahren, wenn Mensch und Maschine strassentauglich sind. Es gab beispielsweise einmal einen Lastwagen, der zwei Wochen lang stehenbleiben musste, bis die rumänischen Mechaniker vor Ort waren und die Mängel behoben hatten.»

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