400 Bewerbungen – kein Job

15. Februar 2020 14:25; Akt: 15.02.2020 14:25 Print

«Freue mich über alle Angebote»

Andreas Bartholdi (50) sucht seit Jahren eine Arbeit. Trotz Dutzenden Bewerbungsschreiben ist er arbeitslos. Nun gibt es Hoffnungsschimmer.

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Andreas Bartholdi sucht seit dreieinhalb Jahren eine Arbeit. Auch nach über 400 Bewerbungen bleibt er erfolglos. Der 50-Jährige hofft nun mit dem Gang an die Öffentlichkeit eine Stelle zu finden. Mit diesem Schild stand Rico Sperber (57) am Montag, 27. Januar, und Dienstag, 28. Januar 2020, jeweils vier bis fünf Stunden an der Landstrasse in Laufenburg AG. Er erhofft sich durch die Aktion eine Festanstellung zu bekommen. In den letzten Jahren hatte Sperber immer wieder temporäre Arbeitsstellen. In seinem Alter eine Festanstellung zu finden sei sehr schwer. «Jahrelang nur temporäre Stellen zu haben, kostet viel Kraft, da man in ständiger Unsicherheit lebt», so Sperber. Einer Frau fiel die Aktion positiv auf. Sie fotografierte Sperber und brachte das Bild über Facebook in Umlauf. «Seitdem kann ich mich vor Anrufen kaum mehr retten», freut sich Sperber gegenüber 20 Minuten. Jeweils nachdem er seine Frau zu ihrer Arbeitsstelle in Laufenburg AG gefahren hatte, stellte sich Sperber in Fahrtrichtung Basel an den Strassenrand und verteilte seinen Lebenslauf. Bereits im Oktober 2019 sorgte die Stellensuche für eine Frau mit Behinderung für Frust. Trotz gefühlt 1000 Bewerbungen hat sie noch keinen neuen Job gefunden. (Symbolbild) Beim Verband Procap sind die Schwierigkeiten bei der Jobsuche für Menschen mit einer Behinderung bekannt. Unterstützung bietet auch die IV. Sie übernimmt gewisse Kosten bei der Einarbeitung. (Symbolbild) Die Stiftung Profil unterstützt Menschen mit einer Behinderung bei der Jobsuche direkt und persönlich. Dafür sind jeweils ausführliche Abklärungen nötig, was die Person kann und was nicht. (Symbolbild) Kurz zuvor wurde der Fall von Jürg Brechbühl bekannt, der invalide ist. Die ETH Zürich muss dem Studenten, dem sie die Zulassung verweigern wollte, 10'000 Franken Entschädigung bezahlen und ihn zum Studium zulassen. Das hat die Beschwerdekommission entschieden. Die Hochschule hatte argumentiert, wegen seiner verminderten Studierfähigkeit dauere sein Studium zu lange. Anfangs Oktober 2019 suchte auch Kurt Rolli am Strassenrand einen Job. «Es brauchte Überwindung, aber mit der Zeit wird es einfacher, mit dem Schild an der Strasse zu stehen», sagte der damals 59-Jährige gegenüber Tele M1. Er war damals zwei Jahren arbeitslos. Seine Anstellung verlor er, weil der Arbeitgeber den Betrieb neu organisierte. «Man schläft schlecht. Das Kopfkino beginnt, wenn man im Bett liegt. Die Gedanken kommen automatisch: Was ist, wenn...?», so Rolli. Trotzdem: «Ich bin nicht der Typ, der zu Hause die Faust im Sack macht. Die Politik macht beim Thema Arbeitslosigkeit von Leuten über 50 nicht vorwärts. Deswegen muss man selbst etwas tun», so Rolli gegenüber 20 Minuten. Er sei zuversichtlich, bald eine Anstellung zu finden. Es ist nicht das erste Mal, dass Rolli versucht, via Plakat einen Job zu finden. Bereits im Frühjahr liess er Plakate aufhängen. «Das ist vielleicht eine Verzweiflungstat. Ich habe in den letzten 18 Monaten rund 300 Bewerbungen geschrieben. Vier- oder fünfmal durfte ich mich vorstellen, doch jedes Mal zeigte sich, dass mein Alter ein Problem ist», sagte er damals zur «Neuen Fricktaler Zeitung». Im Zürcher HB hingen im April 2018 mehrere Plakate, auf denen Katrin Benz sich als engagierte Arbeitskraft bewirbt. Ihre Motivation: Eine 29-Jährige probierte es im November 2017 ebenfalls mit Plakaten am Zürcher Hauptbahnhof. Wie Katrin Benz auf Nachfrage bei der jungen Frau in Erfahrung bringen konnte, hatte die Kampagne nämlich Erfolg: Über 70 Angebote habe die Kauffrau erhalten.

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Nachdem sein letzter Arbeitgeber das Unternehmen schloss, sucht der 50-Jährige aus Amriswil TG seit dreieinhalb Jahren eine neue Stelle. Bis zur Unternehmensschliessung arbeitete er im Bereich PC-Support für Soft- und Hardware. Der gelernte Strassenbauer und Vorarbeiter kann nicht mehr auf seinem ursprünglichen Beruf arbeiten, weil er einen Bandscheibenvorfall hatte. «Ich darf nur noch 10 Kilo heben und tragen.» Zudem sollte er eine Tätigkeit verrichten, bei welcher er weder acht Stunden steht, noch acht Stunden nur sitzt.

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Er könnte sich vorstellen, als Baggerfahrer zu arbeiten. «Das habe ich früher schon gemacht. Beim Baggern sitzt man vorwiegend, doch ab und zu schaufelt man auch ein bisschen von Hand. Das sollte gut gehen.» Auch eine Tätigkeit als Lagerist oder Magaziner könnte er sich gut vorstellen.

Hilfe angeboten

Über 400 Bewerbungen hat der 50-Jährige geschrieben – ohne Erfolg. Deshalb habe er seine Geschichte auch den «Oberthurgauer Nachrichten» erzählt und hofft nun, so eine Stelle zu finden. «Vielleicht gibt es ein Unternehmen, dass jemanden mit meinem Profil brauchen kann. Ich wäre überglücklich.»

Bereits haben sich zwei Personalvermittler gemeldet, die Bartholdi helfen möchten. Zudem empfahl ihm ein Leser, dass er es mit dem Austragen von Zeitungen versuchen solle. Das könne man mit einem Velo und Anhänger gut erledigen.

Doch Bartholdi winkt ab: «Das habe ich schon mal gemacht. Doch im Winter machte mein Rücken nicht mit.» Wegen der Kälte habe er grosse Schmerzen gehabt, so dass er diese Arbeit wieder aufgeben. musste. «Mit einem kaputten Rücken und kaputten Knien ist es leider nicht einfach.» Aber er bleibe positiv und hoffe, dass er bald eine passende Stelle findet. Vielleicht sogar mit einem der Stellenvermittler, die sich gemeldet haben.

(jeb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gabi S. am 15.02.2020 14:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesund

    Sobald man nicht mehr zu 100 Prozent arbeitsfähig ist, wird man ignoriert und es wird einem leider nicht mehr geholfen. IV interessiert es nicht, RAV sagt, nicht vermittelbar. Was ist mit allen denen es ähnlich geht? So wird mit dem eigenen Volk umgegangen, welche immer gearbeitet haben.

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  • Paul am 15.02.2020 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    handeln

    Personenfreizügigkeit kündigen und die Lage am Arbeitsmarkt für Leute Ü45 wird sich etwas entspannen.

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  • Stefan am 15.02.2020 16:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besser ältere Arbeiter

    Ich bin Werkstattchef, wir suchen immer erfahrene Mechaniker. Ich kann nicht verstehen warum er keinen Job findet. Wir haben mehr Probleme mit den jüngeren. Innerst 10 Monaten zwei fristlose Kündigungen ausgesprochen, weil die U25-Generation nicht arbeiten will. Also lieber Ü50er als U25er!!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dämagoge am 15.02.2020 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das darf es nicht geben

    Wenn jemand arbeiten will und er keine Arbeit erhält, steht es schlecht um eine Volkswirtschaft, vor allem wenn sie so reich, wie die CH ist.

  • Sven O am 15.02.2020 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wind

    süd-wind, 10km/h, böen 16km/h

  • bandoo am 15.02.2020 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hope

    Ich wünsche ihm nur das Beste ! Einfach mal positive Vibes

  • Hans am 15.02.2020 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    10kg

    Pc support? Strasenbauer, nicht stehen und nicht sitzen. Was für einnjob ist dass? Bagger sitzt man fast die ganze zeit! Schaufeln aber max 10kg? En witz diese Aussage!

  • Eufemio Bernasconi am 15.02.2020 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    400 war vor 3 jahren

    400 ha. Da lache ich. Hab schon weit über 1000