Unfall in Uznach SG

03. Dezember 2018 17:31; Akt: 03.12.2018 21:03 Print

«Dachte an meine Familie und stieg ins Wasser»

In einer dramatischen Rettungsaktion befreite Kantonspolizist Daniel Willi (40) eine Frau (80) aus einem versunkenen Auto und rettete ihr Leben. Hier sein Bericht.

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«Ich war im Büro auf dem Polizeistützpunkt in Schmerikon, als am Sonntag um 18.15 Uhr die Meldung einging, ein Auto sei in den Steinenbach geraten und versunken», sagt Daniel Willi zu 20 Minuten. Der 40-jährige Wachtmeister sprang sofort auf, setzte sich ins Auto und fuhr los. «Der Anrufer hatte allerdings den Ort falsch angegeben», erzählt Willi. So sei er zunächst Richtung Benken SG aufgebrochen. Zum Glück klärte sich das Missverständnis schon auf der Anfahrt und Willi konnte zur Unfallstelle in Uznach gelotst werden.

Abschleppseil und Nothammer

Dort traf er auf den rund 50-jährigen Anrufer. Willi: «Dieser kümmerte sich um den 80-jährigen Beifahrer, der sich selbstständig durch die Scheibe aus dem gesunkenen Auto hatte befreien können. Er sagte, die Frau sei noch im Auto und das schon lange.» Willi sah das Heck des Wagens noch rund zehn Zentimeter aus dem Wasser ragen. Sofort zog seinen Waffengurt aus, warf ihn ins Auto und ging an den Bach. «Dort schätzte ich die Situation ab. Ich überlegte, ob ich es vor meiner Familie verantworten könnte, da hineinzusteigen», so der Vater zweier Mädchen im Primarschulalter.

Mit einem Abschleppseil in der einen und einem Nothammer in der anderen Hand stieg Willi ins Wasser. Das andere Ende des Seils hielt der Anrufer in der Hand. Der Regen hatte den Bach ansteigen lassen. Willi: «Das Wasser reichte zunächst bis zu meiner Brust, dann bis zum Hals. Ich dachte: ‹Jetzt bloss keinen Krampf bekommen!›.»

Immer weniger Luft

Mit der Hand sei es ihm dann gelungen, die hintere Beifahrertüre des PW zu öffnen. «Ich griff in den Wagen und spürte, dass sich da noch jemand bewegte», so der Polizist. Er habe die Frau dann um den Brustkorb packen und aus dem Auto ziehen können. «Es war ihr gelungen, vom Fahrersitz nach hinten zu klettern, wo sich eine Luftblase gebildet hatte», erzählt er. Der Anrufer zog die beiden mit dem Abschleppseil danach langsam ans Ufer.

Dort warteten bereits die ersten Rettungskräfte. «Bis zu dem Moment hatte ich gar nicht gespürt, wie kalt es war», sagt Willi, der nur mit Poloshirt, Hose und Stiefeln bekleidet war. Am Ufer kümmerten sich Sanitäter um die 80-jährige Frau und ihren Retter. Dieser hatte sie wohl in letzter Minute erreicht: «Sie muss gute zehn Minuten im Auto eingeschlossen gewesen sein», so Willi. «Später sagte sie mir, sie habe immer weniger Luft bekommen.»

Auch einen Tag nach der Rettung empfand Daniel Willi vor allem eines: «Glück.» Aus der ganzen Schweiz würden sich Kollegen melden und ihm gratulieren: «Das Handy läuft heiss.» Seinen Kindern wird der Retter aber erst am Montagabend von der Tat berichten können: «Sie schliefen schon, als ich am Sonntagabend nach Hause kam. Bestimmt werde ich mit Fragen gelöchert.»

(juu/eli)