Rapperswil-Jona SG

19. Januar 2020 18:37; Akt: 19.01.2020 22:25 Print

«Ich dachte, es sei ein Witz, dann sah ich Blut»

Bei einem Filmdreh in einer Bar spritzte plötzlich echtes Blut. Bei zwei Schussabgaben ging etwas schief, es gab drei Verletzte. Beteiligte sprechen von einem grossen Schock.

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Am Samstag wurden in der Boomerang-Bar in Rapperswil-Jona Szenen für einen Hollywoodstreifen aufgenommen. Für die Szenen wurden auch echte Waffen eingesetzt. Geschossen wurde aber mit Knallpatronen und nicht mit scharfer Munition. Dennoch wurden durch zwei Schüsse drei Personen verletzt. Andrei Lupu, der als Director of Photography im Einsatz war, sagt: «Ich war gerade am Filmen, als das Unglück geschah. Anfänglich realisierte ich gar nicht, was passiert war. Ich dachte zuerst, es sei ein Witz. Dann sah ich, dass jemand Blut an seinen Händen hatte.» Er geht davon aus, dass die Verletzten von Plastikteilen der Platzpatronen getroffen wurden.

Nach dem Vorfall sei die Angst beim Team von rund 25 Leuten allgegenwärtig gewesen, so Lupu. Für ihn sei es das erste Mal gewesen, dass er mit Platzpatronen gearbeitet habe. Sie hätten der Polizei noch am Abend das Material gezeigt und die Kameras und Speicherkarten ausgehändigt. Lupu: «Am Sonntag konnte ich auf der Polizeistation die Kameras zurückholen. Sie sagten mir, es sei wahrscheinlich ein Produktionsfehler. Die Platzpatronen sollten nichts abfeuern. Wir hatten alle Angst.»

Produzent bedauert den Vorfall

Gedreht wurde der Actionfilm «Smokers». Produzent Peter Organ sagt gegenüber dem «Blick»: «Wir haben die Waffen und die Munition von der Kantonspolizei bewilligen lassen. Der Waffenhändler erklärte uns, dass nur das Gehör ein Problem sei. Nicht das Mündungsfeuer.» Unter den Verletzten sei auch seine Nichte gewesen. «Es tut uns so leid, was passiert ist.»

Organ wurde danach mehrere Stunden von der Polizei befragt. Markus Rutz, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen stellt klar: «Verhaftet wurde niemand. Alle Beteiligten wurden aber ausführlich befragt.» Die genauen Umstände, die zu den Verletzungen führten, werden noch ermittelt.

Besitzer mit mulmigem Gefühl

Schockiert über die Ereignisse war auch Manuel Rigamonti, der Besitzer der Boomerang-Bar in Jona. «Ich wurde von einer Mitarbeiterin informiert und bin sofort in das Lokal gefahren. Die Stimmung vor Ort ist speziell gewesen», so Rigamonti. Auch er selbst habe ein mulmiges Gefühl gehabt. Zu diesem Zeitpunkt habe noch niemand ganz genau gewusst, was passiert sei.

Die Bar hat er für den Filmdreh zur Verfügung gestellt. Er habe gewusst, dass eine Mafiaszene gedreht wird, und sei deswegen auch davon ausgegangen, dass Waffen gebraucht werden. Doch mit einem solchen Ergebnis habe er nicht gerechnet. Mittlerweile ist in der Bar wieder der Normalbetrieb eingekehrt und das mulmige Gefühl sei weg.

Auch beim Filmteam geht die Arbeit weiter. « Wir werden weiter filmen, aber nicht mehr mit Platzpatronen», sagt Andrei Lupu.

(mig/ehs)