Schulareal gesperrt

12. Juni 2019 04:51; Akt: 12.06.2019 09:48 Print

«Für uns Mütter ist das total diskriminierend»

Die Gemeinde Sevelen SG hat über Pfingsten eine Schulanlage mit Absperrband blockiert – sehr zum Ärger einiger Mütter, die dort mit ihren Kindern spielen wollten. Die Gemeinde erklärt sich.

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«Es ist für uns Mütter einfach nicht fair. Wo sollen wir denn mit unseren Kindern noch hin?», fragt sich eine Mutter aus Sevelen. Sie wollte am Pfingstwochenende mit ihrem Kind auf dem Schulareal Gadretsch in Sevelen spielen gehen, als sie eine abgesperrte Anlage vorfand. Mehrere Zettel mit der Aufschrift: «Ganze Anlage gesperrt – Feiertag» hingen an der Anlage. Zudem wurde der hintere Teil des Schulareals mit einem rot-weissen Absperrband versehen.

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«Dass man das Schulhaus für Kinder sperrt, ist unter aller Sau», so die Mutter gegenüber 20 Minuten. Sie habe langsam das Gefühl, als wolle man, dass Kinder zu Hause eingesperrt werden. Denn laut ihr gibt es im Dorf keine weiteren Spielmöglichkeiten.

Anwohner beschwerten sich über Lautstärke

Auf Nachfrage bei der Gemeinde zeigt sich ein ganz anderes Problem: «Wir haben eher gegenteilige Reklamationen», sagt Alex Schwendener, Leiter Infrastruktur Gemeinde Sevelen. So hätten sich vermehrt Anwohner beschwert, dass die Lärmemissionen, die von der Schulanlage ausgingen, teils unzumutbar seien. «Einige Kinder und Jugendliche sitzen dort mit ihren Musik-Anlagen. An schönen Tag hören Anwohner teils bis 22 Uhr Rambazamba», so Schwendener.

Aber auch Vandalismus sei ein grosses Problem auf dem Schulareal. Schwendener: «Diverse Sachen wurden bereits beschädigt. So unter anderem Bänkli, aber auch Velos wurden schon auseinandergeschraubt.» Dabei seien die Übeltäter nicht einmal alle in der Pubertät: «Es sind nicht nur Jugendliche. Einige von ihnen sind erst zehn oder elf Jahre alt.»

Benützungstafeln bereits seit 2015

Um sich gütlich zu einigen, verfasste die Gemeinde bereits 2015 ein entsprechendes Benützungsreglement für die Schulanlagen. Darin steht geschrieben, dass die Aussenanlage jeden Sonntag von 12 bis 14 Uhr und an diversen Feiertagen gesperrt ist. So auch an den Pfingstfeiertagen. Obwohl das Reglement bereits seit über vier Jahren existiert und auch als grosse Tafel am Schulareal angebracht ist, zeigte es kaum Wirkung: «Deshalb haben wir uns entschieden, dieses Jahr die Anlage erstmals komplett abzusperren», erklärt Schwendener.

Für die Mutter ist die Einstellung der Anwohner unverständlich: «Beschweren tun sich diese Leute immer. Alternativen bieten sie aber keine. Für uns Mütter ist das diskriminierend.» Zudem argumentiert sie, dass es in anderen Schweizer Gemeinden ja auch funktionieren würde.

Zum Vergleich: In St. Gallen sind die Aussenanlagen von Schulhäusern in der Stadt St. Gallen ganzjährig für Privatpersonen zugänglich. Lediglich die Nachtruhe von 22 bis 7 Uhr und die Mittagsruhe von 12 bis 13 Uhr müssten respektiert werden.

(juu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Open Mind am 12.06.2019 06:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Faule Ausrede

    Wie wär's zum Beispiel im Wald spielen? Aber da müssen die Eltern halt aktiv mit den Kindern was machen. Immer den andern die Schuld geben ist eben einfacher.

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  • René Näf am 12.06.2019 06:28 Report Diesen Beitrag melden

    Alternativ: Waldspaziergang mit Kindern

    Sollen sich die Mütter, die sich diskriminiert fühlen, anstatt zu den Medien zu rennen, eine Alternative suchen... zum Beispiel mit den Kindern in den Wald gehen. Der war sicher nicht gesperrt. Ich kann die Anwohner von Schulhäusern verstehen, das die sich beklagen über den Lärm dort .

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  • Northern_lights am 12.06.2019 07:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon wieder das Wort diskriminierend.

    Kanns langsam nicht mehr hören. Diskriminierung da, diskrimidings dort... der Spielplatz ist für einige halt gäbig, da sich das Kind wieder selber beschäftigt während man selber die weiten des Internets durchkämmt! Sevelen hat sicher auch einen Wald, oder?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Appeeri am 12.06.2019 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    Total absurd die Sperrung!

    Die Krawallmacher und Sachbeschädiger lassen sich sicher nicht von einem Platikabsperrband aufhalten! Den Übeltätern mal richtig auf die Finger klopfen würde wohl mehr helfen als alle anständigen Kinder mit einer Sperre zu bestrafen. Aber so läuft es heute immer öfter... einer benimmt sich daneben oder beschädigt etwas, ein Anderer regt sich darüber auf und meldet es... aber bestrafft werden schlussendlich alle die nichts dafür können und nichts damit zu tun hatten.

  • Christoph am 12.06.2019 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Musik, Geschrei, Müll und Vandalismus

    Jedes der Kinder hört auf seinem Handy andere Musik, es wird nicht mehr gesprochen, sondern gebrüllt, ihren Abfall lassen sie trotz Mülleimern am Boden liegen und wenn keiner hinschaut, wird noch rasch was zerstört. Und die Eltern schauen lächelnd zu und wenn jemand was sagt, schreit man "Diskriminierung". ... und kommen noch damit durch!

  • So Biologe am 12.06.2019 10:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider

    Auch hier im Grunde ein Problem, welches aus der Überbevölkerung gewachsen ist. Solche Streitigkeiten werden entsprechend zunehmen. Lärm, Verkehrsüberlastung, Umweltverschmutzung. Kein natürlicher Feind wird dazu führen, dass die Menschheit sich selber ausrottet. Der Zenit ist erreicht.

  • mama40+ am 12.06.2019 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Toleranz

    Ich habe noch gelernt, dass am Sonntag nicht zu sehr gelärmt wird, in der Mittagspause vor 14.00 Uhr nicht rumgeschrien wird etc. Ich habe gelernt, auf andere Rücksicht zu nehmen. Ich bin ja auch froh, wenn auf mich mal einer Rücksicht nimmt. Leider sind nicht mehr viele Eltern bereit, diese Regeln durchzusetzen und deren Kinder lernen nicht schon von klein auf, Rücksicht auf die Mitmenschen zu nehmen. Auch beim Schulhaus. Liebe Mütter. Bei Sevelen hat es Wald usw. Nutzt das. Handy abstellen und los. Aber bitte Abfall wieder mitnehmen.

  • Daisydream am 12.06.2019 10:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sowas

    Wieso sollen die Anwohner für Alternativen zuständig sein. Diese Frau kann doch wohl selbstständig denken, also sich auch etwas anderes ausdenken als immer nur Spielplatz. Z.B. Wald. Der Hauswart und die Anwohner haben doch auch mal einen ruhigen Feiertag/Sonntag verdient.