Schlussbilanz OAFF

14. Juli 2019 19:23; Akt: 14.07.2019 19:23 Print

«Ich finde jedes Jahr Dinge im Wert von 500 Franken»

Das Openair Frauenfeld ist zu Ende. Polizei und Veranstalter ziehen eine positive Bilanz. Auch dieses Jahr bleiben Müllberge zurück.

Auch dieses Jahr wurden viele Zelte auf dem Gelände liegen gelassen.
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«Die 25. Ausgabe des Openair Frauenfeld 2019 schliesst mit einer positiven Bilanz ab», schreibt Joachim Bodmer, Mediensprecher des Openair Frauenfeld, am Sonntag in einer Medienmitteilung. Zum vierten Mal in Folge war das Festival ausverkauft. Insgesamt 180'000 Besucher tummelten sich vom 11. bis 13. Juli auf dem Gelände in Frauenfeld. Die Gäste seien aus allen Ecken der Schweiz, aus Österreich, Deutschland und anderen Teilen Europas angereist. Viele fuhren mit dem Auto vor, die meisten kamen per Zug.

61 Stars aus den USA, England, Deutschland und Frankreich standen auf den vier Bühnen und rund 60 DJs in den drei Partyzonen. Zudem seien dieses Jahr über 200 internationale Influencer präsent gewesen.

Das finale Fazit bezüglich Abfall und Recyling kann der Veranstalter erst nach Auswertung aller Zahlen und nicht vor Ende August machen.

«Man findet ganze Outfits»

Wie ein Augenschein am Sonntag vor Ort zeigt, dürfte diese allerdings auch dieses Jahr nicht all zu positiv ausfallen. Zahllose Zelte, Pavillons und Stühle blieben liegen.

Auch dieses Jahr wurde auf die Zelte der Besucher ein Depot von 20 Franken hinterlegt. Dies ist für viele der Gäste aber nach wie vor nicht Ansporn genug, die Zelte nach Ende des Festivals wieder nach Hause zu nehmen. «Der Aufwand, das abzubauen, lohnt sich schlicht nicht für diese 20 Franken», sagt Festival-Besucher Walid Tannir. «Wir sind nicht die einzigen, die ihr Zeug stehenlassen», ergänzt er. So sei das schlechte Gewissen nicht so gross.

«Ich finde jedes Jahr Dinge im Wert von 500 Franken»

Andere hingegen kommen extra am Sonntag auf das Gelände, um die zurückgeblieben Gegenstände einzusammeln. «Man findet ganze Outfits: Neue Schuhe, Sonnenbrillen, Hosen», erzählt ein Mann, der jährlich eine Runde auf dem Gelände dreht und nach Wertgegenständen sucht. Er finde dabei jeweils Waren im Wert von über 500 Franken. Jana Studer und Cécile Niedermann aus Uster ZH besorgen auf diesem Weg Equipment für die kommenden Festivals: «Wir finden es schade, wenn das einfach liegen bleibt. Viele Dinge sind noch voll funktionsfähig.» Für die beiden sei das Ganze eine Art Schatzsuche.

Insgesamt 23 Personen festgenommen

Nicht nur der Veranstalter ist zufrieden mit dem Ablauf des Openairs, auch die Polizei zieht eine positive Bilanz. «Das Festival verlief ruhig und mehrheitlich friedlich», schreibt Matthias Graf, Mediensprecher der Kapo Thurgau, in einer Mitteilung. Es wurden rund 50 Diebstähle angezeigt. Meist wurden Wertsachen aus Zelten gestohlen.

Insgesamt wurden 23 Personen festgenommen, davon kamen drei in polizeilichen Gewahrsam. Bei acht Personen konnten jeweils mehrere Portionen Betäubungsmittel oder eine grössere Menge Bargeld festgestellt werden. Wegen Verdachts des Handels mit Betäubungsmitteln wurden sie inhaftiert. Wegen einfacher Körperverletzung wurden drei weitere Personen festgenommen.

46 Personen mussten ins Spital

Die Sanität zählte knapp 2000 Konsultationen, 96 Personen mussten ärztlich behandelt werden. In 46 Fällen verfügten die Ärzte eine Spitaleinweisung zur Weiterbehandlung. Zumeist habe es sich um Alkohol- oder Drogenvergiftungen gehandelt.

Mit dem bewährten Konzept war die Feuerwehr Frauenfeld am Festival im Einsatz und musste zweimal wegen kleineren Bränden ausrücken.

Bei der An- und Abreise der Besucherinnen und Besucher kam es auf den Strassen in der Region Frauenfeld zu Verkehrsbehinderungen. Rund 7000 Fahrzeuge standen auf den Parkplätzen beim Festivalgelände.

(mwa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • C. L am 14.07.2019 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verwöhnte Kids

    Einfach nur tragisch. Für 20 franken lohne es sich nicht das Zelt abzubauen. Da merkt man wie verwöhnt diese Kids sind. Am Greenfield liegt niemals so viel rum am schluss und da gibts auf die Zelte nicht einmal ein Depot, nur auf die Pavillions. Aber was will man machen, dass Outfit für 3000 franken könnte beim abbau js schmutzig werden, dass will niemand riskieren.

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  • Fabienne am 14.07.2019 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ran ans Geld

    Nicht 20 sondern min 300 Fr Depot pro Zeltund schon wird es abgebaut und mitgenommen.

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  • Snusiii am 14.07.2019 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    100 Franken?

    von 20 Franken gleich auf 100 Franken oder mehr erhöhen! Mal sehen ob die Leute immer noch so denken.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein Teilnehmer am 15.07.2019 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    20.- CHF Depot

    Die Sache ist sicher eine gute Idee, allerdings sollte man dies zu jeder Zeit zurückerhalten. Wir hatten 2. Zelte und 3 Pavillions zurückgenommen aber keinen Franken erhalten, weil man ab 2Uhr das Depot nicht bekam.

  • Marco am 15.07.2019 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Das Spiegelbild der Weltretter...

    Das ist die Schande der Weltretter-Generation. Bei solchen Veranstaltungen sieht man wie ernsthaft die Jugend, mit Umweltverschmutzung, den eigenen Abfall liegen lassen, umsichtiger umgang mit Resoursen, Abfallvemeidung bis hin zu Enegieverschwendung uvm. bei sich selbst die Messlatte nieder hällt. Das ist das Spiegelbild der Weltretter.

  • Andreas Burgermeister am 15.07.2019 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wegwerfartikel

    Das ganze Jahr über sind die Detailhändler darum bemüht, sich so grün und Bio wie nur möglich zu geben. Nehmen wir als Beispiel Coop und sein Subunternehmen Interdiscout. Passend zur Open Air- Saison werden Pavillons, Zelte, Klappstühle usw. zu billigstpreisen verschachert, welche nur dem Zweck dienen einmal verwendet zu werden und dann im Müll landen. Leicht verdientes Geld in kurzer Zeit. Grün, Bio, "Aus der Region"? Who cares?

  • Toni Trappatoni am 15.07.2019 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Zynische Leute

    So und die Leute, welche diese Müllberge hinterlassen, sind die selben, die kommenden Freitag wieder zum KlimaStreik aufrufen. Tolle Menschen ohne co2 Ausstoss wirklich!!!

  • ms am 15.07.2019 08:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ferien

    komme soeben aus den Ferien in Nord-Frankreich zurück. In Sachen Sauberkeit in den Städte, Dörfern und Strassenrändern und vor allem den Schnellstrassen um einiges besser als bei uns. Wahrscheinlich leben die Franzosen nicht so im Überfluss und schätzen die Arbeit der andern Leute (Reinigungspersonal).