Mord in St. Gallen

13. Juni 2016 17:00; Akt: 20.12.2017 11:33 Print

«Haki und sein Mörder standen sich sehr nahe»

In Sirnach wurde ein 59-jähriger Kosovare festgenommen. Er wird verdächtigt, vor einem Monat seinen Cousin (41) mitten in St. Gallen erschossen zu haben.

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Kantonspolizisten der Kantone St. Gallen und Thurgau nahmen am Donnerstag kurz nach Mittag gemeinsam den 59-jährigen B.R.* fest. Er wird verdächtigt, am 12. Mai Haki S.* morgens um 5 Uhr in der Webergasse in St. Gallen auf offener Strasse erschossen zu haben. Das teilte die Staatsanwaltschaft St. Gallen am Montag mit. Die Staatsanwaltschaft beantragte beim zuständigen Zwangsmassnahmengericht Untersuchungshaft. Diese wurde für die Dauer von drei Monaten bewilligt.

Beim mutmasslichen Täter handelt es sich nach Recherchen von 20 Minuten um den Familienvater B.R.* aus Sirnach TG. Der 59-jährige Kosovare ist laut einem Bekannten des Mordopfers ein Cousin des 41-Jährigen und war eng mit Haki S. befreundet. Der Bekannte sagt zu 20 Minuten: «Die beiden standen sich sehr nahe. Ich kann mir vorstellen, dass R. Geld für Haki S. verwaltete.» Da sich dieser illegal in der Schweiz aufhielt, habe er in der Schweiz kein Bankkonto für sich eröffnen können. Auch soll Haki S. einen grossen Teil seines Geldes seinem Umfeld ausgeliehen haben. Darüber hat er in einem Heftchen Buch geführt.

Kein Hinweis auf Konflikt

Laut dem Bekannten hatte der mutmassliche Täter Schulden bei seinem Freund Haki S. Das könnte ein Motiv für den Mord sein. Die Staatsanwaltschaft will aufgrund der laufenden Ermittlungen Hinweise zum Mordmotiv nicht kommentieren.

Im Umfeld von R. ist man überrascht. Man kann kaum glauben, dass der Vater von vier Kindern seinen Cousin und Freund aus nächster Nähe erschossen haben soll. «Das Verhältnis zwischen Haki S. und R. war immer sehr herzlich. Es gab keinen Hinweis auf einen Konflikt», so ein Bekannter.

Vom Balkon gefallen

Seit dem 9. Juni sitzt R. in Untersuchungshaft. Bitter für die Familie des mutmasslichen Täters, denn erst vor einem Jahr starb die Gattin von R., nachdem sie im Kosovo beim Wäscheaufhängen vom Balkon gefallen war.

«Damals waren wir alle bei der Trauerfeier», erinnert sich eine Verwandte von Haki S. «Es war nichts von einem Streit zu spüren. Im Gegenteil, man war sehr solidarisch.» In ihrer Familie könne man noch immer nicht glauben, dass B. R. das getan haben soll. «Er und Haki verstanden sich bestens.» Besonders tragisch sei, dass B. R. eine grosse Familie hat, vier Kinder und mehrere Enkel. «Statt den Lebensabend mit der Familie zu geniessen, sitzt er nun hinter Gittern.» Dass es nun zu Blutrache kommt, glaubt die Frau nicht: «In Hakis Familie ist man nicht so drauf», sagt die Frau. Wichtig sei aber, «dass Hakis Mutter nun weiss, wer das getan hat».

Erfolgreiche Ermittler

Die Verhaftung von R.* war das Ergebnis der Ermittlungen durch Staatsanwaltschaft und Polizei. Nach der Bluttat wurden Spuren ausgewertet, die Wohnung des Opfers durchsucht sowie die Bevölkerung in zwei umfangreichen Zeugenaufrufen zur Mithilfe gebeten. «Der mutmasslich entscheidende Hinweis, der zur Verhaftung führte, stammte aus den Ermittlungen der Kantonspolizei St. Gallen», sagt Roman Dobler, Medienbeauftragter der Staatsanwaltschaft. Wie Opfer und mutmasslicher Täter zueinander standen, gab Dobler aufgrund der laufenden Untersuchung nicht bekannt. Auch zum Motiv konnte Dobler nichts sagen.

* Namen der Redaktion bekannt

(qll/jeb)