Menschliches Bein gefunden

31. Juli 2018 20:03; Akt: 31.07.2018 21:42 Print

«Ich traue mich nicht mehr in den Wald»

In Untervaz rätseln die Menschen nach dem Fund eines Beins: Wer hat es ins Dorf geschleppt, und wer war das Opfer? Die Polizei gibt Entwarnung.

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Am Ort, an dem am 21. Juli in Untervaz GR ein Menschenbein gefunden wurde, riecht es modrig. Am Boden liegt eine alte Etikette eines Rasierers. Wem das Bein gehört, ist unklar. Der Fund verunsichert die Dorfbewohner. «Ich gehe nicht mehr in den Wald spazieren», sagt eine Anwohnerin. Viele andere würden es ihr gleichtun.

Ob das gefundene Menschenbein mit einem Verbrechen in Verbindung steht, ist nicht klar – ebenso wenig, wie es an den Rand des ruhigen Dorfes geraten ist. Vermisst wird im Dorf niemand, die Anwohner rätseln über die Identität des Opfers. «Meinen Kindern habe ich nichts davon erzählt», sagt ein Mann, der neben dem Fundort lebt. Es sei ein mulmiges Gefühl, nicht zu wissen, was hinter dem grausigen Fund stecke.

«Wieso wurden wir nicht informiert?»

Am Bein wurde ein Schuh gefunden, wie ein Anwohner gegenüber 20 Minuten sagt und wie die Kantonspolizei Graubünden auf Anfrage bestätigt. Das sei das mysteriöse am Fall, sagt ein Anwohner. Dass Tiere Knochen und Gebeine verteilten, wenn sie darauf stiessen, sei nicht aussergewöhnlich. Schliesslich habe man bis in die 40er-Jahre zum Teil auch die verstorbenen Mitbürger im Wald oder nahe der Häuser begraben. Dass aber ein Schuh noch erhalten sei, deute darauf hin, dass das Opfer vor nicht allzu langer Zeit verstorben sei.

Solche Gedanken macht sich auch eine Anwohnerin. «Wieso hat uns die Polizei nicht informiert?», fragt sie. «Es kann sein, dass ein Krimineller in der Gegend im Wald herumschleicht, und wir wissen von nichts. Erst eine Woche später haben wir über die Medien vom Fund erfahren.»

War es der Wolf?

Dass das Bein in die Nähe des Dorfes geraten ist, führen viele auf wilde Tiere zurück. «Ich fürchte, dass es der Wolf war, der das Bein hierhin geschleppt hat», sagt ein Einwohner von Untervaz. Der sei schon in der Region gesichtet worden. Das Tier wäre in diesem Fall bis auf wenige Meter an bewohntes Gebiet herangekommen.

Die Kantonspolizei Graubünden informiert nicht aktiv über den Fall. Sprecher Markus Walser sagt, ein solcher Fund sei nicht speziell. «Wenn beispielsweise jemand im Wald Suizid begeht, kommt es immer wieder vor, dass die Gebeine von Tieren verschleppt werden», sagt er. «Im Kanton Graubünden gibt es viele wilde Tiere wie Füchse, Wölfe oder Bären, die dazu imstande sind.» Zum Geschlecht oder Alter des Opfers mache die Kantonspolizei keine Angaben. «Es besteht aber kein Grund zur Annahme, dass die Bevölkerung in Gefahr ist.»

(ehs)